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Mobile Wände : Ruck, zuck ist die Küche weg

  • -Aktualisiert am

Bild: Javier de Paz Garcia

Was tun, wenn der Raum knapp ist? Ein spanisches Architekturbüro setzt auf mobile Wände.

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          Manche Antwort auf eine komplizierte Frage hat es schon zu Weltruhm gebracht. Das Ei des Columbus etwa, das der Seefahrer in einer Wette auf die Spitze stellte, indem er die Schale eindrückte. Auf die Proteste seiner Wettgegner, dass sie das auch gekonnt hätten, gab er die legendäre Antwort: „Der Unterschied ist, meine Herren, dass Sie es hätten tun können, ich aber habe es getan!“

          Ähnlich wirken auch die Räume, die das Architekturbüro PKMN aus Madrid entwirft. Sie sind überraschende Antworten auf die steigenden Immobilienpreise in den gefragten Großstädten und Hoffnung für jene, die mit wenig Platz auskommen müssen. Bringt doch einfach eure Wände in Bewegung, und ihr gewinnt Raum ohne Ende, lautet der Aufruf der Architekten. Warum, so die vermeintlich einfache Frage, muss eine Bibliothek auch nachts viel Raum einnehmen? Und warum soll man das Schlafzimmer tagsüber nicht zum Verschwinden bringen?

          Doch wo andere höchstens an ein Klappbett denken, gehen Rocío Pina, David Pérez, Enrique Espinosa und Carmelo Rodríguez grundsätzlich ans Werk. In den von den Madrilenen entworfenen Apartments werden ganze Wände verschoben und zur Seite gedreht, und - oh Wunder - enge Wohnungen bekommen ansehnliche Räume, aus wenigen Quadratmetern werden scheinbar viele. Oder zumindest mehr. Warum nicht schon vorher jemand auf diese Idee gekommen ist, ist so wenig zu beantworten wie die Frage nach dem Ei des Columbus: Jetzt hat es eben eine Architektengruppe getan.

          Tuning für die Immobilie

          Ausgangspunkt für ihr Konzept war die Wohnungsnot: „Wir sehen, wie unsere Freunde leben und wie wir selbst leben“, erzählt Carmelo Rodríguez, „die Wohnungen werden immer kleiner.“ „Wir arbeiten daran, die Quadratmeter zu multiplizieren“, formuliert Partner David Pérez selbstbewusst, „dann kann man auch in kleinen Wohnungen groß leben!“

          So geschehen in einem Haus im Norden Madrids, das die Designerin Yolanda Pila von ihrer Großmutter geerbt hatte. Der unscheinbare Bungalow ist klein, verfügte aber über einen großen Garten. Doch statt anzubauen und Teile des Grüns zu opfern, beauftragte Pila die Architekten, innen eine Lösung für das Programm Leben und Arbeiten zu finden.

          Anstatt für einen Anbau entschied sich die Bewohnerin im Innern für bewegliche Wände.

          Es entstand ein bewegliches Interieur, das eine Längsseite des langgestreckten Wohnraumes einnimmt. Hier liegen rechts die Küche und links das Bad. Dazwischen werden drei voluminöse Elemente hin- und herbewegt. Zusammen sehen sie aus wie ein einziger Schrank. Auseinandergeschoben, entstehen zwischen ihnen, je nach Position, ein Schlafzimmer und ein Arbeitsraum, ein Essplatz oder eine Erweiterung des Badezimmers. Aus den Längsseiten können dazu verschiedene Möbel herausgeklappt werden: ein Bett, ein Küchentisch, eine runde Schultafel. Nachdem das Bett am Morgen verstaut ist und die mittleren Elemente zusammenstehen, kann Yolanda Pila im nun erweiterten Bad duschen und in der Küche frühstücken. Kommen später Besucher, rücken die Schränke zur Seite, verbergen Küche, Bad und Schlafzimmer und formen einen Arbeitsraum, an dessen Seite eine große, runde Tafel prangt. Yolanda Pila kann also ihr Wohnzimmer um Küche, Bad, Schlafzimmer oder Konferenzraum erweitern - je nach Bedarf.

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