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Offener Brief : Hunderte Wissenschaftler pochen auf Umweltschutz in Brasilien

Ein Ureinwohner schießt ein Bild mit einem Handy auf einer Sondersitzung im Senat zu Ehren indigener Gemeinschaften. Bild: dpa

Die Kritik an den Handelsgesprächen der EU mit den Mercosur-Staaten wird lauter. Jetzt erhalten Umweltschützer in ihrem Kampf für Regenwald und Ureinwohner Unterstützung aus der Forschung.

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          Die EU treibt ihre bilateralen Handelsgespräche voran – auch in Reaktion auf die Handelspolitik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Unter den wichtigsten Projekten sind die Gespräche mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Umweltschützer und Grüne warnen seit langem, dass dabei der Schutz von Regenwald und Savannen sowie der Menschenrechte zu kurz kommt.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Nun erhalten sie Unterstützung von einer Gruppe von 600 Wissenschaftlern aus der EU sowie Vertretern der brasilianischen Ureinwohner. „Brasiliens Wälder, Feuchtgebiete und Savannen sind entscheidend für die große Vielfalt der indigenen Völker, die Stabilität des globalen Klimas und die Erhaltung der Biodiversität“, heißt es in einem in der Fachzeitschrift „Science“ abgedruckten offenen Brief. „Wir rufen die EU dazu auf, ihre Chance zu nutzen, um die Wahrung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt sicherzustellen.“

          Die Kritik richtet sich allen voran gegen den rechtspopulistischen Präsidenten Brasiliens, Jair Bolsonaro, der den Schutz des Amazonasgebiets zurückfahren und den Regenwald stärker wirtschaftlich nutzen will. Durch den Import landwirtschaftlicher Produkte sei die EU mitverantwortlich für die großflächige Abholzung in Brasilien, hieß es in einer Erklärung der Unterzeichner des Briefs. „Wir wollen, dass die EU aufhört, Abholzung zu importieren und stattdessen ein Vorbild für nachhaltigen Handel wird“, sagte die Geographin Laura Kehoe von der Universität Oxford. Der Berliner Geographieprofessor Tobias Kümmerle forderte die EU auf, bei der Einfuhr von Agrarprodukten höhere Standards für Umwelt und Menschenrechte anzulegen.

          „Wir rufen die Konsumenten dazu auf, landwirtschaftliche Produkte aus Brasilien zu boykottieren, bis sich die brasilianische Regierung des Schutzes des indigenen Landes annimmt“, sagte die Koordinatorin der indigenen Dachorganisation APIB, Sônia Guajajara. Die EU will die Gespräche mit den Mercosur-Staaten bis Ende des Jahres abschließen. Momentan gibt es aber wenig Bewegung, weil sich Brasilien gegen eine stärkere Öffnung seines Marktes vor allem für Autos sperrt. Die EU hat im Gegenzug eine starke Ausweitung der Einfuhr von Rindfleisch angeboten.

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