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Experimentelles Wohnen : Mehr Spielraum für die Microwohnung

  • -Aktualisiert am

Wand und Schrank lassen sich verschieben. Bild: Fotos Edelaar Mosayebi Inderbitzin, Architekten AG

Für Architekturprofessorin Elli Mosayebi könnte es der Grundriss der Zukunft sein: Ihr Projekt an der Schweizer Elitehochschule ETH erforscht, wie es sich auf engem Raum mit beweglichen Wänden und Modulen lebt.

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          Zürich-Hönggerberg. Hoch über der Innenstadt liegt der Campus der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH). Und ganz oben, auf dem Gebäude des Departments Architektur, thront eine schwarze Kiste. An deren Fassade verkünden rote Leuchtbuchstaben weithin sichtbar „No Vacancy“ – besetzt, oder auch: kein Zimmer frei.

          Tatsächlich wird hier oben in der Kiste auf dem Flachdach über den Büros, Seminarräumen und Hörsälen der Architekturfakultät gewohnt. Wer dort einzieht, bezahlt keine Miete und bekommt den Panoramaausblick über Zürich gratis dazu. Allerdings müssen die Bewohner schon nach einer Woche wieder ausziehen. Dann haben sie genug Erfahrungen gesammelt und Daten erzeugt, dann sind die nächsten dran – als Probanden für die ETH-Architekturprofessorin Elli Mosayebi und ihr Team.

          In der schwarz verkleideten Holzbox hat die Architektin zu Forschungszwecken ein 53 Quadratmeter großes Ein-Zimmer-Apartment mit Küche und Bad eingerichtet. Als Prototyp einer „performativen Kleinwohnung“, wie Mosayebi sie nennt, ein Vorführmodell mit mehreren beweglichen Elementen. Die Bewohner sollen den Raum an ihre Bedürfnisse anpassen können – mit einer großen drehbaren Wandscheibe im Zentrum, einem drehbaren Schrank am Eingang und zwei Leuchten mit langen Schwenkarmen. Ein Jahr lang testen jede Woche jeweils ein oder zwei Personen, wie es sich lebt, wenn nicht alle Wände feststehen im Zuhause. Im Moment steht das Apartment zwar leer – an der ETH wird wegen des Ausbruchs des Coronavirus lediglich ein Notbetrieb aufrechterhalten. Doch sobald an der Universität wieder normal gearbeitet werden kann, werden auch wieder Bewohner in die experimentelle Wohnung einziehen. Wir haben Elli Mosayebi noch vor dem Shutdown auf dem Dach der ETH getroffen.

          Frau Mosayebi, warum erforschen Sie, wie Menschen in kleinen Wohnungen leben?

          Die Entwicklung von Wohnraum wird dem freien Markt überlassen. Der Innovationsgrad ist entsprechend minimal. In Bezug auf Kleinwohnungen gilt: Man wohnt anders, wenn man alleine oder zweit wohnt, als in einer Gemeinschaft von vier Personen. Aber es gibt kaum neue räumliche Ideen dazu. Angeboten werden meist geschrumpfte Versionen von Familienwohnungen. Dabei geht dieser kleinbürgerliche Typus mit Tag- und Nachtzone in einer Kleinwohnung nie so richtig auf. Es gibt dann eine kleine Küche, ein kleines Bad und einen Raum, wo man zugleich wohnt und schläft, am besten auf einem Bettsofa. Aber das entspricht wohl kaum unseren Bedürfnissen.

          Probewohnen auf dem Dach der ETH Zürich
          Probewohnen auf dem Dach der ETH Zürich : Bild: Fotos Edelaar Mosayebi Inderbitzin, Architekten AG

          Es werden immer mehr kleine Wohnungen gebraucht, oder? In Deutschland jedenfalls steigt die Zahl der Single-Haushalte kontinuierlich.

          Wenn wir den Markt anschauen, stellen wir fest, es werden immer noch vor allem Familienwohnungen gebaut, obschon in der Schweiz nur noch 30 Prozent aller Haushalte Familienhaushalte sind. Der Rest, 30 Prozent, sind Singles, weitere 30 Prozent sind Paarhaushalte. In den Städten gibt es sogar noch mehr Single-Haushalte. Aber es stimmt, die Investoren entdecken den Single-Haushalt, es fehlen aber Ideen für die räumliche Umsetzung dieser Lebensform.

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