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Harte Zeiten für Studenten : Die Uni-Städte werden immer teurer

Angesichts der anziehenden Mietpreise registrieren Immobilienmarktfachleute eine abnehmende Flexibilität an den Märkten. Wer eine Unterkunft hat, gibt sie so schnell nicht auf. Ein längerer Auslandsaufenthalt oder mehrere Praktika in anderen Städten mit ungewisser Rückkehr sind im Zweifelsfall kein Grund, seine Wohnung oder das WG-Zimmer zu kündigen. Das lässt das Unter- und Zwischenmietgeschäft kräftig blühen – und treibt die Suchenden teils zu unzähligen (und unsäglichen) „Castings“ für eine Unterkunft auf Zeit.

Ursache für eine höhere Miete kann eine umfassende Modernisierung sein

Wird doch eine Bleibe endgültig frei, findet sich häufig im privaten Umfeld von Mieter oder Vermieter ein Nachfolger. „Das sind oft die günstigeren Wohnungen, die offiziell gar nicht auf den Markt kommen“, sagt Voigtländer. „Wer von außen zuzieht, kommt an solche Angebote kaum ran.“

Es ist jedoch nicht nur der grundsätzliche Mangel an Wohnraum, besonders an kleinen Wohnungen, der die Mieten so stark hat steigen lassen. Den IW-Forschern ist bei ihrer Analyse aufgefallen, dass auch die gestiegene Qualität des Angebots die Preise hat nach oben schnellen lassen. Ursache für eine höhere Miete kann zum Beispiel eine umfassende Modernisierung sein. Als Preistreiber erweisen sich an einigen Standorten aber ausgerechnet auch jene Angebote, die ausdrücklich als Studenten-Apartments angepriesen werden: jene Mikro-Wohnungen von 20 bis 30 Quadratmetern, die voll möbliert auf den Markt kommen und den Bewohnern noch diverse Gemeinschaftsflächen wie Dachterrasse, Fitnessraum sowie den einen oder anderen Service offerieren. Unterkünfte dieser Art sprießen seit einigen Jahren wie Pilze aus dem Boden, denn für die Investoren sind sie ein lukratives Geschäft, da sich mit ihnen viel höhere Quadratmeterpreise erzielen lassen. Als Hochburg des Mikro-Apartmentbaus gilt Frankfurt, einer der hochpreisigsten Wohnorte Deutschlands. „Solche Ein-Zimmer-Wohnungen sind in der Regel deutlich teurer als normale Angebote – und heben das allgemeine Preisniveau an“, urteilt Voigtländer.

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Angesichts der schwierigen Situation in den Universitätsstädten beobachten Makler, dass sich zunehmend Eltern dafür entscheiden, in eine Studentenwohnung zu investieren, damit das eigene Kind untergebracht ist. Seit nun gut einem Jahr registriert man etwa bei Ziegert Immobilien in Berlin und Lang Immobilien in Frankfurt, dass Eltern als Käufer für ihre Kinder aktiv werden, während laut Maklerhaus Aigner dieser Trend in München schon seit längerem besteht. Das ist insofern nicht verwunderlich, als sich der Markt „parallel zu den steigenden Mieten entwickelt“, wie Immobilienvermittler Michael Lang feststellt. Gefragt seien üblicherweise Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen, berichtet der Frankfurter Makler. Wie sein Berliner Kollege schätzt er den Anteil der Investoren-Eltern am Geschäft insgesamt auf inzwischen 5 bis 10 Prozent. Für München geht Thomas Aigner eher von 10 bis 15 Prozent aus.

Vor allem bei der internationalen Klientel sei es üblich, in Wohnraum für den Nachwuchs zu investieren, heißt es seitens der Makler. Ziegert Immobilien berichtet von Anlegern aus China, arabischen Geschäftsleuten oder EU-Abgeordneten aus Straßburg, denen es zunehmend auch deutsche Familie gleichtäten. „In der Eltern-Generation ist ja häufig Geld da, das Kind muss ohnehin beim Wohnen finanziell unterstützt werden, und mit dem Kauf bleibt das Geld wenigstens in der Familie“, nennt Lang ein Motiv für ein solches Investment. Dazu komme, dass die Kaufpreise der Wohnungen renditeorientierten Kapitalanlegern keine wirkliche Verzinsung mehr böten, wenn man die Instandhaltungsrücklage in die Kalkulation mit einbeziehe, ergänzt Makler Aigner. Eltern, die an ihre Kinder vermieteten, setzten dagegen von vornherein auf das Steuersparmodell mit Verlusten aus Vermietung und Verpachtung. Und sofern die Miete nicht zu stark unterhalb der Marktmiete liege, „ist das auch gegenüber dem Finanzamt darstellbar“.

„Klar ist, dass sich das nur die vermögende Schicht leisten kann“, sagt Makler Lang. Für die Mehrheit der Studenten, die nun an die Unis drängen, ist das keine Lösung. Sie konkurrieren auf den Wohnungsmärkten nicht nur mit ihresgleichen, sondern auch mit Auszubildenden, Berufseinsteigern und Rentnern. Was ihnen allen helfen würde, liegt für Ökonom Voigtländer auf der Hand: „Bezahlbarer Neubau im großen Stil“.

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