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Anlage : Mieten, kaufen oder sogar selbst bauen?

Bild: F.A.Z.-Andreas Weishaupt

Vor allem bei Frauen sind Immobilien als Finanzvorsorge fürs Alter beliebt. Ob sich eine Investition jedoch wirklich lohnt, und die eigene Wohnung oder das eigene Haus tatsächlich die beste aller Geldanlagen ist, hängt vom Einzelfall ab. Drei Beispiele.

          5 Min.

          Wenn es um die geeignete Alterssicherung geht, setzen Frauen auf Immobilien, zumindest den Umfragen nach. Zwar hat die Begeisterung für die eigenen vier Wände im Allgemeinen nachgelassen, seit es die Eigenheimzulage nicht mehr gibt. Jedoch halten immer noch 58 Prozent aller berufstätigen Frauen das eigene Haus oder die eigene Wohnung für die ideale Form der Alterssicherung, wie das Demoskopie-Institut Allensbach in einer Studie ermittelte. Im Anschluss an das Berufsleben mietfrei zu wohnen erscheint vielen als besonders notwendig. Schließlich müssen Frauen im Vergleich zu Männern im Schnitt mit geringeren Renten rechnen.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Noch freilich bilden Frauen auf dem Immobilienmarkt eine kleine Käuferschicht. Noch seltener treten sie als Bauherrinnen auf. Das könnte sich ändern. Schließlich steigt nicht nur die Zahl der Single-Haushalte, sondern auch die berufliche Qualifikation der Arbeitnehmerinnen und deren Einkommen. So wächst die Gruppe der potentiellen Immobilienerwerberinnen.

          Doch ist das Eigenheim mit Blick auf den Ruhestand tatsächlich die beste aller Geldanlagen? „Kommt ganz drauf an“, sagt Gabriele Radl von der Frauen-Finanzberatung Svea Kuschel und Kolleginnen. Schließlich steckt bei vielen Haushalten der Hauptteil des Vermögens in der Immobilie - und ist damit gebunden. „Klumpenrisiko“ nennt das die Fachwelt oder „alles auf eine Karte setzen“ der Volksmund. Ob sich eine Investition in Wohneigentum wirklich lohnt, ist immer eine Frage des Einzelfalls. Finanzexpertin Radl rät ihren Kundinnen grundsätzlich, auf unterschiedliche Anlageformen zu setzen.

          Mieterin mit Wohneigentum

          Wie Cecile Klaasen (Name geändert). Seit fast zwanzig Jahren wohnt die Belgierin im Umland von Frankfurt. Ursprünglich sei ihr Job befristet gewesen, erzählt sie. Maximal fünf Jahre sollte sie bleiben. „Da kam zunächst nur eine Mietwohnung in Frage“, sagt Klaasen. Inklusive Nebenkosten zahlt sie 700 Euro für ihre 83 Quadratmeter große Wohnung. „In Frankfurt wäre so eine Wohnung knapp 300 Euro teurer“, schätzt die Mieterin. Das gesparte Geld legt die Chemikerin in einem Fondssparplan an. Bei einem durchschnittlichen Anlagezins von 5 Prozent rechnet Klaasen damit, in 20 Jahren rund 110.000 Euro angespart zu haben.

          Ob sie denn nie davon geträumt hat, in eigenen vier Wänden zu leben? „Sicher, doch es war mir immer wichtig, flexibel zu sein. Ich weiß einfach nicht, wo ich später leben werde“, räumt die Belgierin ein. Sich eine eigene Wohnung zu kaufen sei ihr als zu große Bindung erschienen. Ein weiteres Hemmnis: die gute Nachbarschaft in dem Mehrfamilienhaus, in dem sie seit ihrer Ankunft im Rhein-Main-Gebiet lebt. „Ich bin alleinstehend, da sind gute Kontakte im Wohnumfeld sehr wichtig“, sagt die Mieterin. Eine eigene Wohnung hat Klaasen sich dennoch geleistet. Vor zehn Jahren erwarb sie eine Altbauwohnung in Berlin-Mitte - als Steuersparmodell, von dem die Naturwissenschaftlerin wegen ihres hohen Einkommens profitiert. „Außerdem hatte ich nach zehn Jahren auf eine Wertsteigerung der Wohnung von jährlich rund 1,5 Prozent gehofft“, erläutert Klaasen ihre Kaufentscheidung.

          Insgesamt 152.000 Euro hatte sie in die 63 Quadratmeter große Wohnung gesteckt, Abschreibungen und Darlehenszinsen sind steuerlich abzugsfähig. Derzeit liegt die Darlehensbelastung für die Eigentümerin bei 600 Euro im Monat. Ihre Verkaufsabsichten musste die Eigentümerin vorerst jedoch vertagen. Denn die erhoffte Wertsteigerung auf 163.000 Euro für die Wohnung ist ausgeblieben. Mit einem weiteren Problem war sie zudem konfrontiert: die ersten beiden Jahre nach dem Kauf musste die Wohnung saniert werden und stand daher leer. Dann folgten mehrere Mieter, von denen einer es mit der Zahlung des Mietzinses nicht so genau nahm. Ihn ist Klaasen mittlerweile los. „Es ist zum Glück nicht wirklich ein Schaden entstanden“, sagt sie. Aber sie wisse nun aus Erfahrung, wie abhängig man von regelmäßigen Mieteinnahmen sei. „Der Ertrag einer vermieteten Wohnung hängt vor allem vom Mieter ab“, urteilt Finanzexpertin Radl. Gibt es Mietausfälle und häufige Mieterwechsel, gerät das ganze Konzept ins Wanken. Aus Sicht der Beraterin sind vermietete Immobilien als Kapitalanlage nur als Teil eines größeren Vermögens sinnvoll. „Eine Immobilienquote von rund 30 Prozent des gesamten Vermögens ist vernünftig“, sagt Radl.

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