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Architektur in Südtirol : Alpenblick glasklar

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Es stimmt: Die Verschachtelung und Ausstattung des Hauses sind kühn, aber nicht kühl. Sondern warm und wahnsinnig gemütlich. Im unteren Haus, das mit 95 Quadratmetern halb so groß ist, entstand eine Ferienwohnung für vier Personen. Den Gästen aus der Großstadt gefällt die Zurückgezogenheit und das puristische Design. Jetzt können sie tagsüber am Kronplatz Ski fahren oder im Naturpark Fanes-Sennes-Prags spazieren gehen und dann abends so designbewusst wohnen wie zu Hause in München, Berlin oder Mailand.

Auch die Südtiroler Kirchenarchitektur hält Überraschungen bereit

Peter Pichler hat gerade in Mailand sein neues Büro eröffnet. Der junge Südtiroler Architekt hat zuvor bei Zaha Hadid und Rem Kohlhaas gearbeitet. Im Süden Bozens steht eines seiner bekanntesten Projekte, die Mirror Houses. Sie liegen in einer ähnlich abgekapselten Lage wie die Häuser in Pliscia: versteckt in üppigen Apfelhainen. Wer von vorne auf die beiden Ferienhäuser zuläuft, der steht unmittelbar vor den hintereinander versetzten Zwillingsapartments. Wie ein Haifischmaul öffnen sie sich nach vorne und erlauben durch die Glasfront volle Inneneinsicht. Von ihrem imposanten Alleinstellungsmerkmal, der Verspiegelung auf der Rückseite, sieht man erst einmal nichts. Erst im Garten, der gerade nur temporär geöffnet ist, bricht sich das Bozner Bergpanorama und der Swimmingpool in den beiden Spiegelkuben. Das macht die Häuser quasi unsichtbar. Ein beliebtes Fotomotiv und ein geschickter Schachzug von der Bauherrin Angela Sabine Staffler. Denn ihr privates Wohnhaus behält so (fast) die freie Aussicht. „Die Dualität des Hauses, die Spiegelfassade auf der Seite der Hausherren und die zwei separaten Gäste-Eingänge im Osten ermöglichen eine größtmögliche Privatsphäre. Keiner bekommt etwas vom anderen mit, alle Parteien haben eine freie Sicht auf die Natur“, beschreibt Architekt Pichler sein Konzept. Als Inspiration diente der Bauherrin das schwedische Spiegelglas-Baumhaus „Mirror Cube“.

Die Feriengäste in den Mirror Houses haben durch die Glasfassade vorne einen freien Blick auf die Apfelbäume und die Berge dahinter. Das bedingt auch die leichte Erhöhung, welche die Volumen scheinbar über dem Boden schweben lässt. So, als seien sie als Fertighaus mit passgenauer, hochwertiger Einrichtung gelandet und gerade auf dem Sprung - zurück in die Zukunft. Futuristisch ist nämlich nicht nur die blaue Beleuchtung von unten bei Nacht. Auch der graduelle Übergang, der Glasfassade vorne und Außenwand hinten miteinander verbindet wie ein Reißverschluss, ist ein Experiment. „Ein linearer Übergang oder eine Dreiecksform wäre zu langweilig gewesen“, sagt Pichler. Ginge es nach ihm, könnte die Architektur in Südtirol noch mutiger sein. Aber gerade bei öffentlichen Bauvorhaben hat die Gemeindeversammlung ein Wörtchen mitzureden, und die ist eben nicht immer von minimalistischen Bauvorhaben zu begeistern. Manchmal aber schon.

Im Bozener Stadtteil Firmian, jenseits des ebenfalls vollverglasten Hauptsitzes des Outdoor-Ausrüsters Salewa, der wie ein Ufo neben der Brennerautobahn liegt, wurde vor drei Jahren eine neue Kirche gebaut. Der Kirchturm des Pfarrzentrums „Mutter Teresa von Kalkutta“, entworfen vom Südtiroler Architekten Siegfried Delueg aus Brixen, ragt nicht über die benachbarten Wohnhäuser hinaus. Er ist sogar relativ flach und besteht aus einem von vier unterschiedlich hohen Blöcken aus Muschelkalkgestein. Lediglich ein dünnes, erst auf den zweiten Blick erkennbares Stahlkreuz markiert den „Kirchturm“. Die Architektur in Südtirol weiß also auch in sakralen Sphären zu überraschen. Vielleicht hinterlassen die modernen Bauten auch bald eine Spur im Internet. Für Bilder von Südtirol jenseits des Klischees.

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