https://www.faz.net/-gz7-6uczz

China : Wohnen im Schatten der Großen Mauer

Exklusive Lage: Die historische Grenzbefestigung zieht Tausende Touristen an Bild: dpa

Am Fuße von Chinas bekanntestem Wahrzeichen verwandelt ein Amerikaner Bauernhäuser in schmucke Feriendomizile. Die Basis für den Erfolg bildet ein 400-Seelen-Dorf.

          5 Min.

          Viel exklusiver kann man in China nicht wohnen. Wenn James H. Spear, den alle nur Jim nennen, auf der Terrasse seines Backsteinhauses Kaffee trinkt, wachsen ihm die Birnen sprichwörtlich in den Mund. Ein Baum mit Esskastanien lehnt sich über die Mauer. Die runden Stachelhüllen sind aufgeplatzt, es ist Erntezeit. Das Spektakulärste aber ist der Blick auf das Umland. Auf dem Bergkamm im Norden des Anwesens thront die Große Mauer, Chinas bekanntestes Wahrzeichen. Um dorthin zu gelangen, muss Spear nur den Pfad hinter seinem Haus hinaufsteigen - an Maronenpflanzungen, Findlingen und spielenden Eichhörnchen vorbei.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          „Es ist ein Privileg, hier leben zu dürfen“, sagt der 56 Jahre alte Amerikaner, dessen kompakte graubärtige Gestalt ein wenig an Ernest Hemingway erinnert. Es ist aber eines, das er sich selbst erarbeitet hat. Mit Geld, guten Ideen, einer verlässlichen Mannschaft und viel Ausdauer hat Spear ein kleines Immobilienimperium geschaffen, das im chinesischen Fremdenverkehr seinesgleichen sucht. Am Fuße der Mauer verwandelte er mehr als 30 Bauernhäuser, eine alte Glasziegelfabrik und eine ausrangierte Dorfschule in erstklassige Wochenendunterkünfte und Restaurants. Der Amerikaner und die Bauherren haben dafür 15 Millionen Dollar investiert.

          Damals war der Preis überaus moderat

          Die Basis für den Erfolg bildet das Dorf Mutianyu im Landdistrikt Huairou, der wiederum noch zur nahe gelegenen Hauptstadt Peking gehört. Mutianyu zählt nur 400 Einwohner. Tagsüber tummeln sich aber in dem Ort Tausende Touristen. Glücklicherweise erklimmen fast alle die Große Mauer über ausgebaute Wege, per Seilbahn oder Sessellift. Viele verlassen sie später über eine Sommerrodelbahn. Dadurch bleiben die malerischen Waldpfade und die schwerer zugänglichen Abschnitte des Bauwerks weitgehend unberührt.

          Erfolgreich: Jim Spear fühlt sich in Mutianyu ausgesprochen wohl
          Erfolgreich: Jim Spear fühlt sich in Mutianyu ausgesprochen wohl : Bild: Christian Geinitz

          Spear, Sohn eines Offiziers aus Iowa, verdient schon seit 26 Jahren in und mit China Geld. Die Sprache lernte er bei der Auslandsaufklärung der Army, das Geschäft als Projektingenieur und Investmentberater in China. Zur Immobilienwirtschaft kam Spear aus Leidenschaft - und doch zufällig. Ursprünglich lebte er in einem traditionellen Hofhaus in einer von Pekings engen Wohngassen, den Hutongs. In dem maroden Gebäude konnte er sich als Architekt, Innenausstatter und Handwerker ausprobieren. Bei einem Spaziergang auf der Großen Mauer lernte er dann einen Andenkenverkäufer aus Mutianyu kennen, der ihm das Dorf und die einfachen, einstöckigen Bauernhäuser auf den Hängen zeigte. „Ich war sofort fasziniert von der Idee, mir ein Wochenendhaus einzurichten“, erinnert sich der Unternehmer. Sein neuer Bekannter fädelte den Kauf ein.

          Der Preis war damals - vor 16 Jahren - überaus moderat. Für die achtjährige Nutzung des ursprünglich 75 Quadratmeter großen Hauses zahlte Spear 10000 Yuan, nach heutigem Kurs nicht einmal 1200 Euro. Anschließend musste er für einen 30-Jahres-Vertrag schon 150.000 Yuan aufbringen, also 5000 Yuan im Jahr, statt zuvor 1250 Yuan. Besonders stark ist der Wert der Berghäuser in den vergangenen fünf Jahren gestiegen. Heute müsste Spear für die Anlage mindestens 23000 Yuan im Jahr bezahlen.

          Weitere Themen

          Mainzer Goldgrube im Kampf gegen die Pandemie Video-Seite öffnen

          Globaler Hoffnungsträger : Mainzer Goldgrube im Kampf gegen die Pandemie

          Voriges Jahr war die Mainzer Biotechnologiefirma Biontech noch weithin unbekannt, nun hat sie sich zum globalen Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie gemausert. Zusammen mit dem amerikanischen Pharmariesen Pfizer entwickelte Biontech einen nach eigenen Angaben zu mehr als 90 Prozent wirksamen Impfstoff gegen das Virus.

          Der Impfstoff ist Macht

          FAZ Plus Artikel: Diplomatie mit allen Mitteln : Der Impfstoff ist Macht

          Überall entwickeln Forscher gerade Corona-Impfstoffe, sie werden auf der ganzen Welt gebraucht. Zwar geben sich Regierungen gerne generös. Doch in der Praxis verbinden viele die Verteilung des Vakzins mit politischen Interessen.

          Topmeldungen

          Frankreichs Premierminister Jean Castex in Paris

          Corona-Pandemie : So sieht Frankreichs Impfstrategie aus

          Frankreich hat sich nach eigenen Angaben mehr Impfdosen gesichert, als es Einwohner hat. Schon bald soll eine große Impfkampagne starten. Bloß: 59 Prozent der Franzosen wollen sich gar nicht gegen Covid-19 impfen lassen.

          EU-Aufbaufonds : Ungarn und Polen drohen leer auszugehen

          Die EU-Kommission bereitet nach F.A.Z.-Informationen in Absprache mit den anderen Ländern vor, den Aufbaufonds ohne Polen und Ungarn in Kraft zu setzen. Sie hat mehrere Möglichkeiten.
          Stefan Löfven, Ministerpräsident von Schweden, auf einer Pressekonferenz in Stockholm am 31. März

          Schwarze-Peter-Spiel : Wer ist schuld an den vielen toten Schweden?

          Die zweite Corona-Welle trifft Schweden mit voller Wucht. Auf der Suche nach den Verantwortlichen geraten die Regionen ebenso in den Fokus wie die Gesundheitsbehörde und die Regierung in Stockholm.
          In gefährlicher Mission: Ein Fahrzeug der OSZE-Beobachter 2016 an einem Kontrollpunkt an der Frontlinie in der Ost-Ukraine

          OSZE mit neuer Spitze : Ende des Führungsvakuums

          Die größte regionale Sicherheitsorganisation der Welt hat nach Monaten der Blockade ihr Spitzenpersonal gefunden. Generalsekretärin der OSZE wird eine Deutsche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.