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Gerhard Kemper im Gespräch : „Natürlich fällt der Abschied schwer“

  • Aktualisiert am

Rückzug nach fast 20 Jahren: Gerhard Kemper Bild: JLL

Fast genau ein Jahr nach dem Verkauf seines Unter- nehmens an Jones Lang LaSalle zieht sich Gerhard Kemper aus dem Maklergeschäft zurück. Im Gespräch äußert er sich über das Verhältnis zum neuen Eigentümer, die Veränderungen in deutschen Einkaufsmeilen und seine künftigen Pläne.

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          Über die vergangenen 19 Jahre haben Sie das mit Abstand größte Maklerunternehmen für Einzelhandelsflächen in Deutschland aufgebaut. Fällt Ihnen der Abschied schwer?

          Natürlich fällt so ein Schritt schwer. Mein Vater gründete das Unternehmen 1972. Ich selbst war seit 1990 dabei. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn dieser Lebensabschnitt nun zu Ende geht.

          Gab es einen speziellen Auslöser, gerade zum jetzigen Zeitpunkt das Unternehmen zu verlassen?

          Meine Aufgabe nach der Übernahme war es, die Integration in die Organisation von Jones Lang LaSalle voranzutreiben. Dieser Prozess ist zwar noch nicht vollständig abgeschlossen. Viel beitragen kann ich dazu aber nicht mehr. Insofern ist dies nun der richtige Zeitpunkt, um zu gehen.

          Wie hart ist denn Kemper's vom Marktabschwung getroffen?

          Im Investmentgeschäft sind wir 2008 im Markttrend mitgelaufen. Das heißt, der Umsatz aus der Transaktionsberatung hat sich halbiert. Das Vermietungsgeschäft bewegt sich auf dem Niveau des Jahres 2007.

          Gab es vielleicht Meinungsverschiedenheiten mit dem neuen Eigentümer, wie auf den Umsatzeinbruch in den vergangenen Monaten reagiert werden sollte?

          Überhaupt nicht. Im Gegenteil: Jones Lang LaSalle hat rasch reagiert und die Kostenbasis auf die veränderten Umstände angepasst. Bei solchen Anpassungen kommt es darauf an, relativ frühzeitig tätig zu werden. Je länger man wartet, umso tiefer muss man später einschneiden.

          Wie passen denn eigentlich die unterschiedlichen Firmenkulturen - auf der einen Seite ein deutsches Familienunternehmen wie Kemper's, auf der anderen Seite eine angelsächsisch geprägte, börsennotierte Unternehmensgruppe wie Jones Lang LaSalle - zusammen?

          Es gibt tatsächlich viele Unterschiede. Die muss man dann in der Integrationsphase adressieren und abarbeiten. In mittelständischen Familienunternehmen geht es vielleicht etwas persönlicher zu. Bemerkenswert bei Jones Lang Lasalle ist aber der große Freiheitsgrad, den Führungskräfte genießen. Einige Mitarbeiter in den Außenstellen haben mir sogar gesagt, sie hätten jetzt mehr Freiraum als früher.

          Lief die Integration wirklich reibungslos ab?

          Die Fluktuation war jedenfalls geringer als erwartet. Letztlich haben uns zwei Geschäftsstellenleiter nach der Übernahme durch Jones Lang LaSalle verlassen. Es gibt aber eine Gruppe von starken Umsatzträgern, die dezentral weiter agieren.

          Wie hat sich denn das Geschäft mit Einzelhandelsimmobilien in den deutschen Innenstädten während Ihrer aktiven Zeit verändert?

          Wenn man zunächst die Mieterseite betrachtet, dann haben viele mittelständische Einzelhändler den Markt verlassen. Sie haben allerdings auch einen sehr, sehr schweren Stand gegen die durchorganisierten Filialunternehmen. Von ihnen wird verlangt, ein erstaunliches Allround-Talent zu sein, um dem Trend zur Filialisierung etwas entgegenzusetzen. Man darf sich keinen Fehler mehr erlauben. Die Vielfalt im Einzelhandel geht deshalb zurück. Jetzt kommt es auf die Filialisten an, für mehr Vielfalt zu sorgen. Auch die Internationalisierung hat deutlich zugenommen. Inzwischen läuft 50 Prozent des Flächenumsatzes über international agierende Einzelhändler. Anfang der neunziger Jahre waren es gefühlt höchstens 20 Prozent.

          Und wenn Sie auf die Entwicklung des Investmentgeschäfts zurückblicken?

          In unseren ersten Jahren investierten vor allem vermögende Privatpersonen in Einzelhandelsimmobilien in besten Lagen. Inzwischen sind viel mehr institutionelle Anleger wie Fonds oder Versicherer unterwegs. 1a-Lagen in Großstädten gelten unter den verschiedenen Anlageformen als sicherer Hafen, weil man die Flächen immer vermietet bekommt. Diese Krisenresistenz ist übrigens auch der Grund, warum der Investmentmarkt mit Einzelhandelsobjekten in 1a-Lagen derzeit nahezu brachliegt: In schwierigen Zeiten ist die Motivation zum Verkauf unter den Besitzern der Objekte nicht sonderlich ausgeprägt.

          Jones Lang LaSalle hat angekündigt, in absehbarer Zeit Kemper's aus dem Namen des Unternehmens streichen zu wollen. Schmerzt Sie das?

          Es mag der persönlichen Eitelkeit schmeicheln, der Namensgeber eines Unternehmens zu sein. Aber da muss man realistisch bleiben: Die Marke Kemper's mag auf dem deutschen Immobilienmarkt bekannt sein, Jones Lang LaSalle ist aber die wesentlich stärkere Marke.

          Wissen Sie schon, was Sie mit ihrer neu gewonnenen Freizeit anfangen wollen?

          Ich will mich vor allem in die Ausbildung einbringen. Derzeit laufen noch Gespräche. Daneben werde ich verschiedene Beiratsmandate wahrnehmen.

          Können Sie sich vorstellen, noch einmal ein größeres Unternehmen aufzuziehen?

          Nein, das kann ich mir nicht vorstellen.

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