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Appartements : Studentenbuden vom Feinsten

Knapp, eng und teuer: Das Angebot an Zimmern in Studentenwohnheimen wie hier in München hält mit der Nachfrage längst nicht mehr Schritt Bild: Philip Lisowski

Wohnungen in Universitätsstädten sind knapp. Deshalb halten Investoren Studentenwohnungen für eine gute Geschäftsidee. Die neuen Appartements sind zwar schön, aber ziemlich teuer.

          Wenn man wissen will, wie es in der Wohnhölle aussieht, reicht ein Blick in die Prospekte der Bauträger von Studentenappartements. Diese geizen nicht mit Horrorvorstellungen: Eine Flut von Abiturienten werde sich künftig über die Universitätsstädte ergießen und die Lage auf dem Wohnungsmarkt dramatisch verschärfen. Die einen wohnen im Container, andere vorübergehend in Sporthallen.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch die Rettung naht, man hält sie quasi mit den Unterlagen zum Bauprojekt schon in den Händen: Es sind Wohnanlagen, in denen Studentenappartements entstehen sollen. Moderne Einzimmerwohnungen, die ungefähr so stark an Wohncontainer erinnern wie das Kanzleramt an sozialen Wohnungsbau. Sie sollen die Wohnungsnot in Universitätsstädten lindern. Gleichzeitig werden sie als eine ideale Geldanlagemöglichkeit angepriesen. Die Anbieter locken, und die Werbung wirkt: Tatsächlich verkaufen die Vermittler solche Wohnungen inzwischen schneller, als Bauträger sie fertigstellen können. „Die Nachfrage ist erheblich größer als das Angebot“, heißt es bei der Ott Investment AG, die Studentenwohnanlagen in Nürnberg, Bamberg und München vertreibt.

          Das Investmentprodukt der Stunde

          Gerade in München, wo bezahlbarer Wohnraum ohnehin schon knapp ist, brummt das Geschäft. Obwohl zum Beispiel der Stadtteil Garching von der Münchner Innenstadt aus gesehen ziemlich weit draußen liegt, sind im „Garching Living Center“ so gut wie alle Studentenappartements schon verkauft. Von den 300 zentraler gelegenen Kleinstwohnungen von Studio M am Petuelpark existiert bislang nur eine Computersimulation im Internet. Doch auch die sind schon veräußert, ist von Lambert Wohnbau zu hören. Nur hinten rechts am Versorgungsschacht im zweiten Stock ist theoretisch noch ein Appartement zu haben - aber das ist immerhin schon reserviert. In der bayerischen Universitätsstadt Bamberg fanden 400 neu errichtete Studentenbuden innerhalb weniger Monate einen Abnehmer.

          Mietpreise in deutschen Uni-Städten

          Solche Meldungen sind es, mit denen in der Immobilienbranche der Markt der Studentenappartements als die neue große Erfolgsgeschichte gefeiert wird. Zunehmend springen nun Kapitalanlagegesellschaften auf den fahrenden Zug auf, die für weitere Neubauten Anlegergeld einsammeln und geschlossene Fonds konstruieren wollen. So finanziert Kapitalpartner zum Beispiel Wohnanlagen in Bremen, Freiburg und Neu-Ulm. MPC will in Frankfurt, München, Karlsruhe und Greifswald Studentenwohnungen bauen lassen. Studentenbuden-Fonds seien das Investmentprodukt der Stunde, glauben diese Anbieter: So müsse man nicht gleich direkt ein Appartement kaufen, sondern könne sich schon ab 10.000 Euro an einem geschlossenen Fonds beteiligen. Der bewirtschafte die Wohnungen dann ganz professionell. Die Rendite für Investoren veranschlagen sie auf 6 Prozent und mehr im Jahr - vor Steuern.

          Fünfsterneappartements mit Sauna auf der Dachterrasse

          Der Hintergrund der vermeintlichen Erfolgsgeschichte: Bis 2015 wird sich wegen der doppelten Abiturjahrgänge und der wegfallenden Wehrpflicht die Zahl der Studenten deutlich erhöhen. Zudem dürfte Deutschland für ausländische Studenten attraktiver werden, weil die Studiengebühren hierzulande viel geringer sind als zum Beispiel in Großbritannien. Nicht mehr 2,4 Millionen Studierende - wie bisher - werden daher 2015 die Universitäten bevölkern, sondern 2,8 Millionen, schätzt das Deutsche Studentenwerk.

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