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Lärm in Großraumbüros : Schall und Rauschen am Arbeitsplatz

  • -Aktualisiert am

Es fehlt an schallabsorbierenden Flächen

Generell gilt, dass eine lange Nachhallzeit zu einer relativ großen Sprachunverständlichkeit führt. Was nicht im Sinne des Erfinders ist, denn Großraumbüros sind auch Ausdruck einer „Meeting-Kultur“ (Meis), die direkte Kommunikation ist hier das A und O. Wer da das Wort seines Gegenübers nur mit Mühe versteht, ist am falschen Platz. Das muss gleichwohl nicht bedeuten, dass eine möglichst hohe Sprachverständlichkeit das Nonplusultra ist. Allzu gut sollte man sich im Büro nicht verstehen, zumindest nicht über mehrere Schreibtische hinweg: Denn was dort gesprochen wird, führt beim unfreiwilligen Zuhörer zu einem Verlust an Konzentration. Zudem leidet die Privatsphäre. Weder Halle noch Tonstudio führten zum Ziel, gibt Meis die Devise aus. Je nach Größe des Büros empfehlen Experten eine Nachhallzeit von 0,5 bis 0,8 Sekunden. Zum Vergleich: In Kirchenräumen liegt die Nachhallzeit bei vier Sekunden und mehr.

Dass Experten wie Gernot Henrich gefragt sind, hat verschiedene Ursachen. Der Raumakustiker beklagt in der Innenarchitektur einen Trend zu „kühl und glatt“. Räume würden spartanischer eingerichtet, glatte Oberflächen dominierten das Interieur. Der Schall wird an Wänden, Decken und Böden reflektiert, doch fehlt es an schallabsorbierenden Flächen, was wiederum zu langen Nachhallzeiten bis hin zur Cafeteria-Akustik führt. Dabei mangelt es nicht an schallabsorbierenden Materialien, die auch nachträglich eingebaut werden können. Der Reigen reicht von Glas- und Mineralfaserplatten über Schaumstoffe bis hin zu geschlitzten oder perforierten Holzpaneelen; oder auch mikroperforierten Schallabsorbern, die aus Holz, Folie oder auch Plexiglas sind. Ihr Wirkungsgrad unterscheidet sich je nach Material und Größe der Fläche, auf der sie angebracht werden. Grundsätzlich bieten sich Decken und Wände für schallabsorbierende Materialien an, doch der verstärkte Einsatz thermoaktiver Bauteile wie beispielsweise Betondecken verlangt zunehmend nach alternativen Lösungen.

Gleiches mit Gleichem beschallen

Hendrik Hund, dessen Unternehmen Büromöbel herstellt, hat die Bedeutung des Themas Lärm am Arbeitsplatz inzwischen erkannt. Der Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel e.V. (bso), dem der Biberacher vorsitzt, rät, auf jeden Fall auch bei der Möblierung von Bürolandschaften den Faktor Schall zu berücksichtigen. So sollten laut einer Empfehlung des bso gegenüberliegende Arbeitsplätze durch einen mindestens 70 Zentimeter hohen, schallabsorbierenden Aufsatz voneinander getrennt werden. Hierdurch lässt sich der Direktschall unterbrechen, der von einem Telefonat oder Gespräch des Kollegen ausgeht.

Solche Aufsätze dienen als Schallschirme, die allesamt zum Ziel haben, die direkte Ausbreitung des Schalls aufzuhalten und so den Lärmpegel zu mindern. Als Schallschirme können auch Regale, Schränke und Stellwände herhalten. Drucker oder Kopierer sollten an einem Ort konzentriert werden. Besprechungsinseln können dazu beitragen, dass sich der Lärmpegel in Grenzen hält und die Angestellten nicht ständig von ihrer eigentlichen Arbeit abgehalten werden. Meis weist zudem auf die Möglichkeit einer elektroakustischen Bedämpfung hin, auch „Sound Masking“ genannt. Hierbei wird ein künstliches Hintergrundgeräusch, etwa ein Rauschen, in den Raum gegeben, um andere Geräusche zu „maskieren“, also zu übertönen. Informationshaltige Geräusche, beispielsweise das Gespräch der Kollegen, die besonders ablenkend sind, lassen sich auf diese Weise verdecken. Bisher konnte sich diese Methode hierzulande noch nicht durchsetzen, und ein Phänomen wird sich nie auflösen lassen: Büroangestellte sind als Lärmquellen und -geplagte gewissermaßen Täter und Opfer zugleich.

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