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Turmhaus : London Playground

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Kurvig: Auf den oberen Etagen hat sich der Planer von der Klötzchenform verabschiedet. Bild: Heiko Prigge

Im Westen der Metropole baute Architekt Alex Michaelis sich und seiner neunköpfigen Familie ein kurviges Turmhaus, das beides bietet – Entertainment und Erholung.

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          Alex Michaelis steht barfuß am Rand eines Lochs in der Decke seiner Wohnküche, umgreift die Feuerwehrstange und landet – whizzz – direkt vor der Espressomaschine. Auch seine Frau, Susanne Bell, eine Kunstberaterin, und seine sieben Kinder aus zwei Ehen im Alter zwischen sieben und 18 Jahren sausen so auf schnellstem Weg von ihren Zimmern aus in die Küche. Wer gleich zum Ausgang muss, kann auf die steile Rutsche aus Acrylstein ausweichen, die entlang der Treppenstufen von der ersten Etage ins Entree führt. „Hier kommt das Kind im Mann voll auf seine Kosten“, sagt der Architekt und lacht.

          Bauliche Details mit Spaßfaktor zu entwerfen ist eine der drei Leidenschaften von Alex Michaelis, der 1995 zusammen mit Tim Boyd in London Michaelis Boyd Associates gründete. Die beiden anderen Lieblingsthemen des 53-Jährigen sind kurvenreiche Bauten und die Integration von möglichst viel natürlichem Licht – Vorlieben, für die sich inmitten des dicht bebauten und teuren Londoner Zentrums nur mit unverschämtem Glück genügend Platz finden lässt.

          Umweltverträgliches Bauen ist einer der Schwerpunkte von Alex Michaelis.
          Umweltverträgliches Bauen ist einer der Schwerpunkte von Alex Michaelis. : Bild: Heiko Prigge

          Absolute Gestaltungsfreiheit

          Genau das hatte Alex Michaelis. Für einen Immobilienentwickler sollte er einen heruntergekommenen Werkhof in einer ruhigen Wohnstraße im Westen der Kapitale mit einem konventionellen Haus bebauen, zwischen den U-Bahn-Stationen Hammersmith und Shepherd’s Bush, aber weit genug entfernt von den Hauptverkehrsachsen. Jedoch witterte er die Chance, dort mit absoluter Gestaltungsfreiheit sein ganz persönliches Meisterstück verwirklichen zu können. Kurzerhand kaufte er dem Investor das Grundstück ab und plante darauf für seine Patchwork-Familie und sich sein Traumhaus.

          Ausgeruht: Vieles erinnert an Boutique-Hotels.
          Ausgeruht: Vieles erinnert an Boutique-Hotels. : Bild: Heiko Prigge

          Statt die Baulücke zu füllen und die Außenmauern des Hauses zwischen die alte Gemeindehalle zur Linken und das Mehrfamilienhaus zur Rechten zu zwängen, konstruierte er ein freistehendes Gebäude, das mit seinen ovalen, rechteckigen und runden Grundformen an die modernistische Architektur der sechziger Jahre erinnert. Auch farblich setzte er das Haus von den flankierenden Bauten ab: Statt der London-typischen rotbraunen Ziegel wählte er helle dänische „Petersen bricks“, die, nach jahrhundertealter Tradition bei unterschiedlichen Temperaturen gebrannt, changierende Oberflächen erhalten. Daraus konstruierte er, als hätte er den Bauklotzkasten eines seiner Kinder als Vorbild genutzt, ein langgezogenes, rechteckiges Element als Sockel und stellte darauf zwei hintereinanderliegende, oval geschwungene Türme.

          Eine verglaste Brücke als Verbindung

          „Ich bin miserabel am Computer“, kokettiert Michaelis. „Deshalb zeichne ich alles per Hand. Wahrscheinlich entstehen so die vielen Kurven.“ Spontan wie die Umrisse des Hauses scribbelte er auch die Fensterformen, mal bullaugenförmig, mal rechteckig und mal schmal wie Schießscharten, dort wo sie dem Verlauf der geschwungenen Treppen folgen. Um möglichst viel Sonnenlicht aus allen vier Himmelsrichtungen in die zwei neun Meter hohen Turmetagen zu lotsen und auch den Nachbarn nicht sämtliches Tageslicht zu rauben, ließ er den Raum zwischen den Türmen frei.

          Dennoch wollte der Architekt, dass er, seine Frau und die Kinder schnell zwischen den insgesamt acht Schlafzimmern sowie einer Spiel- und TV-Lounge mit halbrundem Sofa im hinteren Oval hin und her laufen können – ohne Umweg durch das Erdgeschoss. Also verband er die beiden Baukörper mit einer schrägen, seitlich verglasten Brücke. Die große Wohnküche im Sockelgeschoss belichtete er mit großen Oberlichtern. Das Dach drum herum bepflanzte er mit Erdbeerbäumen, Farn und Ranken. So schauen die Bewohner nicht nur von allen Fenstern aus ins Grüne, die Pflanzen unterstützen ganz nebenbei auch die Wärmeisolation des Hauses. Den gleichen Effekt hat auch die üppige Begrünung der beiden Dachgärten auf den Türmen, von denen die Aussicht weit über die Giebel von Shepherd’s Bush reicht.

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