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Bauen gegen den Klimawandel : Grüne Dächer gegen die Hitze in der Stadt

  • Aktualisiert am

Im Grünen lässt sich Hitze besser aushalten. Bild: dpa

Wetterextreme bringen es mit sich, dass die Begrünung der Städte immer wichtiger genommen wird – das kann die Folgen abmildern.

          Eine Stadt ohne öffentliches Grün ist kaum vorstellbar. Doch die Wetterextreme und auch das Artensterben sorgen dafür, dass die Planer beim Anlegen solcher Flächen umdenken müssen. So wird beispielsweise nicht mehr eine gewöhnliche Rasenfläche angelegt, die alle zwei Wochen gemäht werden muss, sondern eine Blühwiese, die Insekten anziehen soll, wie Erhard Schollenberger vom baden-württembergischen Verband für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) in Stuttgart berichtet. Oder es kommen trockenheits- und hitzeresistente Stadtbaumarten und Staudenflächen zum Einsatz.

          Ein Großteil der Menschen in Deutschland lebt in Ballungsräumen, deren Wohnraum zurzeit unter Hochdruck nachverdichtet wird. Wissenschaftler weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig Stadtgrün für die Gesundheit ist. Wegen der klimatischen Entwicklung sei mit mehr Extremereignissen wie langen Hitze- oder Dürreperioden zu rechnen, heißt es in einem Papier des Bundesamtes für Naturschutz. Ein Forscherkonsortium erklärte erst kürzlich, dass der Klimawandel die Gesundheit von immer mehr Menschen bedrohe. Es berichtete im Fachmagazin „The Lancet“, dass unter anderem Menschen in Städten besonders gefährdet seien. „Städte mit wenigen Grünanlagen sind schlechter gewappnet gegen extreme Wetterphänomene. Starkregen fließt schlechter ab, die Innenstädte heizen schneller auf“, erklärt Deliana Bungard vom Deutschen Städte- und Gemeindebund.

          Eine klimagerechte Stadtentwicklung sei notwendig, damit sich die Bewohner der Kommunen wohl fühlten, hebt auch der Verband VGL hervor. Für entsprechende Projekte stelle der Bund in den kommenden vier Jahren 100 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Bundesweit machte die Branche im vergangenen Jahr insgesamt über 8,4 Milliarden Euro Umsatz, davon waren 1,43 Milliarden Euro die Erlöse im Bereich des öffentlichen Grüns. Parks, Grünanlagen, Dachbegrünungen oder Vertikalbegrünungen können sich günstig auf das Klima im Umfeld auswirken.

          Dichte Bepflanzung kann Haus vor Hitze schützen

          Der Verband verweist beispielsweise darauf, dass durch ökologische Dachbegrünungen rund 80 Prozent des Regenwassers zurückgehalten werden können. Regenwasser wird dabei von der Substratschicht gespeichert und von den Pflanzen verdunstet. Das übrige Wasser gelangt vom Dach erst mit zeitlicher Verzögerung in das Kanalsystem und die Kläranlagen. Eine dichte Bepflanzung kann ein Haus im Sommer gleichfalls vor Hitze schützen.

          Das Thema Dach- und Fassadenbegrünung ist nicht unumstritten. Eine entsprechende Regelung in der baden-württembergischen Landesbauordnung steht in der Kritik, weil dadurch angeblich die Baukosten bei Neubauten extrem steigen. Die Begrünungspflicht gilt für Fassaden von Häusern, die in einer Betonwüste ohne Baum, Busch oder Rasenfläche gebaut wurden. Die Wohnungswirtschaft geht davon aus, dass eine Fassadenbegrünung durchschnittlich 24 Euro je Quadratmeter und eine Dachbegrünung etwa 53 Euro je Quadratmeter kostet, wie aus dem Landeswirtschaftsministerium im Stuttgart verlautet.

          Erste Kommunen fangen den VGL-Angaben zufolge an, Regenwasser in Überlaufbecken, Teichen und Zisternen zu sammeln und es dann zur Bewässerung von Grünflächen einzusetzen. So setzen Kopenhagen oder Stockholm darauf, mit Stadtbäumen bepflanzte Straßenzüge entsprechend auf Vordermann zu bringen, um so die Folgen von Wetterextremen abzumildern.

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