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Tarifrunde geplatzt : Bahnstreik wohl schon am Montag

  • Aktualisiert am

Mit einem Signalflügel, Plakaten und Trompeten unterstützen Eisenbahnerinnen und Eisenbahner der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Verhandlungsdelegation zu Beginn der Gespräche zwischen EVG und der Deutschen Bahn am Verhandlungsort. Bild: dpa

Bahnfahrer müssen sich zum Beginn der neuen Woche auf Warnstreiks mit Zugausfällen und Verspätungen einstellen. Denn die Tarifverhandlungen bei der Bahn sind gescheitert.

          Kunden der Deutschen Bahn müssen sich wohl schon in der kommenden Woche auf Streiks und damit auf Verspätungen und Zugausfälle einstellen. Schon am Montagmorgen sollen Beschäftigte vor allem in Stellwerken und Werkstätten bundesweit ihre Arbeit niederlegen. Die Aktion könnte demnach bis zum Mittag anhalten.

          Das war aus Kreisen der Gewerkschaft EVG zu hören, die die Tarifgespräche für die rund 160.000 Beschäftigten der Deutschen Bahn am Samstag abbrach. Deren Geschäftsführer Torsten Westphal sagte ebenfalls, Reisende müssten schon zum Wochenstart mit erheblichen Einschränkungen rechnen.

          "Wir kehren an den Verhandlungstisch zurück, wenn die Bahn deutlich macht, ernsthaft mit uns verhandeln zu wollen. Die jetzt angekündigten Warnstreiks werden aber nicht mehr zu verhindern sein, unsere Mitglieder sind hochmotiviert", fügte der Gewerkschafter hinzu.

          In den schwierigen Gesprächen hatten die Beteiligten am Samstag noch einen neuen Einigungsversuch unternommen. Die ganze Nacht hindurch hatten Unternehmen und Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sowie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) verhandelt.

          Doch der erhoffte Durchbruch gelang nicht, so beide Gewerkschaften. Wie die EVG am Samstag mitteilte, wurden die Gespräche ergebnislos abgebrochen. „Warnstreiks werden nun unweigerlich die Folge sein“, hieß es.

          „Wir kehren an den Verhandlungstisch zurück, wenn die Bahn deutlich macht, ernsthaft mit uns verhandeln zu wollen. Die jetzt angekündigten Warnstreiks werden aber nicht mehr zu verhindern sein, unsere Mitglieder sind hochmotiviert", fügte der Gewerkschafter hinzu.

          „Völlig überflüssige Eskalation“

          „Der Arbeitgeber hat uns nur Angebote vorgelegt, die nicht den Forderungen unserer Mitglieder entsprachen“, sagte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. „Am Ende fehlte aus unserer Sicht ein Prozent mehr angesichts der vom Arbeitgeber
          angebotenen längeren Laufzeit“. Die Bahn soll zwei Erhöhungsstufen angeboten haben - einmal 2,5 Prozent und einmal 2,6 Prozent sowie eine Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro bei einer Vertragslaufzeit von 29 Monaten. Bei einer längeren Laufzeit hätte bei der ersten Erhöhungsstufe eine 3 vor dem Komma stehen sollen, machte Rusch-Ziemba deutlich.

          „Die Laufzeit ist zu lang, die Prozente sind daran gemessen zu niedrig“, sagte Rusch-Ziemba. Sowohl EVG als auch GDL hatten 7,5 Prozent mehr Geld gefordert.

          Die Bahn sprach von einer völlig überflüssigen Eskalation. Man habe ein Paket im Volumen von insgesamt sieben Prozent in Aussicht gestellt. „Bei diesem Angebot den Verhandlungstisch zu verlassen, ist nicht  nachvollziehbar und verunsichert völlig unnötig unsere Kunden mitten in der Weihnachtszeit", sagte Personalvorstand Martin Seiler. Aufgrund von Personalmangel, fehlenden Zügen sowie Engpässen im Netz haben sich Verspätungen bei Fernzügen zuletzt ohnehin schon gehäuft. Fast ein Drittel aller ICE und IC waren verspätet.

          Die Verhandlungen in Hannover laufen seit Donnerstag – sie werden parallel in zwei Hotels geführt, die rund einen Kilometer voneinander entfernt sind. Mit der EVG ist es die vierte, mit der GDL die fünfte Runde in dieser Tarifauseinandersetzung.

          Die EVG hatte im Vorfeld mit einem Abbruch der Gespräche und „weiterreichenden Aktionen“ gedroht, falls keine Einigung gelingen sollte. Sie vertritt etwa 160.000 Beschäftigte der Deutschen Bahn im Inland. Die kleinere GDL verhandelt für einen Teil davon – rund 36.000 Beschäftigte des Zugpersonals, darunter vor allem Lokführer, Zugbegleiter und Bordgastronomen. Mit der GDL vertagte sich die Bahn auf den kommenden Dienstag in Eisenach. Hier sei man kurz vor dem Ziel, betonte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler.

          Als schwieriger Punkt gilt auch das von der EVG verlangte Wahlmodell für die nächste Lohnerhöhung: Die Arbeitnehmer sollen demnach statt des Geldes auch mehr Urlaub oder eine kürzere Arbeitszeit wählen können. Eine solche Regelung gibt es bereits seit Anfang 2018 für die jüngste Lohnerhöhung. Mit einer Ausweitung des Wahlrechts hätte die Bahn Probleme, weil dies den Personalmangel verschärfen würde.

          Vor den Verhandlungen über die Kernforderungen wie Lohnerhöhung, Wahlmodell und Anhebung der betrieblichen Altersvorsorge hatten sich Bahn und EVG in der vorherigen Runde schon auf Mietzuschüsse für Auszubildende, eine Vergütung von Reisezeiten zum Arbeitsplatz, die Verlängerung der Altersteilzeit und beim Komplex Digitalisierung der Arbeitswelt verständigt. Mit der GDL kam eine Teileinigung über die Ruhepausen und Verbesserungen bei den Schichtplänen des Zugpersonals zustande.

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