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Deutschland steigt um : Chipmangel bremst Kauflaune bei Elektroautos

Die Deutschen steigen dank größerem Angebot und staatlichen Prämien immer mehr auf Elektro- oder Hybridautos um. Bild: dpa

In Deutschland ist jedes vierte neue Auto elektrisch oder hybrid. Das liegt auch an staatlichen Förderungen. Aber Materialengpässe verlängern die Lieferfristen.

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          Das größere Angebot an Elektro- und Hybridautos bei vielen Herstellern, aber auch die staatliche Förderung führen nun zu kräftigen Steigerungen der Zulassungszahlen von Autos mit solchen Antriebsformen in Deutschland. Wie das Kraftfahrtbundesamt berichtet, hatten von den zwischen Januar und August 2021 neu zugelassenen Autos 11 Prozent einen rein elektrischen Antrieb, gegenüber nur 4 Prozent im gleichen Zeitraum 2020. In absoluten Zahlen wuchsen die Neuzulassungen für Elektroautos von 77.000 auf 203.000.

          Tobias Piller
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Noch größer war der Gesamtanteil von Elektro- und Hybridautos an den Neuzulassungen. Deren Zulassungsanteil betrug von Januar bis August 2021 rund 23 Prozent, gegenüber 9 Prozent im Vorjahr. Insgesamt wurden mehr als 421.000 Neuwagen mit Hybrid- oder Elektroantrieb zugelassen, gegenüber 163.000 für den Zeitraum von Januar bis August 2020. Sowohl in der Kategorie der Elek­troautos als auch bei Hybrid- und Elek­troautos ergab sich gegenüber 2020 ein Zuwachs von rund 160 Prozent.

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          Volkswagen führt beide Male die Tabelle der Hersteller mit den meisten Zulassungen an. Bei den Autos mit reinem Elektroantrieb findet sich der amerikanische Elektroautopionier Tesla mit 18.000 Zulassungen auf dem zweiten Platz. Die deutschen Hersteller BMW, Audi, Mercedes, die erst vor Kurzem ihre Modellpalette an Elektroautos deutlich erweitert haben, haben seit dem Jahresanfang noch keine signifikanten Verkaufszahlen für Elektroautos vorzuweisen.

          Chipmangel führt zu Verzögerungen

          Volkswagen profitierte davon, dass das erste Modell auf der Elektro-Plattform des Konzerns, der ID3, schon von November 2019 an verkauft wurde, zwei weitere Modelle auf der gleichen Plattform, der Volkswagen ID4 und der Škoda Enyaq seit dem Sommer 2020. Der deutsche Hersteller Opel erreichte Platz sechs auf der Rangliste der wichtigsten Hersteller von Elektroautos, weil zwei seiner Modelle auf Plattformen des ehemaligen PSA-(Peugeot)-Konzerns stehen, die auch einen reinen Elektroantrieb ermöglichen. Die deutschen Hersteller haben rund um die Auto- und Mobilitätsmesse IAA in München eine Reihe neuer Modelle vorgestellt, die sich aber noch nicht in der Zulassungsstatistik finden. Verlangsamt wird der Aufschwung für die Elektroautos inzwischen durch den Chipmangel bei den Autoherstellern, der gerade auch bei Elektroautos die Lieferfristen auf bis zu ein Jahr verlängert.

          Elektro- und Hybridfahrzeuge werden immer beliebter. Inzwischen gehört jedes vierte neue Auto in eine dieser Kategorien.
          Elektro- und Hybridfahrzeuge werden immer beliebter. Inzwischen gehört jedes vierte neue Auto in eine dieser Kategorien. : Bild: Kraftfahrtbundesamt/F.A.Z.-Grafik Piller/Brocker

          Deutlich mehr Bedeutung haben die deutschen Hersteller auf dem Markt für Hybridautos, weil viele traditionelle Modelle inzwischen auch mit Hybridantrieb angeboten werden. Das Kraftfahrtbundesamt hat auch noch den Gesamtanteil alternativer Antriebe, einschließlich Gas- und Wasserstoffantrieb, an den Zulassungen errechnet. Er betrug für die ersten acht Monate 2021 fast 40 Prozent, das entspricht 726.645 Autos. Dabei ergibt sich, dass 70 Prozent aller Neuzulassungen von Audi, 55 Prozent der BMW-Neuzulassungen und 41 Prozent der neu zugelassenen Mercedes mit alternativen Antrieben ausgestattet waren.

          Zur Attraktivität von Elektroantrieb und Plug-in-Hybrid haben nicht nur die Kaufprämien beigetragen, die bis zu 6000 Euro für reinen Elektroantrieb und 4500 Euro für Plug-in-Hybride mit Batterie, Elektro- und Verbrennermotor bieten. Wichtig ist auch eine Änderung für die Versteuerung von Dienstwagen. Dort ist üblicherweise als geldwerter Vorteil jeden Monat ein Prozent des Kaufpreises zu versteuern, zudem auch noch eine Pauschale für die Entfernung zwischen Privatwohnung und Arbeitsstätte. Für Plug-in-Hybride wird diese Steuerlast halbiert, für reine Elektroautos ist nur ein Viertel des bei Verbrennern üblichen Satzes zu versteuern. Allerdings gibt es Fahrer von Plug-in-Dienstwagen, die den Steuervorteil nutzen, ihr Auto aber nie laden.

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