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Eurohypo : Kein Anlass zur Entspannung

  • -Aktualisiert am

Die Übernahme der Eurohypo im Jahr 2005 machte den Vorstand der Commerzbank nur kurze Zeit glücklich Bild: ddp

Der größte deutsche Immobilienfinanzierer sortiert sein Geschäft. In der Immobilienwirtschaft wird dies interessiert beobachtet. Branchenvertreter sprechen von einem Drama, das sich da abspielt.

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          Die Eurohypo als größter Immobilienfinanzierer im Lande vollzieht derzeit eine Kehrtwende in ihrem Kerngeschäft. Zu Beginn dieser Woche räumte der Vorstandssprecher Frank Pörschke zunächst eine zu komplexe Aufstellung in der Vergangenheit ein, um danach eine Neuausrichtung in der Immobilienfinanzierung zu verkünden.

          Künftig will sich die von der Finanzkrise heftig gebeutelte Tochtergesellschaft der Commerzbank auf das Geschäft mit Großkunden in der gewerblichen Immobilienfinanzierung konzentrieren. Im Zielpublikum löst dies jedoch keinen Begeisterungssturm aus. Der weitgehende Ausfall von großen Kreditinstituten wie der Eurohypo als Geldquelle gilt als wesentlicher Grund für den nun schon über ein halbes Jahr brachliegenden Transaktionsmarkt für Gewerbeimmobilien. Unter den Marktakteuren gibt es wenig Hoffnung, dass die nun anstehende Umorientierung der Eurohypo eine Besserung der angespannten Lage mit sich bringen könnte.

          Kleineres Kreditportfolio

          Die von dem Immobilienfinanzierer vorgelegten Zahlen geben dazu auch keinen Anlass. So soll etwa das Kreditportfolio mit Gewerbeimmobilien bis 2012 von zuletzt 79 auf 60 Milliarden Euro zurückgefahren werden. Dies soll nach den Angaben von Pörschke zum überwiegenden Teil durch „organische Abschmelzung“ geschehen. Aber auch die Möglichkeit des Verkaufs von Kreditpaketen hält er offen.

          Das Potential für Neugeschäft bleibt vor diesem Hintergrund überschaubar. Für dieses Jahr plant die Eurohypo eine einstellige Milliardensumme. Im ersten Quartal wurden gerade einmal 200 Millionen Euro neu ausgereicht. Der Vorstandssprecher nimmt für sein Unternehmen allerdings in Anspruch, dass gleichzeitig Prolongationen und Nachverhandlungen über 4 Milliarden Euro stattgefunden hätten, was sich im weiteren Sinne ebenfalls dem Neugeschäft zuordnen lasse.

          „Ein Drama“

          „Es ist wirklich ein Drama, dass die Eurohypo als einer der größten Kreditgeber weiter ausfällt“, kommentiert Andreas Quint, Deutschland-Chef der Immobilienmakler- und Beratungsgesellschaft Jones Lang LaSalle, das Geschehen. Auch Martin Brühl, Deutschland-Chef des Beratungsunternehmens Cushman & Wakefield, wertet das Vorgehen der Eurohypo aus immobilienwirtschaftlicher Sicht eher als schlechte Nachricht: „Große Finanzierer ziehen sich auf die Heimatmärkte zurück - das macht deutlich, dass wir es mit einer strukturellen Kreditkrise zu tun haben.“ Wenn das Vorgehen Schule mache, werde der Markt in sich kleiner.

          Immobilieninvestoren halten sich dagegen mit Anmerkungen in der Öffentlichkeit zur Eurohypo und ihrer neuen Ausrichtung des Geschäftsmodells zurück. Trotz ihrer desolaten Situation ist die Bank vor allem für die hochverschuldeten Immobiliengesellschaften weiterhin ein bedeutender Geschäftspartner, den man angesichts bevorstehender Prolongationen oder Verhandlungen nach dem Bruch von Kreditklauseln nicht unnötig reizen möchte.

          Hinter vorgehaltener Hand wird jedoch unisono erklärt, dass eine Eurohypo mit angepasstem Geschäftsmodell nicht wesentlich für die Wiederbelebung des darniederliegenden Investmentmarktes sei. Entscheidend seien vielmehr funktionierende Interbanken- und Pfandbriefmärkte, die derzeit noch immer weit von ihrem Normalzustand entfernt wären.

          Hypo Real Estate fällt auch aus

          Nicht nur die Eurohypo hat sich inzwischen aus dem Neugeschäft weitgehend zurückgezogen. Auch die Hypo Real Estate als zweiter großer deutscher Immobilienfinanzierer fällt derzeit komplett aus. Ausländische Kreditinstitute sind schon seit längerem vom Markt verschwunden.

          Das Finanzierungsgeschäft läuft derzeit vor allem für Einzeltransaktionen unter 50 Millionen Euro durch Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit einem starken Einlagengeschäft vor Ort. Noch vor drei Jahren standen die Banken bei den Investoren Schlange, um mit ihnen ins Geschäft zu kommen. Inzwischen hat sich die Situation umgekehrt.

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