https://www.faz.net/-gqe-9vk5a

Bauen mit Containern : Neues Leben in der Box

Das Ferienhaus in der kalifornischen Mojave-Wüste ist einem Kristall nachempfunden. Bild: Whitaker Studio, Container Atlas, gestalten 2020

Frachtcontainer sind modular, flexibel und unschlagbar günstig. Das macht sie nicht nur als Minihäuser attraktiv. Wir zeigen die interessantesten neuen Projekte.

          4 Min.

          Der Container steht wie kein anderes Objekt für die Globalisierung der Welt. Seine Erfindung hat ermöglicht, dass die meisten Gegenstände des täglichen Gebrauchs zu Weltreisenden wurden, deren Einzelteile nicht selten von verschiedenen Kontinenten stammen. Doch ein üblicher Seecontainer bringt nicht nur T-Shirts von Schanghai nach Rotterdam oder Krabben von Wilhelmshaven zum Pulen nach Marokko. Der 20-Fuß-Frachtcontainer mit seinem Standardmaß 6,06 Meter lang, 2,44 Meter breit und 2,90 Meter hoch beherbergt auch Menschen – und zwar in zunehmendem Maße. Für das Leben in der Box spricht nicht nur der Preis. Für etwa 3000 Euro bekommt man nicht nur eine wind- und wasserdichte Stahlbox von fast 15 Quadratmetern, sondern auch den Nimbus des Weitgereisten, Nomadenhaften, Unfertigen. Genau das trifft einen Zeitgeist, der alles will, sich dabei aber bloß nicht festlegen: nicht in Beziehungen und beim Wohnort schon gar nicht.

          Aus der Mitte des Hauses hat man Ausblick nach allen Seiten Bilderstrecke
          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Immer auf Reise zu sein, dieses Versprechen wohnt mit im Container, selbst wenn er nicht auf einem Schiff herumfährt, sondern auf einem Grundstück liegt, wo er zu einer Immobilie auf Zeit wird. Die stählernen Frachtboxen kommen als Behausungen seit Jahrzehnten vor allem dort zum Einsatz, wo für einen begrenzten Zeitraum schnelle Raumlösungen gefragt sind. Denn Containerarchitektur kann nicht nur rasant wachsen, sondern auch schnell wieder zurückgebaut werden, wenn die Fläche anders genutzt werden soll. Ohne Schutt und Sondermüll zu hinterlassen, wird der Container einfach auf einen Lkw geladen und anderswo wieder abgestellt.

          Auch Luxusvillen und Hotels lassen sich aus Containern bauen

          Da es aber oft widrige Umstände sind, die diese Räume auf Zeit erfordern, weil Klassenräume fehlen oder Unterkünfte für Flüchtlinge oder Wohnungslose, ist die Containerarchitektur in Deutschland mit einem negativen Image belegt. Zu Unrecht, findet Han Slawik: „Während früher temporäres Bauen und Projekte mit kleinem Budget die typische Bauaufgabe für Frachtcontainer waren, sind es heute auch zunehmend Dauerbauten und Projekte mit großem Budget“, sagt der deutsche Architekt, der als ein Pionier der Containerarchitektur gilt. Dass Container als Module für spektakuläre Villen und Designhotels ebenso taugen wie als Notunterkünfte, beweist er in dem Container Atlas, der die interessantesten neuen Projekte vorstellt und Ende des Monats erscheint.

          Grundsätzlich können Container auf dieselbe Art genutzt werden wie ein Haus aus Beton oder Holz. Allerdings haben die normierten Frachtcontainer beschränkte Abmessungen, die zur Nutzung als Wohnung oder Büro häufig nicht passen. „Wegen dieser räumlichen Beschränkung werden sie als Wohngebäude deshalb oft als Hotels, Kleinwohnungen oder Apartments genutzt“, sagt Slawik. Auch mit Blick auf Schall-, Wärme- und Brandschutz ist die Stahlbox nicht optimal. Zwar könne man die Container auch umbauen und anpassen, aber dem seien meist „wirtschaftliche Grenzen“ gesetzt.

          Weitere Themen

          VW bietet Kunden erstmals Entschädigung an Video-Seite öffnen

          Dieselskandal : VW bietet Kunden erstmals Entschädigung an

          Viereinhalb Jahre nach Bekanntwerden des Dieselskandals bietet Volkswagen hunderttausenden Kunden in Deutschland erstmals eine Entschädigung an. Verhandlungen für einen Vergleich mit der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) scheiterten indes.

          Topmeldungen

          Je mehr Privatpatienten in einem Gebiet, desto mehr Ärzte lassen sich dort nieder. Aber liegt das am Geld oder am sozialen Umfeld?

          Gesundheitswesen : Abschaffung der Privatkassen soll Milliarden sparen

          Der Beitrag für jeden gesetzlich Versicherten könnte um 145 Euro im Jahr sinken, wenn die Privatkassen abgeschafft würden. Das behauptet eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Beamte, Ärzte und Wissenschaftler halten die Berechnungen für hanebüchen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.