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Anders Wohnen (18) : Zuhause unterm Kirchendach

Den alten Kollektekasten haben Kreyers aufgebhoben. Bild: Daniel Pilar

Im westfälischen Ort Benteler stand einst die evangelische Versöhnungskirche. Die Gemeinde hat sie aufgegeben. Nun haben sich Silvana und Hans- Joachim Kreyer den Sakralbau zum Wohnhaus umgebaut.

          Wie eine kleine Festung liegt die evangelische Versöhnungskirche im münsterländischen Benteler inmitten geklinkerter Einfamilienhäuser. Aus dem grauen, zur Straße hin fensterlosen Beton bricht in der Mitte ein scharfer Zacken gen Himmel. Gleich daneben steht der Campanile, der Glockenturm mit dem großen Kreuz. Nur auf den ersten Blick ist der moderne Kirchenbau noch ein Gotteshaus. Vor gut zwei Monaten sind dort Silvana und Hans-Joachim Kreyer eingezogen. Die einstige Kirche ist nun ihr Zuhause.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Innern sieht der frühere Sakralbau auf den ersten Blick so aus, als könnte er nie etwas anderes gewesen sein als das Wohnhaus der Kreyers: Im Kamin flackert das Feuer, Blumen stehen auf den Tischen, im ganzen Haus hängen Bilder, selbst im Bad. Kleine Skulpturen zieren Fenstersimse, und die Katze des Ehepaars hat ihre Lieblingsplätze längst erkoren. An jener Stelle, die von außen als spitzer Zacken erscheint, ist im Inneren die Decke an die fünf Meter hoch. Wo früher der Standort des Altars war, steht heute Silvana Kreyers Schreibtisch. Über ihm hängt ein riesiger, goldfarbener Leuchter, den die Kreyers schon seit Jahren besitzen. „Eine bessere Stelle hätten wir für ihn eigentlich nicht finden können“, ist sich das Ehepaar einig.

          Die Bewohner haben den Raum neu gegliedert

          Auch die Bibliothek ist einsortiert. Das Regalstecksystem hat der Möbeldesigner Hanjo Kreyer für sein neues Haus entworfen. Es schmiegt sich passgenau an die gesamte Wand eines kleinen Zimmers, das sich wie eine Box in den großen Wohnraum schiebt. Nur die Tür ist ausgespart. „Das hatte sich mein Sohn so gewünscht: eine Tür, die durch die Bücherwand führt“, erzählt Kreyer. Er habe den Wunsch gerne erfüllt, obwohl die beiden Söhne - junge Erwachsene - nicht mehr im Elternhaus leben.

          Der Waschbetonboden verleiht dem Haus eine eigene Note

          Die Lösung mit der Zimmer-Box haben die Eigentümer gewählt, um den insgesamt 220 Quadratmeter großen Raum nach ihren Bedürfnissen aufzuteilen. Ursprünglich bestand das Kircheninnere aus dem Altarraum mit Sakristei, der bei Bedarf durch das Öffnen einer Falttür um den dahinterliegenden Gemeindesaal erweitert werden konnte. Beide Räume betraten Besucher über ein Foyer.

          Im Zuge des Umbaus haben die Kreyers unter anderem den Flur verkleinert, ein Gäste-WC abgeteilt und sich ein Badezimmer gebaut. Um im zuvor offenen Altarraum Rückzugsmöglichkeiten zu finden, ließen sie in Ständerbauweise zwei Boxen bauen, in denen sie drei Schlafzimmer eingerichtet haben. Zwei dieser Räume liegen zur ursprünglich fensterlosen Seite hin. Daher entschieden sich die Bauherren, an einer Stelle der Betonwand einen Fensterschlitz zu schneiden. Das ist eine relativ aufwendige und teure Angelegenheit, die leicht eine fünfstellige Summe kostet.

          Licht- und Blickachsen faszinieren

          Das andere Zimmer ist ein komplett innenliegender Raum. Er wird durch die gewölbten Oberlichter, belichtet, aber auch durch ein schmales Fensterband, das am oberen Ende der Innenwand eingefügt ist. Auf diese Weise kann man vom Schlafzimmer aus zugleich durch die hohen, schmalen Kirchenfenster des Wohn- und Arbeitszimmers blicken.

          Es sind diese Licht- und Blickachsen, die die Kreyers besonders an ihrem neuen Heim faszinieren. Die Lichtverhältnisse waren das eine Kriterium für die Gestaltung des Grundrisses. Kreyers haben aber auch die Dienste eines Rutengängers in Anspruch genommen. „Wir wollten wissen, wo Wasseradern laufen oder Erdstrahlen sind, damit wir dort keine Plätze schaffen, an denen wir länger verweilen“, sagen sie.

          Vor allem durch die eingeschobenen Zimmer verfügt das Haus über eine interessante Aufteilung. Und auch das eine oder andere Detail wie Anordnung und Maß der Fenster oder der Waschbetonfußboden ist ungewöhnlich. Die neuen Hausherren haben daran nur wenig geändert und den ursprünglichen Bodenbelag auf einem Großteil der Grundfläche behalten. Er verleiht dem Flur, der offenen Küche sowie dem großen Wohn- und Arbeitszimmer eine eigenwillige, aber durchaus schöne Note und wirkt auf überraschende Weise wohnlich. Im Bad allerdings haben die Bewohner ihn durch dunklen Schiefer ersetzt und in den Schlafzimmern durch einen Holzboden. „Das finde ich für diese Räume dann doch etwas gemütlicher“, räumt Silvana Kreyer ein.

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