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Einzelhandel : Drogerieketten drängen in beste Lagen

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Die Drogeriekette Rossmann ist einer der expansivsten Einzelhändler im Lande. Bild: AP

In den Innenstädten rücken expansive Drogerie-Einzelhändler mit erweitertem Sortiment an die Stelle der klassischen Warenhäuser. Untereinander schenken sich die Ketten nichts. Makler sprechen von einem Verdrängungswettbewerb mit „heruntergelassenem Visier“.

          Das Erfolgsrezept lautet: „Mehr Angebot, mehr treue Kunden.“ Seit die großen Drogerieketten im Lande ihr Sortiment nicht mehr auf Körperpflegeartikel wie Salbe und Zahnpasta beschränken, sondern über Haushalts- und Spielwaren immer neue Segmente für ihre Regale erschließen, findet eine Flächenverschiebung im deutschen Einzelhandel statt. Der auf Einzelhandel spezialisierte Immobilienberater Kemper's Jones Lang LaSalle zählt inzwischen in den 375 Einkaufsstraßen der 200 wichtigsten deutschen Städte rund 500 Drogeriemärkte. Damit bewegen sie sich auf dem Niveau des Buchhandels und der Systemgastronomie - und haben die Friseurgeschäfte und Parfümerien schon hinter sich gelassen. „Die hohen Mieten schrecken die Konzepte nicht mehr“, sagt Doris von Muschwitz, Leiterin Einzelhandelsvermietung bei Kemper's.

          Die großen Anbieter schaukeln sich sogar im Wettlauf um attraktive Flächen gegenseitig hoch. „Das Ringen der großen Drogerie-Einzelhändler um die besten Innenstadtflächen spitzt sich weiter zu“, hat Dirk Lührmann, Geschäftsführender Gesellschafter des auf innerstädtische Lagen spezialisierten Immobilienmaklers Lührmann, beobachtet. „Vor allem Rossmann, dm-drogerie markt und Müller Drogerie schenken sich nichts.“ Komme der eine nicht zum Zug, sichere sich der andere den Standort. „Das ist ein Verdrängungswettbewerb mit heruntergelassenem Visier.“

          Grenzüberschreitung

          Lange Zeit hatten sich die großen Drogerieketten das Bundesgebiet weitgehend friedlich untereinander aufgeteilt. „Schlecker versorgte die Kunden vorwiegend in kleineren Städten und in den Randlagen, dm kümmerte sich um den süddeutschen Raum, Rossmann besetzte norddeutsche City-Lagen, und Müller beschränkte sich auf die Region Ulm“, blickt Lührmann zurück. Den Beginn des heutigen Hauens und Stechens datiert er auf das Jahr 2004 zurück. Damals übernahm Rossmann in Berlin 70 Märkte der Drogeriekette Kaisers Drugstore und flaggte sie in die Stammmarke um.

          Ein Jahr später kaufte dann das Unternehmen mit Sitz in Burgwedel bei Hannover weitere 320 kd-Drogerien und drang damit in das süddeutsche Kerngebiet von dm-drogerie markt vor. Als Rossmann Ende 2007 schließlich die Kieler Drogeriekette Kloppenburg mit 163 Filialen in Norddeutschland erwarb, wurde es dm-drogerie markt offensichtlich zu viel. Das Unternehmen ließ wissen, dass es sein Filialnetz künftig auch nördlich von Berlin und Hannover ausbauen wird.

          Ungebrochene Expansionslust

          Während im Zuge des Geschehens Schlecker als deutscher Marktführer im Geschäft mit Drogerieartikeln allmählich ins Hintertreffen geriet, ist die Expansionslust der Konkurrenten Rossmann, Müller und dm-drogerie markt seither ungebrochen. Auch die Übernahme von Ihr Platz durch Schlecker änderte daran wenig. „Durch eine Konzentration auf vorwiegend große, sortimentreiche Ladenlokale in Innenstadtlagen haben die drei Mitbewerber klare logistische Vorteile gegenüber Schleckers zwar flächendeckendem, aber dadurch auch zu weit verzweigtem Filialnetz an kleinflächigen Drogeriemärkten“, sagt Lührmann. Viele der kleinen Filialen in Neben- und Randlagen seien vom Umsatz her einfach zu schwach, was auch der schleichende Verlust an Marktanteilen verdeutliche.

          Nach einer Übersicht des Maklerunternehmens überschritt Rossmann im Jahr 2009 mit insgesamt 4,12 Milliarden Euro Umsatz erstmals die Vier-Milliarden-Grenze und verzeichnete in Deutschland ein Wachstum von 9,7 Prozent. Im laufenden Jahr will die Kette insgesamt 90 Millionen Euro in 120 neue Verkaufsstellen sowie in den Neubau der Zentrale investieren. Konkurrent dm-drogerie markt setzte im Geschäftsjahr 2008/09 insgesamt 5,21 Milliarden Euro um, was einem Anstieg von 11,6 Prozent entspricht. Das Deutschland-Geschäft wuchs dabei im Trend und trug 3,75 Milliarden Euro zum Umsatz bei. Inklusive Umbauten und Umzügen eröffnete dm-drogerie markt 2008/09 bundesweit 155 Filialen, das sind durchschnittlich drei Märkte pro Woche. Das Drogerie-Unternehmen Müller, das weiterhin jedes Jahr 50 neue Filialen eröffnen will, prognostiziert für das laufende Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum um 6 bis 8 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro.

          Steigende Umsätze

          Wenig deutet derzeit auf eine Verlangsamung des Expansionstempos hin. „Das Klein-Warenhaus-Konzept ermöglicht es den Marktteilnehmern, in einer Nische zu wachsen, die auch in Zukunft noch steigende Umsätze verspricht“, sagt Lührmann. Das Geschäft der Drogerieketten gilt allgemein als krisenresistent. Zudem werde auch im laufenden Jahr die Expansion nach Ansicht der Kemper's-Immobilienberater weiter durch den Verdrängungswettbewerb getrieben. „Allen voran dm-drogerie markt und Rossmann werden in ihr Standortnetzwerk investieren und ihre Vormachtstellung in den 1a-Lagen ausbauen“, sagt von Muschwitz. „Auch Müller wird sich mit seinem breiter gefächerten, auch Spielwaren und Multimedia umfassenden Sortiment weiter in die Innenstädte orientieren.“

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