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Sozial und ökologisch bauen : Die Genossen ziehen aufs Dach

  • -Aktualisiert am
Auf dem Dach ist Platz für Gemeinschaftsflächen und Co-Working-Büros.

Allein 25 junge Genossenschaften haben sich in Berlin seit den neunziger Jahren gegründet. Eine davon ist schon eine solche reine Regie-Dachgenossenschaft, die für andere arbeitet und den Weg aufzeigt. In Gründung ist außerdem die „Dach Aufbau Genossenschaft“, eine Initiative von jungen Architekten und Holzbauprofis. Sie versucht unter anderem, bei etablierten Wohnungsbaugenossenschaften „anzudocken“, wie einer ihrer Gründer sagt, und dort auf den Flachdächern der zahlreichen Nachkriegswohnbauten neu zu bauen und dafür kleine Tochter-Genossenschaften zu gründen.

Bauen im Bestand

Die zweigeschossige ehemalige Flaschenhalle der Kindl-Brauerei, die nun erweitert wird, ist keine Schönheit und auch kein Baudenkmal. Die meisten Investoren hätten sie deshalb wohl abgerissen. Jetzt werden an dem fast sechzig Meter langen Riegel dagegen die Gerüste aufgestellt, und der derzeit noch ramponierte Zweckbau bekommt seine zweite Bestimmung. Anstelle des bisherigen Leichtbaudachs erhält er zuerst eine massive Betondecke. Auf dieser neuen Plattform werden die vierzehn Wohnungen dann nebeneinander aufgereiht.

Alle sind zweigeschossig, aber unterschiedlich groß. Ganz oben auf dem Dach, also in einer dritten neuen Ebene, sollen später einzelne Hütten stehen, die Platz bieten für Gemeinschaftsflächen oder Co-Working-Büros und -Werkstätten für die Bewohner. Werkräume für Upcycling-Projekte und Kleinbetriebe solle es in den ausgebauten unteren Etagen der Industriehalle geben, sagt Simon Lee, der zweite Transform-Vorstand.

Bauen mit Holz

Nichts liegt näher, als Holz zu wählen, wenn man auf Dächern weiterbauen möchte. Der Baustoff hat eine gute Ökobilanz. Die Rahmenbauweise ist effizient, viele Teile lassen sich in Hallen vorfertigen, das minimiert das Pannenrisiko und verkürzt die Bauzeit. Zudem sind die Holzkonstruktionen leicht, aus statischer Sicht sind bei Dachaufstockungen daher meist mehr Etagen möglich, als es mit anderen Baustoffen der Fall wäre. Aber was, wenn die heute oft üblichen Holztafelelemente, die bereits eine Dämmschicht besitzen, eines Tages wieder abmontiert werden? Das Recycling ist wie bei vielen Verbundmaterialien aufwendig und der ökologische Vorteil solcher Fertigbauteile schnell dahin.

Aus diesem Grunde plant die Neuköllner Genossenschaft ihren Dachaufbau ausschließlich mit massiven Brettsperrholzwänden – einer Plattenbauweise im Holzbau sozusagen, bei der die Elemente selbst die tragende Konstruktion bilden und stets „sortenrein“ sind. „Solche Teile lassen sich später als massive Module auch für ein anderes Gebäude verwenden“, sagt Helge Kunz vom schweizerischen Holzbauunternehmen Renggli. Renggli will für die Transform-Genossenschaft beide Gebäude errichten. In Hamburg entsteht unter der Regie der Schweizer gerade ein massives Holzhochhaus. Auch das soziale Berliner Bauprojekt soll ein Prestigeprojekt für Renggli werden.

In Berlin geht es zudem um knifflige Details. Der Planungsaufwand ist sehr hoch. Unter anderem haben sich die Genossenschaft und ihr Baustratege Schöningh ausbedungen, dass nur einfache, mechanische und leicht zugängliche Verbindungen zwischen den Bauteilen verwendet werden dürfen.

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