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Emissionen der Luftfahrt : „Überfällig, dass die Luftfahrt sich bewegt“

Himmelszeichen: Die Luftfahrtbranche reagiert auf den wachsenden Druck. Bild: dpa

Die Luftfahrtbranche will ihre Kritiker besänftigen und schlägt Maßnahmen zur CO2-Reduktion vor. Möglicherweise ist ihr das gelungen. Selbst Umweltverbände kommentieren die Erklärung wohlwollend.

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          Die deutsche Luftfahrtbranche bekommt für ihr Klima-Paket Zuspruch aus der hiesigen Wirtschaft und selbst Umweltverbände kommentieren es wohlwollend. Es sei „zu begrüßen, dass auch der Luftverkehr seine Emissionen auf null senken möchte“, sagte Arne Fellermann vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tobias Schrörs

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Schließlich müsse der Verkehrssektor in Deutschland  bis 2035 klimaneutral werden, um die Pariser Klimaziele für die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad einzuhalten. „Allerdings müssen für die Herstellung von synthetischem Kerosin klare Nachhaltigkeitsanforderungen gelten, andernfalls können die Auswirkungen auf das Klima potentiell sogar negativ sein, statt Emissionen einzusparen“, sagte Fellermann.

          Der Bundesverband der deutschen Luftverkerkehrswirtschaft (BDL) hatte am Freitag einen Maßnahmenplan für klimaneutrales Fliegen veröffentlicht, über den diese Zeitung vorab berichtet hatte. Der Verband fordert die Weiterentwicklung der Kraftstoffe, um von fossiles auf alternatives synthetisches Kerosin umsteigen zu können. Die Unternehmen wollen zudem verstärkt Verkehr aus der Luft auf die Schiene verlagern, energiesparende Flugzeuge einsetzen und Fluggästen schon bei der Buchung Angebote zur CO2-Kompensation machen.

          Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) sprach sich für eine – auch staatliche – Förderung von Alternativen zu herkömmlichen Kraftstoffen aus statt bloß durch Steuern Ticketpreise zu erhöhen. „Wichtig ist, CO2-Preisimpulse nicht nur für Nachfrager zu setzen, sondern auch Anreize für Anbieter“, sagte der stellvertretende BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch. „Erhebliche Effekte haben Anreizsysteme zur Beimischung CO2-neutraler Kraftstoffe, die für den Klimaschutz im Verkehr von zentraler Bedeutung sind“, sagte Lösch.

          Fellermann vom BUND erinnerte daran, dass die reale Klimawirkung des Flugverkehrs durch andere, sogenannte Nicht-CO2-Faktoren wie beispielsweise Stickoxide und Wasserdampf, mindestens doppelt so hoch sei. Die Branche wachse international sehr stark, sodass der Anteil des Flugverkehrs an den klimaschädlichen Emissionen weiterhin zunehmen werden, sagte der Verkehrsexperte. Alleine in Deutschland verbrauche der Flugverkehr 15,4 Prozent der im Verkehr verwendeten Energie.

          Daniel Rieger vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) sagte, es sei „erfreulich, dass es ein Einlenken gibt, andererseits ist es überfällig, dass die Luftfahrt sich bewegt.“ Synthetische Kraftstoffe seien eine geeignete technische Möglichkeit zur CO2-Reduktion. Allerdings sei es „heuchlerisch“, wenn die Unternehmen diesen nicht auch jetzt schon trotz hoher Preise nutzten.

          Zurückhaltend äußerte sich auch der Grünen-Tourismuspolitiker Markus Tressel: „Das Umdenken in der Luftverkehrsbranche ist erfreulich, jetzt kommt es auf die Umsetzung an. Den Umstieg der Branche auf synthetisches Kerosin unterstützen wir, dafür braucht es allerdings einen konkreten Zeitplan und CO2-Reduktionsziele.“

          Unabhängig vom BDL-Papier hatte sich im „Handelsblatt“ der Chef-Klimatologe des Rückversicherers Munich Re, Ernst Rauch für das Fördern neuer Technologien zur Verringerung des Schadstoffausstoßes ausgesprochen. „Das bringt viel mehr, als sich für Flugreisen zu schämen.“

          In ihrer Erklärung hatte die Luftverkehrsbranche zudem vorgeschlagen, die seit dem Jahr 2011 erhobene deutsche Luftverkehrssteuer zu einem klimapolitischen Instrument zu machen. Bislang hatte sie die Aufschläge auf Tickets, die sich im vorigen Jahr auf 1,2 Milliarden Euro summierten, als Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil der deutschen Luftfahrt kritisiert. „Wir schlagen vor, dass die Bundesregierung die Einnahmen aus der Luftverkehrssteuer zugunsten der Markteinführung regenerativer Kraftstoffe verwendet“, heißt es in der Erklärung. Bislang fließt das Geld ohne Zweckbindung in die Staatskasse. Frankreich hatte jüngst eine Abgabe mit festem Verwendungszweck auf den Weg gebracht.

          BUND und NABU sprachen sich jeweils dagegen aus, die bestehende Luftverkehrsabgabe in ein klimapolitisches Instrument umzuwandeln. Laut BUND sollte die Abgabe um eine Klimakomponente erweitert werden, die die Klimaschädlichkeit abbilde. Die Abgabe müsse insbesondere für verlagerbare Kurzstrecken- und Inlandsflüge verhältnismäßig höher liegen. „Die Deckelung der Luftverkehrsabgabe auf rund eine Milliarde Euro gehört abgeschafft“, sagte Fellermann. Die Einnahmen könnten zielgerichtet für klimafreundlichen Verkehr eingesetzt werden, ganz besonders auch für die Finanzierung klimafreundlicherer Alternativen, wie beispielsweise der Bahn.

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