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Aufstocken mit Holzbauteilen : Ganz oben angekommen

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Können hier also nun Tausende Wohnungen vergleichsweise einfach und schnell entstehen? Ja, wenn die Bauämter es zulassen wie etwa die zuständige Schöneberger Behörde, die keine Einwände gegenüber einer reinen Holzbauweise im Geschosswohnungsbau hat. Andernorts gibt es dagegen durchaus rechtliche Einschränkungen. Industria Wohnen will sich mit seinem Aufbauprogramm davon nicht bremsen lassen. Die Gesellschaft hat in ihrem bundesweiten Bestand noch viele Gebäude, die für eine Dachaufstockung in Fertighausbauweise nach dem Schöneberger Vorbild in Frage kommen könnten. Man prüfe, wo man es wiederholen könne, heißt es aus der Geschäftsleitung. Der Vorteil liegt für die Unternehmer auf der Hand: Man müsse in solchen Fällen kein Grundstück kaufen und erschließen, und man habe dann bereits seinen erprobten Fertighaus-Bausatz zur Aufstockung. Industria ist damit beileibe nicht allein. So will zum Beispiel Vonovia, Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen, ebenfalls auf diese Methode setzen, um schnell und vergleichsweise kostengünstig neuen Wohnraum zu schaffen. Der Branchenriese schätzt das Nachverdichtungspotential in geeigneten Quartieren im eigenen Bestand auf bis zu 30 Prozent.

Licht, Luft und Sonne

Gute baulich-technische Voraussetzungen bieten die Mehrfamilienhäuser aus der Zeit um 1960 allemal: Sie verfügen über Stahlbetondecken, die ein neues Geschoss in Leichtbauweise tragen. Ein weiterer Vorteil dieser Bauten: Wer einen solchen Bestand verdichten will, stößt selten an die Grenze der höchstzulässigen Bebauungsdichte, denn die Mehrfamilienhäuser der fünfziger und sechziger Jahre stehen auf nur locker bebauten Grundstücken, denn die Maxime jener Zeit lautete: Licht, Luft und Sonne. Und nebenbei: Verdichtet man sie in vertikaler Richtung der Sonne entgegen, bleibt man sogar alten Grundsätzen treu. Ein schönes Beiwerk.

Ein handfesteres Argument ist, dass ohnehin sehr viele dieser Wohnanlagen aus der Zeit nach 1945 noch saniert werden müssen. Und wenn man schon ein Haus zwecks energetischer Erneuerung für Monate in eine Großbaustelle verwandelt, dann könnten im Zuge dessen gleich auch einige neue Wohnungen auf dem Dach entstehen. Mit seiner Tochtergesellschaft Binovabau ist Bien-Zenker auch nicht der einzige Fertighausanbieter, der in diesen Markt drängt. Andere Holzbau-Unternehmen wie Weber, Schwörer, Wolf oder Regenauer sind mittlerweile ähnlich im Geschosswohnungsbau aktiv. Nachdem die Unternehmen sich viele Jahre lang mit dem Bau von Einfamilienhäusern aufgehalten und den Zug in die Stadt nur von Ferne aus beobachtet haben, wollen einige nun auch im städtischen Wohnungsbau ganz oben ankommen.

Wie in der Gleditschstraße 49 bis 69. Dort nehmen die Bewohner des neuen Obergeschosses nun den Lift bis zur Etage „5+“. Wer in eine der neuen 60 bis 130 Quadratmeter großen Wohnungen will, muss die letzte halbe Treppe zu Fuß gehen. Einige der alten Mieter würden zu gerne hier oben einziehen, erzählt Architekt Wewelsiep. Die Mietpreise allerdings würden sich mit dem Aufstieg dann aber mindestens auf elf Euro je Quadratmeter verdoppeln. Denn oben wird Industria Wohnen eine Neubaumiete verlangen. Selbst wenn die vergleichsweise günstig ist, auch im Fertigbau muss man sich den Aufstieg leisten können.

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