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Bauen für den Klimawandel : Schwimmstädte und Hochhauswälder

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Der steigende Meeresspiegel, Starkregen und Stürme setzen den Städten zu

Das holländische Unternehmen Blue21 geht noch viel weiter: Es hat bereits schwimmende Pavillons in den Hafen von Rotterdam gepflanzt und will nun vor Tahiti eine komplette Stadt auf den Ozean setzen, die sich über schwimmende Algenfarmen und Hydrokultur selbst versorgt. Baubeginn soll 2022 sein – zunächst auf elf Plattformen, die rund 300 Menschen Platz bieten. Erweiterung nicht ausgeschlossen. Finanziert wird das Vorhaben vom Seasteading Institute, dessen Gründer der Ex-Google-Softwareentwickler Patri Friedman und Paypal-Gründer Peter Thiel sind. Sie nennen die Landnahme auf dem Wasser bescheiden „die blaue Revolution“.

Doch nicht allein der steigende Meeresspiegel ist ein Problem. Auch Starkregen setze den Städten zu oder Stürme, die Flutwellen bringen. Es würde helfen, wenn viele Stadtflächen für kurze Zeit Wasser speichern könnten wie ein Schwamm. Deshalb müsste man die Städte zu „Schwammstädten“ umbauen, zu „sponge cities“, wie die Planer sagen. Beispiel Kopenhagen: 2011 glichen weite Teile der dänischen Hauptstadt nach einem Starkregen einem See. Obwohl die Stadt am Hafen liegt, floss das Wasser nicht ab. Also erstellten die Stadtoberen den „Wolkenbruch Masterplan“: Dreißig Kilometer Straße wurden zu „Wolkenbruch-Boulevards“ umgebaut. Sie senken sich zur Mitte hin ab und werden dadurch notfalls zu Bachläufen, die das Wasser schnell in Richtung Hafen und Öresund ableiten. Außerdem entstanden 75 Kilometer grüne Straßen, deren Grünstreifen und Bäume das Wasser besser speichern. Radwege fungieren nun als Notwasserwege. Auf ihnen kann sich das Wasser stauen. Zudem wurden zwei große innerstädtische Seen leicht abgepumpt, um den Wasserspiegel dadurch tiefer zu legen. Beim nächsten Wolkenbruch können sie so viele tausend Kubikmeter speichern, ohne überzulaufen. Zudem haben die Bewohner durchs Tieferlegen der Seen neue Grünflächen und ein hübsches Strandbad gewonnen. Gesamtkosten: rund 500 Millionen Euro. Das ist nicht wenig, aber ein gutes Geschäft, findet Kopenhagen. Ein weiteres Hochwasser würde einen geschätzten Schaden von 900 Millionen Euro anrichten.

Auch China will kräftig investieren, um mindestens 20 seiner Großstädte zu „sponge cities“ zu machen. Vor allem neue Millionenmetropolen sollen von vornherein auf riesige Drainagesysteme gesetzt werden, die Flusshochwasserfluten einfach aufsaugen. Auch jahrhundertealte Städte lassen sich zu Schwämmen machen, das wollen Berlin und New York beweisen. Rund um Manhattan soll ein höhergelegener Uferpark angelegt werden, der zehn Meilen lang ist und die nächste Flutwelle abfangen soll. Das Projekt „Humanhattan 2050“ hat der dänische Architekt Bjarke Ingels jüngst vorgestellt. Finanziert werden soll es, indem Großinvestoren Baugrundstücke am Hudson River kaufen – und so den Park für alle Bürger bezahlen.

In Deutschland soll Berlin Schwammstadt werden. Dazu muss die Stadt mehr Flächen schaffen, die Regenwasser speichern, statt es sofort in die Kanalisation zu leiten. Dazu will man 1000 weitere Dächer für 1,5 Millionen Euro begrünen. „Wir schätzen, dass sich 20 bis 30 Prozent der Dachflächen dafür eignen, um begrünt zu werden“, sagt Bodo Weigert vom Kompetenzzentrum Wasser Berlin. Auch bei Schulsanierungen werden Dächer begrünt und der Asphalt auf Schulhöfen aufgebrochen. Ein Teil des Regenwassers wird über Filtersysteme in die umliegenden Seen eingeleitet, und mehr grüne Innenhöfe und Straßen soll es auch geben.

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