https://www.faz.net/-gqe-978sv

Ungewöhnliche Architektur : Ganz schön gaga!

Kitsch oder Kunst? Das Rizzi House in Braunschweig lässt keinen kalt. Bild: Happy RIZZI House e.V.

Huch, wie sieht denn das aus? Skurrile Architektur provoziert die Betrachter – und funktioniert ganz wunderbar als Besuchermagnet.

          Das Städtchen Amersfoort in der Provinz Utrecht hat das Prädikat Postkartenidyll verdient. Sein Stadtrecht besitzt es seit dem 13. Jahrhundert, viel mittelalterliche Architektur ist erhalten geblieben. Pittoreske Backsteinhäuschen mit Stufengiebeln reihen sich im Zentrum aneinander, die Wege sind im Fischgrätmuster gepflastert, und über allem thront der Onze Lieve Vrouwetoren, der etwa 100 Meter hohe mittelalterliche Kirchturm. Doch wer im Verzückungsmodus durch die Stadt streift, könnte neuerdings irritiert vor einer bestimmten Fassade innehalten. Von der grinsen, staunen, zwinkern und herzen jetzt nämlich in Beton gegossene Emojis.

          Was für die einen endgültiger Beweis des Untergangs der Kultur ist, ist für deren Architekt Changiz Tehrani ein zeitgenössisches Statement. Wirklich zeitlos seien Gebäude ohnehin nie, verkündet der Architekt des niederländischen Büros Attika Architekten. Dann doch lieber gleich der Gegenwart ein Denkmal setzen und Emojis seien nun einmal das ikonische Zeichen der Gegenwart schlechthin. „Vielleicht benutzen wir in zehn Jahren gar keine Emojis mehr – das ist in Ordnung. Sie stehen dann immer noch für unsere jetzige Zeit“, sagte Tehrani dem Magazin „The Verge“.

          Braunschweig statt Paris

          Das kann man nun schön, schrecklich oder irgendwas dazwischen finden, auf alle Fälle aber wird jeder eine Meinung zu dem Gebäude haben. Genau damit gelingt den skurrilen bis schlicht komischen Auswüchsen der Architektur etwas, was der Großteil der oft uniformen Neubauten nicht schafft.

          In Deutschland gehört das „Happy Rizzi House“ in Braunschweig zu den schillerndsten Beispielen abgedrehter Baukunst. Strenggenommen ist das Gebäudeensemble des amerikanischen Pop-Art-Künstlers James Rizzi deshalb auch eine Bauskulptur und kein Haus – trotzdem arbeiten in den kunterbunten Wänden jeden Tag Menschen. Eigentlich wollte Rizzi seine Skulptur in Paris bauen. Galerist Olaf Jäschke und Architekt Konrad Kloster konnten ihn dann aber von der niedersächsischen Stadt überzeugen. Weniger Konkurrenz, die kommende Expo in Hannover bot die passende Plattform für das Projekt – und mit Friedrich Knapp, dem Chef der New Yorker GmbH, konnten sie einen Investor präsentieren. Ihm gehört das Gebäude bis heute, die Firmenzentrale befindet sich hier. Noch zumindest, bald müssen die Mitarbeiter aus Platzgründen umsiedeln.

          Ist das wirklich Kunst?

          Das Projekt bei den Baubehörden durchzubekommen war wesentlich schwieriger, erzählt Helmut Reise: „Die Statik war ein großes Problem, weder die Geschosshöhen noch die Fenster sind normiert. Jedes einzelne ist anders. Es ist eben kein Haus, sondern eine Skulptur.“ Dazu kommt, dass das Ensemble nicht etwa am Stadtrand oder in einem Neubaugebiet steht. Es befindet sich mitten im historischen Magniviertel. Eine bewusste Provokation, sagt Reise, der Vorsitzender des Happy Rizzi House e. V. ist und sich um die Erhaltung des Braunschweiger Rizzi-Erbes kümmert. „Die Anwohner waren nicht das Problem, aber die Kunsthochschule und die Architekturfakultät haben sich sehr daran gerieben. Daran, ob das Kunst sei. Sie hatten einfach ihre eigenen Vorstellungen.“

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

          Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
          In einem Gedenkgottesdienst nehmen Angehörige, Freunde und Nachbarn Abschied von dem achtjährigen Jungen

          Nach Frankfurter Gewaltat : Abschied von getötetem Achtjährigen

          Nach der grausamen Tat am Frankfurter Hauptbahnhof haben Angehörige, Freunde und Nachbarn in einem Gedenkgottesdienst Abschied von dem getöteten Jungen genommen. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier war anwesend.
          Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.
          Im Jahr 2016 ist es in Kalkutta zwar noch wuseliger, aber die Anzahl der Läden und Fahrzeuge deuten auf einen Entwicklungsfortschritt hin.

          Wohlstand, Gesundheit, Bildung : Der Welt geht es immer besser

          Kurz bevor er starb, hat der schwedische Arzt Hans Rosling noch ein Buch geschrieben. Es hat eine zutiefst erschütternde These: Der Zustand der Welt verbessert sich, doch keiner bekommt es mit. Woran liegt das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.