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Fertigkeller : Schneller zum Keller

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Keine drei Wochen später ist der Keller verschwunden. Alle noch bestehenden Lücken im Erdreich werden wieder verfüllt. Jetzt lugt das versenkte Geschoss lediglich als fünfzig Zentimeter hoher, grauer Sockel aus dem Boden. Darauf baut das Hausbauunternehmen das Eigenheim aus Holzfertigteilen. Wieder rollen die Lastwagen. An einem Tag steht das Gerippe, am zweiten der Dachstuhl.

Nun geht es darum, Fertigkeller und Haus miteinander zu verbinden. Die Anschlüsse müssen perfekt passen. Das setzt voraus, dass die Baupläne für beide Bausysteme gut aufeinander abgestimmt sind. Häufig machen Hausbauer und ihre favorisierten Kellerbauer gemeinsame Angebote. Sie kennen ihre Schnittstellen, gerade bei den Standardausführungen. Die Deuters mussten dagegen im Vorfeld einige Planungen und Koordinationen selbst in die Hand nehmen, erzählen sie. Die Familie will zum Beispiel einen zusätzlichen Kellerausgang an der Stirnseite des Hauses: eine Treppe, die direkt in den Garten führt. „Das ist für uns sinnvoll“, sagt Anja Deuter, denn ihre Kinder sollen direkt vom Spielkeller nach draußen können. Außerdem ist es praktischer, die Gerätschaften auf diesem Weg in den Garten zu schaffen statt durchs Erdgeschoss. Auf einen Schuppen könnten sie so verzichten, nennt die Bauherrin einen aus ihrer Sicht weiteren Vorteil des Kellers.

Wenn schon Keller, dann auch vollwertig zum Wohnen

Deuters wählten den zweiten Eingang über eine Art Keller-Konfigurator des Herstellers. Die Außenkellertür mit Betontreppe ist dort ein Modul, das man hinzubuchen kann. Die großen Hersteller auf dem Markt wie Knecht Fertigkeller, Bürkle Keller oder Glatthaar bieten mittlerweile etliche Varianten an. Die Planung geht etwa so wie der Küchenkauf bei Ikea: Man klickt sich durch eine Welt von visualisierten Optionen, fügt etwas zusammen, verwirft einiges wieder, sucht neue Elemente. Prinzipiell ist das sehr einfach. Nur müsse man sich dafür entsprechend in Detailfragen einarbeiten und die Planungshoheit behalten, mahnt Anja Deuter. Sie will außerdem eine zusätzliche automatische Lüftungsanlage im Keller, zudem Beton-Lichtschächte für die Fenster anstatt der einfachen aus Plastik.

Alles hat seinen Preis. Ihr Keller kostet insgesamt etwa 85.000 Euro. Dafür verspricht der Hersteller, dass in den unterirdischen Zimmern Wohnraumklima herrscht. Die Bauweise ist energetisch zertifiziert und trocken, die Räume werden günstig zu beheizen sein. Für die Bauherrenfamilie ist es ein Kompromiss. So passt das in konventioneller Beton- und Dämmplatten-Bauweise errichtete „Unten“ noch am besten zu ihrem baubiologisch gesunden „Oben“.

Die besonders guten Wärmedämmwerte zeichnen übrigens die meisten Betonkeller aus, auch jene, die vor Ort in einer Schalung gegossen werden. Diese Bauart ist ebenso stark verbreitet. Seltener hingegen werden die gemauerten Keller, die Stein auf Stein errichtet werden und hinterher mit einer Bitumenschicht wasserdicht gemacht werden müssen. Das Risiko, dass sie doch Feuchtigkeit ziehen, ist hoch.

„Und das passt nicht zu dem Anspruch, der heute gilt: Wenn schon Keller, dann auch vollwertig zum Wohnen“, urteilt Andreas May, der als Sachverständiger für den Bauherren-Schutzbund in München tätig ist. May beurteilt die Qualität neuer Keller, noch während sie gebaut werden. Von den wohl 200 Bauvorhaben, die er im Jahr besuche, hätten 198 einen Keller, sagt der Architekt. Im Süden baue man eben traditionell mit Untergeschoss. Diesen Unterschied zum restlichen Deutschland machen viele Beobachter aus. Im Norden gäbe es anteilig die wenigsten Keller, wenngleich sich auch derzeit einiges wandle. Das wiederum kann der Ur-Münchner May nur begrüßen, denn eine Entscheidung zum Keller sei fundamental: „Hat man einmal ohne gebaut, ist es nicht revidierbar.“

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