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Energieeffizienz : Abrüsten auf der Baustelle

Möglichst viel Holz, möglichst wenig Technik: Neubau aus Brettsperrholz im hessischen Bischofsheim nach einem Entwurf von Mind AC. Bild: Nick Frank

Was braucht ein Haus für eine gute Energiebilanz? Bisher lautete die gängige Antwort: jede Menge Technik. Doch das ändert sich. In der Branche beginnt das Umdenken.

          5 Min.

          Das große Aufregerthema dieses Sommers ist der Diesel. In all dem Wirbel um eine in Verruf geratene Antriebstechnik, Schadstoffwerte, getäuschte Verbraucher, das Verhalten der Automobilbranche und ihr Verhältnis zur Politik geht es im Kern immer auch um gestern verschlafene technische Lösungen für die Mobilität von morgen. „Und wenn wir nicht aufpassen, verlieren wir auch unsere Vorreiterrolle beim Bauen“, fürchtet Stefan Krötsch.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Münchener ist Architekt – Spezialgebiete Holz- und Passivhausbau – und nennt sich selbst einen „Überzeugungstäter“, wenn es um energieeffizientes Bauen geht. Um dies ist es in jüngster Zeit ziemlich ruhig geworden. Ja, sagt Krötsch, bei diesem Thema sei bei vielen Kollegen im Jahr 15 der Energieeinsparverordnung (EnEV) und nach etlichen Verschärfungen derselben einfach der Schwung raus.

          Dabei sind viele Bauherren damit längst nicht durch und die Politik schon gar nicht. Seit Jahren stehe Energieeffizienz für eine nennenswerte Käufergruppe ganz oben auf der Prioritätenliste, heißt es etwa aus der Holzfertighausbranche. „Und zwar deutlich über die gesetzlichen Vorgaben hinaus“, präzisiert Detlef Bühmann von Schwörer Haus, dem größten deutschen Hersteller. Bei Schwörer ist das Effizienzhaus 55 Standard, was durch die Kombination aus Wärmepumpe und Lüftungsanlage nebst hochgedämmter Hülle erreicht wird. Viele Bauherren aber fragten außerdem noch nach Photovoltaikanlagen fürs Dach, Ladestationen für Elektrofahrzeuge, Stromspeichern und automatisierter Haustechnik. „Das autarke Haus fasziniert“, hat Bühmann in Verkaufsgesprächen festgestellt.

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          Die Ambitionen Einzelner passen zum ehrgeizigen Ziel der Europäischen Union: Bis 2050 soll der Gebäudebestand klimaneutral sein, das heißt, der Energieverbrauch und damit auch der Ausstoß des schädlichen Treibhausgases Kohlendioxid sollen drastisch sinken. Über das Ziel wird kaum gestritten, aber die Frage, wie, mit welchem Aufwand und zu welchem Preis es erreicht werden soll, hat zu ideologischen Grabenkämpfen geführt.

          Widerstand gegen die Wärmedämmung

          Beispiel Wärmedämmung: An keinem Thema erhitzen sich in diesem Zusammenhang die Gemüter mehr – breite Publikumswirkung garantiert. Eine dichte Gebäudehülle ist für die gute Energiebilanz eines Gebäudes im laufenden Betrieb zwingend. Und weil Altbauten oft wahre Energieschleudern sind, liegt die Idee nahe, sie eben einfach rundherum zu verpacken.

          Doch seit im Zuge der EnEV immer mehr alte Fassaden hinter Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) verschwunden sind und Häuser sich bis zur Unkenntlichkeit verändert haben, tobt der Widerstand – gegen den Angriff auf die Baukultur und die Tatwaffe: die Styroporplatte. Die ist nicht nur leicht entflammbar, sondern ökologisch betrachtet ohnehin Nonsens – weswegen sie mittlerweile Sondermüllstatus genießt.

          Im immer wieder aufflammenden Geätze und Gehäme über den „Dämmwahnsinn“ und die „Volksverdämmung“ geht aber dreierlei unter: Erstens ist die Mehrheit der Eigentümer ohnehin zu dem Schluss gekommen, dass es sich für sie nicht lohnt, ihre alte Bude auf ein Energiespar-Vorzeigehaus zu trimmen. Jährlich werden weniger als ein Prozent der Bestandsimmobilien in Schuss gebracht.

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