https://www.faz.net/-gz7-95m48

Feriendomizil in den Bergen : Bauboom am Großvenediger

  • -Aktualisiert am

Weil traditionelle Orte wie Kitzbühel längst zu teuer sind, weichen die Projektentwickler immer weiter in B-Lagen aus. Bild: Imago

Ferienimmobilien in Österreich sind trotz rechtlicher Hürden und hoher Preise stark gefragt. Für die Einheimischen wird das zum zweischneidigen Schwert.

          6 Min.

          Wenn morgens um sieben die Bagger anrollen, die Baukräne ihre Arme ausfahren und schwer beladene Lastwagen über die engen, gewundenen Gassen hangaufwärts ächzen, dann wissen die Neukirchener: Es ist Zwischensaison. In den Wochen vor dem Winterauftakt, wenn die Sommergäste abgereist sind, die Einheimischen verschnaufen und selbst kurz ausspannen, legen die Bauarbeiter Extraschichten ein.

          Schnell noch soll Chaletsiedlungen der letzte Schliff verliehen werden, sollen Baugruben gefüllt und Zufahrten für neue Apartmentanlagen gelegt werden - bevor Kälte, Schnee und die zahlungskräftigen Wintertouristen kommen. Ganze Straßenzüge scheinen in Bewegung in der 2500-Seelen-Gemeinde am Fuß des Großvenediger, ein Bild, das sich in dem ausladend geformten Pinzgau-Tal zwischen Königsleiten, Zell am See und darüber hinaus wiederholt: Ferienimmobilien in Österreich boomen.

          Interessenten aus Westeuropa

          "Die Nachfrage wächst genauso, wie die Attraktivität von Österreich als Urlaubsland Jahr für Jahr zunimmt", sagt der Geschäftsführer der Immobilienagentur Kristall Spaces, Simon Atterbury. Österreich genieße den Ruf als sicherer Hafen mit Wachstumsraten von bis zu 8 Prozent in einzelnen Hotspots und unter bestimmten Finanzierungsbedingungen. Baufirmen, Makler und der österreichische Immobilienverband (ÖVI) bestätigen die Beobachtung des britischen Projektentwicklers. "Das Interesse ist da", bekräftigt Roy Roeven vom niederländischen Bauträger Chalets Plus. Das Unternehmen errichtet in Neukirchen am Großvenediger auf etwa 30 000 Quadratmetern ein Feriendorf mit eigenständiger Infrastruktur. "Viele Leute kommen weg von Urlaubszielen wie der Türkei und entdecken Österreich als Alternative mit phantastischen Nationalparks", sagt Roeven.

          Neben Österreichern selbst sind es vor allem Menschen aus den Niederlanden, Deutschland, England und teilweise Skandinavien, die sich für Apartments und Chalets in der Bergwelt interessieren - trotz rechtlicher Fallstricke und komplizierter Zweitwohnsitzregelungen, die von Bundesland zu Bundesland variieren. Hinter dem Interesse an Ferienimmobilien stecken nicht nur die anhaltende Niedrigzinsphase und die grundsätzliche Nachfrage nach Immobilien: Die zunehmende Bedeutung des Sommertourismus lässt Ferienhäuser und -wohnungen zur renditeträchtigen sogenannten Dual-Use-Anlage werden. "Im Vergleich zu anderen Alpenländern sind die Österreicher führend, wenn es um das Erschließen neuer Touristengruppen geht, vor allem jüngerer Menschen der sogenannten Generation Y", sagt Kristall-Spaces-Chef Atterbury. "Apartments in Gegenden mit attraktiven Sommerangeboten erzeugen höhere Mieteinnahmen und damit bessere Erträge."

          Extremsport- und Erlebnisparks, geführte Themenwanderungen, das kostenlose Nutzen von Bergbahnen und der Trend zu E-Bikes, der Ungeübten den Aufstieg zur Alm erleichtert - nicht nur in Österreich bemühen sich Gemeinden, das Angebot über den Skitourismus hinaus zu weiten. Damit rücken Standorte in B-Lagen in den Fokus. Zum einen kann man dort leichter Bauland finden, kaufen und erschließen. Zum anderen kosten Immobilien dort im Vergleich zu Top-Lagen deutlich weniger.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

           Nadia gehört zur Gattung des Malaysia-Tigers

          In New Yorker Zoo : Tiger am Coronavirus erkrankt

          Die vierjährige Tigerdame Nadia im Zoo der Bronx hat sich vermutlich bei einem Pfleger mit dem Coronavirus angesteckt. Auch weitere Tiere könnten erkrankt sein.

          Streit in der Corona-Krise : „Das ist ein absoluter Witz“

          Englands Fußball-Profis sollen in der Corona-Krise helfen und teils auf ihre üppigen Gehälter verzichten. Doch sie wehren sich – und haben Gründe für ihr Verhalten. Stattdessen arbeiten die Spieler an einem anderen Vorschlag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.