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Foto: Brühl

Sieben neue Mitbewohner

Von PETER-PHILIPP SCHMITT
Foto: Brühl

23. Januar 2021 · Auch wenn die Kölner Möbelmesse in diesem Jahr ausfallen muss, haben Designer und Hersteller einige Neuheiten zu bieten. Wir zeigen die schönsten Entwürfe.

Foto: Tecta

Klassiker in Neonfarben

Neunmal muss die Leuchte von Gerrit Rietveld lackiert werden, damit sie diese Leuchtkraft hat. Das Studio für Gestaltung von Tobias Groß aus Köln hat Rietvelds Tafellampje L 25 für den Möbelhersteller Tecta aus dem niedersächsischen Lauenförde mit neuen Farben versehen: in Neonorange, Neongrün und einem hochglänzenden Ultramarinblau. Das knapp 40 Zentimeter hohe Objekt hatte der niederländische Designer, der Teil der Künstlergruppe De Stijl war, 1925 entworfen. Die L 25 aus Aluminium, die nun mit LED-Technik ausgestattet ist, ist in den neuen Farben ein Unikat, das in einer kleinen Auflage von jeweils fünf Stück produziert wird. Ansonsten ist der Klassiker auch in Schwarz matt und glänzend zu haben.


Foto: Müller Möbelwerkstätten

Tisch zum Falten

Noch studieren Alissa Arends, Leon Bucher und Yelim Kim an der Bauhaus- Universität in Weimar. Doch schon ist ein erster gemeinsamer Entwurf als Produkt erschienen, das von Müller Möbelwerkstätten in Bockhorn in Friesland hergestellt wird. Ihr Tisch Fold It lässt sich mit wenigen Handgriffen aufbauen und auch wieder zusammenklappen. Das faltbare Gestell ist aus Aluminium und pulverbeschichtet (Gelb, Weiß, Schwarz oder Sonderfarben sind möglich), die Platte 25 Millimeter dick. Trotz seiner asymmetrischen Gestellform ist der Entwurf ausreichend stabil, so dass man problemlos auf dem Tisch sogar sitzen kann.


Polster mit Lattenrost

Foto: Brühl

Aus nur zwei Elementen ist das Sofa von Kati Meyer-Brühl aufgebaut: einem Gestell aus Chrom und dicken Polstern, in deren Inneren sich die Lattenroste verbergen. Daraus lassen sich nach Belieben Sitzgelegenheiten zusammenstellen, als Sessel, Hocker oder Openend. Meyer-Brühl, die unter anderem an der Parsons School of Design in New York studiert hat, bevor sie Kreativdirektorin im Familienunternehmen Brühl im oberfränkischen Bad Steben wurde, hat sich einen Namen mit funktionalen und vor allem farbenfrohen Entwürfen gemacht. Auch ihr neuestes Werk Easy Pieces lässt sich flexibel einsetzen. Zwei Dreisitzer etwa mit einer Länge von je zwei Metern ergeben zusammen ein bequemes Doppelbett. 


Foto: de Sede

Skulptur als Sitz

Philippe Malouin wuchs in Kanada auf, unweit eines Wohnhauskomplexes in Montreal. Dieses Habitat 67, vom israelisch-kanadischen Architekten Mosche Safdie in den sechziger Jahren im Stil des Brutalismus für die Expo 1967 entworfen und auf einer Landzunge des Sankt- Lorenz-Stroms erbaut, hat den nun in London lebenden Designer Malouin zu seinem Sitzmöbel DS-707 (de Sede) inspiriert. Mit ihm greift er die Form der Betonquader genauso wie die Mäander des Flusslaufs auf. Der skulpturale Sessel, den es in Leder und aus Stoff gibt, lässt sich zu einem modularen Sofasystem von fast beliebiger Länge erweitern.


Foto: Tecta

Beisteller mit Stufe

Stuhl, Tisch, Leiter, Regal: Der K 7 ist ein vielseitiges Möbelstück, das sich leicht in jeder Wohnung unterbringen lässt. Entwickelt hat es der Designer Thomas Schnur aus Köln, gefertigt wird es von der Tischlerei Bereuter im Bregenzerwald für Tecta. Der Beisteller aus Massivholz kann 50 oder 70 Zentimeter hoch sein und aus Weißtanne, Eiche oder Nussbaum bestehen. „Stufen als Lebensstufen zu verstehen, sie zu durchwandern und sich dabei zu entwickeln, das war die Idee“, sagt Schnur, der seinen Entwurf erstmals vor genau einem Jahr in Köln in der Ausstellung „Stufen“ vorstellte.


Sessel mit Knick

Foto: Walter Knoll

Eoos nennt sich ein erfolgreiches Designer-Trio aus Wien, das schon seit mehr als 20 Jahren für den deutschen Hersteller Walter Knoll arbeitet. Bei ihrem Leadchair haben Martin Bergmann, Gernot Bohmann und Harald Gründl besonders viel Wert auf die Gestaltung von Linie und Fläche gelegt. Das Gestell des Drehstuhls hat einen markanten Knick, und der Bezug für Sitz und Rücken ist direkt auf das formgeschäumte, in seiner nun überarbeiteten Version besonders weiche Polster aufgebracht. Es hat zudem Fugen, damit die Körperwärme bei langem Sitzen besser zirkulieren kann, zugleich wird die Wirbelsäule optimal gestützt, die Schulterblätter können sich frei bewegen. 


Foto: Sigel

Boards zum Stecken

Eva Marguerre und Marcel Besau bilden das Hamburger Designer- Duo Besau Marguerre. Für das Unternehmen Sigel, das seit 70 Jahren im bayerischen Mertingen Produkte fürs Büro herstellt, haben sie das modulare Board-System Mocon entwickelt. Es hat Registereinschübe, in die sich mehrere Tafeln neben-, hinter- und voreinander stecken lassen. Die Boards können zum Beispiel magnetisch oder beschreibbar sein, man kann sie zum Zeichnen oder als Pinnwand nutzen. Den rollbaren Unterbau gibt es in verschiedenen Farben: Weiß und Grau sowie Gelb, Grün und Blau.


Designerlampen für mehr Licht Frankfurt leuchtet
Talentierte Architektinnen Zu Gast bei den Haus-Frauen

Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 23.01.2021 11:44 Uhr