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Einkaufszentren : Projekte in Wartestellung

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Sonderkonjunktur im neuen Einkaufszentrum auf der Zeil in Frankfurt, das Ende Februar eröffnet wurde Bild: F.A.Z. - Daniel Pilar

Nun kommt die Krise auch in den Einkaufszentren an. Die Aktivität auf dem Investmentmarkt ist empfindlich zurückgegangen. Die Betreiber jedenfalls sprechen sich gegenseitig Mut zu und sehen noch Platz in Deutschland für neue Projekte.

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          Einkaufszentren haben sich in den vergangenen Jahren einen bedeutenden Platz in der europäischen Einzelhandelslandschaft erobert. Inzwischen macht sich die Wirtschaftskrise aber auch in dieser erfolgsverwöhnten Branche bemerkbar. „Projektentwicklungen werden durch die Finanzkrise nicht gestoppt, sehr wahrscheinlich aber spürbar verzögert“, erwartet Wolfgang Bays, Vorstandsvorsitzender des German Council of Shopping Centers (GCSC). Um die Zukunft der Konsumtempel macht er sich keine ernsthaften Sorgen. Bays rechnet vielmehr mit einer zunehmenden Bedeutung gut geführter Einkaufszentren gegenüber klassischen Einzelhandelsformen.

          Welche Perspektiven Einkaufszentren angesichts der schwierigen Wirtschaftslage bieten, wird auch auf der internationalen Immobilienmesse Mipim in Cannes in der kommenden Woche eines der zentralen Themen sein. „In Deutschland sprechen die Arbeitsmarktdaten und die Grundstimmung in der Bevölkerung 2009 für einen eher rückläufigen Handel, auch wenn unsere Umsätze bislang stabil geblieben sind“, sagt Alexander Otto, Vorsitzender der ECE-Geschäftsführung.

          Risiko auf vielen Schultern

          Zwar geht er davon aus, dass Einkaufszentren nicht so stark von der Krise betroffen sein werden, weil sie über ein zentrales Management verfügen und durch die Mischung der Mieter das Risiko auf viele Schultern verteilen. Trotzdem dürften die Zeiten für Betreiber und Eigentümer von Einkaufszentren härter werden. „In diesem Jahr wird sich unser Unternehmen daher vor allem auf die Erweiterung und den Umbau bestehender Center konzentrieren“, sagt Otto.

          Insgesamt sieht er die Einkaufszentren in Deutschland gut aufgestellt. „Wir müssen die Kunden jedoch noch früher abholen - Veranstaltungen in den Centern und zusätzliche Dienstleistungen spielen dabei eine große Rolle.“ Der ECE-Chef erwartet, dass der Trend zu einer individuelleren Architektur und spektakulären Bauten andauert. Allerdings müssten die Gebäude auch funktional bleiben. Zu den wichtigsten Zukunftsthemen zählt Otto die Nachhaltigkeit der Gebäude. „Die Unternehmen müssen diese Entwicklung sehr ernst nehmen“, mahnt er. In Einkaufszentren gehe es dabei vor allem um eine effiziente Beleuchtung und die Vermeidung von Wärmeabstrahlung.

          Die Immobilie steht wieder im Vordergrund

          Die Auswirkungen des veränderten Marktumfelds sind deutlich zu spüren. „In den vergangenen Jahren hat der Finanzmarkt das eigentliche Geschäft getrieben; heute orientieren sich die Investoren wieder an der Immobilie“, sagt Otto. Vor diesem Hintergrund seien jetzt Management-Dienstleistungen besonders gefragt, um die Objekte gut im Markt zu positionieren.

          Expansionsabsichten vor allem in Richtung Ukraine und Russland habe sein Unternehmen erst einmal zurückgestellt. „Derzeit ist es schwer, von den Banken Finanzierungen für Projekte in diesen Regionen zu erhalten“, sagt er. „Wir sehen dort aber langfristig sehr gute Entwicklungsperspektiven, weil die Einkaufscenter-Dichte noch nicht so hoch ist.“

          Makler verbreiten Optimismus

          Für Investoren geht Anke Haverkamp, Leiterin Shopping Center Investments bei dem Immobilienberatungsunternehmen Jones Lang LaSalle, vor allem in den kommenden sechs bis neun Monaten von attraktiven Einkaufsmöglichkeiten aus. „Zyklustypisch und wegen der andauernden Schwierigkeiten bei der Fremdkapitalbeschaffung bewegen sich derzeit nur relativ wenige Investoren im Markt“, sagt sie. Zudem sei für erstklassige Einkaufszentren mit keinen großen Preiskorrekturen mehr zu rechnen. Die Nettoanfangsrenditen lägen in diesem Segment derzeit bei 5,75 bis 6,25 Prozent. „Wir erwarten eine leichte Belebung des Investmentmarktes in der zweiten Jahreshälfte.“

          Allerdings entwickelt sich die Nachfrage in Europa sehr unterschiedlich. Investoren konzentrieren sich derzeit vor allem auf die großen etablierten westeuropäischen Märkte. „Die südosteuropäischen Märkte werden in ihrer strukturellen Entwicklung skeptisch gesehen“, sagt Haverkamp. „Zudem ist dort eine gewisse Unsicherheit im Hinblick auf eine angemessene Preisfindung zu beobachten.“

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