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Bauwesen : Haben Einfamilienhäuser eine Zukunft?

Flächenfresser, Landschaftszerstörer und Ressourcenverschwender: Ist das Einfamilienhaus ein überholtes Modell? Bild: dpa

Allen Abgesängen zum Trotz: Das Einfamilienhaus ist noch lange nicht erledigt. Das liegt am gewaltigen Bestand, an mehrheitsfähigen Wohnträumen und an Horst Seehofer.

          Haben Einfamilienhäuser eine Zukunft? Für viele Planer und Fachleute in Siedlungsfragen liegt die Antwort auf der Hand: nein. Sie sehen im Haus mit Garten ein überkommenes Modell, einen Flächenfresser, Landschaftszerstörer und Ressourcenverschwender, der eigentlich verboten gehört.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zumal es zur drängenden Frage, wie im großen Stil Wohnraum geschaffen werden kann, nichts beizutragen scheint. Doch auch, wenn daran fast alles stimmt, lohnt es sich, das Thema nicht so schnell abzuhaken.

          Denn erstens ist diese Wohnform mit Abstand bei der großen Mehrheit der Bevölkerung am beliebtesten, und Anzeichen, dass sich das alsbald ändert, gibt es nicht. Da kann der Bau von Microappartements noch so boomen, die städtische Avantgarde das gemeinschaftliche Wohnen proben und das freistehende Haus im Grünen als überkommen schmähen.

          Auch in den Großstädten triumphiert das Haus

          Zweitens ist der Bestand an Einfamilienhäusern gewaltig. Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, dass das Einfamilienhaus alle anderen Wohnformen rein zahlenmäßig deklassiert. Von den annähernd 19 Millionen Wohnhäusern in Deutschland sind – Stand 2016 – 12,5 Millionen Einfamilienhäuser. Dazu kommen noch gut 3 Millionen Zweifamilienhäuser.

          Unter den Bundesländern ist Schleswig-Holstein diesbezüglich absoluter Spitzenreiter. Dort sind beinahe 80 Prozent aller Wohngebäude für nur einen Haushalt gebaut. Wer denkt: Ja, so ist das eben in der Provinz, den belehrt die Statistik.

          Denn auch in den Großstädten triumphiert dieser Gebäudetyp massenhaft. Es mag überraschen, aber sogar in Millionenstädten wie Berlin und Hamburg machen Einfamilienhäuser mehr als die Hälfte des Bestands aus.

          Staatliche Förderung ist grundsätzlich gut, aber...

          Die neue schwarz-rote Bundesregierung tut gerade einiges dafür, den Zuspruch für diese Wohnform zu zementieren. Stichwort Baukindergeld. 1,5 Millionen neue Wohnungen sollen durch eine Wohnraumoffensive in dieser Legislaturperiode entstehen.

          Bau- und Heimatminister Horst Seehofer (CSU) hat sich zum Ziel gesetzt, sowohl den ländlichen Raum zu stärken als auch Schwellenhaushalten den Schritt ins Wohneigentum zu erleichtern.

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          Die beliebte Serie der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und der FAZ.NET-Redaktion startet zum achten Mal. Gesucht werden auch in diesem Jahr neue Wohnhäuser privater Bauherren, die durch architektonische Qualität und ein stimmiges Konzept überzeugen.

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          Dazu passt die just beschlossene Förderung von Familien, die vom Staat jährlich 10 Jahre lang je Kind 1200 Euro bekommen können, wenn sie sich ein Eigenheim zulegen. Vor allem bei Familien sind die eigenen vier Wände mit Garten beliebt. Und wo sollten die für weniger finanzkräftige Käufer leichter zu erwerben sein als auf dem Land?

          Entsprechend skeptisch ist Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer (BAK). Dass der Staat die Wohneigentumsbildung fördere, sei zwar grundsätzlich zu begrüßen, weil dadurch das Risiko verringert werden könne, im Alter zu verarmen.

          Doch könne das Baukindergeld das Flächensparziel konterkarieren, weil neue Baugebiete für Eigenheime ausgewiesen werden, fürchtet die BAK-Präsidentin. Eigentlich soll im Sinn der Nachhaltigkeitsstrategie 2020 der tägliche Flächenzuwachs bei 30 Hektar liegen. Doch sind es an die 70 Hektar, die geteert, betoniert oder sonstwie beplant werden.

          Schon vor mehr als einem Jahr kritisierten Marktbeobachter wie Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW), dass das Bauen häufig am falschen Ort boome. Regional passe es nicht, urteilte der Ökonom, da die allermeisten Wohnungen dort entstünden, wo überhaupt kein neuer Wohnraum gebraucht werde – in kleinen Städten und auf dem Land, wo oft ohnehin schon viele Häuser in den Ortskernen leerstehen.

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