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Torre Velasca: Beispiel einer nicht mehr ganz zeitgemäßen Betonschönheit Bild: Imago

Architektur und Klimawandel : „Die Bauwelt gilt eher als innovationsträge“

Zwei Architekturexperten entwerfen textile Hüllen für Gebäude. Was das in Zeiten des Klimawandels bringen soll, welche Kritik sie damit auf sich ziehen und warum Beton besser werden muss, erzählen sie im Interview.

          Sie entwerfen textile Hüllen für Gebäude, manche nennen das flapsig T-Shirts für Gebäude. Das klingt nach spektakulären Kunstverhüllungen à la Christo. Bitte erklären Sie uns das.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Serode: Das ist ein schöner Nebeneffekt, das ganze Thema skulpturaler und transluzenter Architektur wird durch Textilfassaden belebt. Uns geht es aber in erster Linie um intelligente Fassadenlösungen, die sich wie eine zweite Haut fügen und Immobilien nachhaltig aufwerten. Textilgewebe werden vor der Fassade installiert, damit sind Sicht-, Sonnen- und Temperaturschutz möglich. In Zeiten des Klimawandels wird das Thema in künftigen heißen Sommern noch viel relevanter werden. Schon heute können Textilfassaden den Kühlenergiebedarf deutlich reduzieren, weil sich die Gebäude durch den außenliegenden Sonnenschutz weniger aufheizen.

          Wie arbeiten Sie an der Hochschule?

          Serode: Fakultätsübergreifend forschen wir an neuen Fassadensystemen. Architekten, Textil-, Umwelt-, Elektro- und Maschinenbauingenieure sowie Augenärzte formen unser Team, dazu kommt die enge Anbindung an die Industrie. Wichtig ist es, ein Out-of-the-box-Denken aktiv zu fördern. Unser Antrieb ist es, Energie, Design und Umweltschutz miteinander zu verbinden.

          Welche Rolle spielen die Augenärzte in ihrer Forschung?

          Serode: Wenn ich mit einem Bauherrn zum ersten Mal ein Gebäude mit einer Textilfassade betrete, ist der Bauherr meistens völlig überrascht. Denn das Textil vor dem Fenster ist im Innenraum kaum wahrnehmbar, gleichzeitig sind die Innenräume hell und lichtdurchflutet. Um die Effekte dieser Wahrnehmung genau zu ergründen und unsere Fassadenstrukturen fortlaufend mit neuen Funktionen zu versehen, forschen wir gemeinsam mit Augenärzten des Universitätsklinikums Aachen.

          Mindestens so relevant sind aber Ihre Forschungen zur Anti-Smog-Fassade.

          Serode: Wir erleben seit Jahren die Diskussion rund um die Schadstoffbelastung der Luft in unseren Städten. Schon äußerst geringe Schadstoffbelastungen sind nachweislich gesundheitsschädlich. Wir haben eine Textilfassade entwickelt, die mit einer photokatalytischen Beschichtung versehen ist und Schadstoffe wie Stickoxide und Feinstaubpartikel direkt aus der Luft filtert. Mit großer Energie und Vorfreude arbeiten wir gerade daran, die erste Fassade im Realmaßstab zu realisieren.

          Wie halten solche Textilfassaden?

          Serode: Am Neubau oder Bestandsgebäude wird eine Unterkonstruktion aus Leichtmetall installiert. Diese Systeme sind mittlerweile als standardisierte Produkte am Markt erhältlich. Die Textilien werden anschließend im Plug&Play-Verfahren auf die Rahmen gespannt und beliebig oft gewechselt.

          Und woran arbeiten Sie aktuell?

          Serode: Unser Fokus liegt im Bereich Umwelt- und Klimaschutz. Herzstück ist die Anti-Smog-Fassade. Wir sind in Gesprächen mit Interessenten aus der Industrie und verschiedenen behördlichen Einrichtungen. In unserem Studio arbeiten wir gerade an neuen Integrationen von Photovoltaiktechnik, Solarthermie und Lichtintegration. In allen drei Bereichen liegen funktionierende Prototypen vor. Neben einer spielerischen Designentwicklung, die wir in Kooperation mit der Universität Keio in Tokio betreiben, überprüfen wir eine CO2 speichernde Textilfassade. Mehr dürfen wir aber noch nicht verraten.

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