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Osteuropa : Jetzt kommt die Ernüchterung

Die Touristen strömen noch nach Prag, die Immobilieninvestoren werden weniger Bild: AFP

Die Goldgräberstimmung in Osteuropa ist verflogen. Auf der Real Vienna, der Leitmesse für die Immobilienmärkte zwischen Prag und Kiew, herrscht deutlich weniger Interesse als in den Vorjahren.

          In Osteuropa ist die Goldgräberstimmung erst einmal verflogen. Viele Länder leiden mittlerweile unter der Rezession. Dies beeinträchtigt auch die Immobilienmärkte zwischen Prag und Kiew. Vor diesem Hintergrund stieß die Real Vienna als Leitmesse für Gewerbeimmobilien in Zentral-, Ost- und Südosteuropa in dieser Woche auf ein geringeres Interesse als in den Vorjahren. Die Anzahl der Aussteller in Wien sank gegenüber dem vergangenen Jahr um gut ein Viertel auf 242.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Wie stark die Entwicklung beeinträchtigt ist, zeigen unter anderem die Investitionsströme auf den Immobilienmärkten. Im ersten Quartal des Jahres wurden 220 Millionen Euro in Zentral- und Osteuropa investiert, berichtet Andreas Ridder, Geschäftsführer von CB Richard Ellis (CBRE) in Österreich. Das ist ein Rückgang um zwei Drittel gegenüber dem Vorquartal. Doch Osteuropa ist keine homogene Region. So sind beispielsweise in Russland und der Ukraine die Mietpreise in den zurückliegenden drei Quartalen besonders stark geschrumpft.

          Zwischen Juli und September 2008 kosteten erstklassige Bürolagen in Moskau nach Angaben von CBRE 100,60 Euro pro Quadratmeter. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es nur noch 75,47 Euro. In Kiew halbierten sich in diesem Zeitraum die Mieten sogar auf 30 Euro. Hingegen ist in Prag die Miete mit 23 Euro noch weitgehend konstant geblieben. Stabil hielt sich auch der Markt in Bratislava und Sofia.

          Der Leerstand steigt

          Wenngleich die Märkte sich unterschiedlich entwickeln, zeigt sich nach Einschätzung von Eugen Otto, Geschäftsführer von Otto Immobilien in Wien, ein klarer Trend: Schrumpfende Mieterträge bei Neuvermietungen, steigende Renditen sowie sinkende Werte. Gleichzeitig gehen die Leerstandsraten nach oben: In Prag betrug der Leerstand für Büroimmobilien nach Berechnung von CBP Immobilientreuhand in Wien im ersten Quartal 9 Prozent; vor Jahresfrist waren es erst 6 Prozent gewesen. Auch in Budapest ging die Rate von 12 auf 17 Prozent deutlich nach oben.

          Eine große Rolle für die schwache Verfassung der Immobilienmärkte spielt die schwieriger gewordene Finanzierung. Christian Schitton, Investitionsverantwortlicher der österreichischen Gesellschaft CA Immo International, hat festgestellt, dass eine Vorausverwertung bei Immobilienprojekten für Geldgeber wichtiger wird. Franz Jurkowitsch, Vorstandsvorsitzender des Wiener Immobilienentwicklers Warimpex, berichtet, dass es für neue Projekte praktisch keine Finanzierung mehr gibt. Es werde ein deutlich höherer Eigenmittelanteil als in der Vergangenheit gefordert.

          Schwer tun sich die Messebesucher mit einer Einschätzung, ob der Tiefpunkt der Entwicklung schon erreicht ist. Spätestens 2010 sollten sich die Immobilienmärkte aber wieder stabilisiert haben, prognostizieren viele Fachleute. Große Sprünge in der Preisentwicklung seien nicht zu erwarten, sagt Michael Ehlmaier, Geschäftsführer von CPB Immobilientreuhand. Zurückhaltend beurteilt auch Karl Wallner, zuständig für Projektentwicklung in Zentral- und Osteuropa von Raiffeisen Evolution, die Lage: „Wir werden dort beginnen, wo wir vor fünf bis zehn Jahren waren.“

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