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Kommentar : Kein Grund, das Pendeln zu verteufeln

Leben auf dem Land, Arbeiten in der Stadt – das ist anstrengend und schadet der Umwelt. Doch Pendeln trägt auch dazu bei, dass die Mieten nicht noch stärker steigen.

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          Wer täglich lange Strecken zur Arbeit zurücklegt, mag das als Verlust von Lebensqualität spüren. Außerdem trägt er zu Verkehrsstaus und umweltschädlichen Emissionen bei, vor allem wenn er im Auto sitzt. Doch das sind nur einige Teile der Wahrheit des Pendlerdaseins. Zunächst muss nicht jedem, der weit entfernt von seinem Arbeitsplatz wohnt, unterstellt werden, dass er dies aus bitteren Zwängen heraus tut.

          Es gibt gute Argumente fürs Leben auf dem Land. Das mag heimatliche Verbundenheit sein, die Liebe zur Natur oder ein reges Vereinsleben. Ein besonders guter Grund dürften Preisunterschiede sein: Auf dem Land sind Immobilien grundsätzlich deutlich billiger als in den Ballungsräumen. Es kann also durchaus ein sinnvolles Kalkül sein, mit seiner Familie in eine großzügige Wohnung auf dem Land zu ziehen, anstatt in einer beengten teuren Stadtwohnung zu darben.

          Es gibt also keinerlei Anlass, das Pendeln grundsätzlich zu verteufeln. Immerhin trägt es auch dazu bei, dass die Preise und Mieten auf den meist angespannten Wohnungsmärkten nicht noch stärker steigen. Dorthin zieht es in der Tat seit vielen Jahren die Menschen, in die Nähe ihrer Arbeitsplätze, aber auch zu Ärzten, Einzelhandel, Gastronomie, Schulen und Universitäten und einem reichhaltigen kulturellen Angebot. Dass sich das Wohnen in den Metropolen inzwischen an manchen Stellen bedenklich verteuert hat, hängt aber nicht nur mit der Nachfrage zusammen.

          Es liegt auch an verfehlter Wohnungspolitik, vor allem an der zu geringen Ausweisung von Bauland, an der ständigen Verteuerung des Wohnungsbaus durch staatliche Vorgaben zur Energieeffizienz oder den Wettlauf der Länder um die höchsten Sätze bei der Grunderwerbsteuer. Dass es an neuem Bauland fehlt, ist allerdings nicht nur eine Schuld der Politik: Es gibt prominente Beispiele etwa aus Berlin oder Frankfurt, wo sich Bürger mit Händen und Füßen und Volksbefragungen gegen die eigentlich sinnvolle Schaffung neuer Quartiere wehren. Auch der zuweilen egoistische Widerstand gegen die Nachverdichtung in den Städten, also die Aufstockung von Gebäuden oder den Neubau auf freien Plätzen zwischen Gebäuden, verhindert neue Wohnungsangebote in den Großstädten.

          Auch auf dem Land gibt es natürlich Bausünden: zum Beispiel neue Einfamilienhaussiedlungen am Rande von Dörfern, deren Ortskerne veröden. Doch dagegen könnten sich die Kommunen selbst helfen – schon deshalb, um für Pendler attraktiv zu bleiben.

          Michael Psotta

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

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