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Wirtschaftswissenschaften : Nobelpreisträger Tobin gestorben

  • -Aktualisiert am

James Tobin (1918-2002) Bild: dpa

Der amerikanische Ökonom James Tobin ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Die nach ihm benannte Idee einer Spekulationssteuer lebt weiter.

          2 Min.

          Der amerikanische Nobelpreisträger und Wirtschaftsprofessor James Tobin ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Tobin, der schon Präsident John F. Kennedy als Wirtschaftsberater zur Seite stand, sei bereits am Montag eines natürlichen Todes gestorben, teilte seine Alma mater, die Yale Universität, mit.

          Tobin wurde international bekannt durch seinen Vorschlag einer Steuer auf Devisentransaktionen, um spekulative Geschäfte zu unterbinden. Die Abgabe sollte „Sand ins Getriebe der Finanzmärkte“ streuen. Die so genannte Tobin-Steuer wurde jedoch nie eingeführt.

          Wiedergeburt einer Idee

          Die Idee einer Abgabe auf Devisentransaktionen erfreute sich allerdings in den vergangenen Jahren einer Renaissance, nachdem sie von verschiedenen globalisierungskritischen Gruppen als Mittel zur Eindämmung der weltweiten Spekulationen aufgegriffen wurde. Bekannteste Gruppierung ist die französische Attac, deren Namen sich direkt von der Spekulationssteuer ableitet („Association pour une taxation des transactions financières pour l´aide aux citoyens“).

          Ähnlich wie Attac sehen viele Nichtregierungsorganisationen in einer derartigen Abgabe nicht nur eine Möglichkeit zur Eindämmung der globalen Finanzspekulation, sondern auch ein Mittel zur Finanzierung von Entwicklung. Entsprechend fordern zahlreiche Gruppen eine Diskussion um die Einführung der Tobin-Steuer auf der Internationalen Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung, die am kommenden Montag in Monterrey, Mexiko, beginnt.

          Der Vorschlag wurde zuletzt auch von politischer Seite aufgegriffen: Der französische Premier Lionel Jospin liebäugelte öffentlich mit der Einführung einer Tobin-Steuer und schielte dabei im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im April nicht zuletzt auf die Linke. Die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul ließ erst kürzlich in ihrem Ministerium ein Gutachten erstellen, dass eine Tobin-Steuer als machbar bezeichnete. Auch die EU-Kommission lässt in eine Studie Vor- und Nachteile der Abgabe prüfen.

          Einflussreicher Theoretiker

          Konsensfähig ist die Tobin-Steuer allerdings kaum. Denn sowohl innerhalb der Wissenschaft als auch im Bundesfinanzministerium und erst recht von der Finanzwirtschaft wird eine Spekulationssteuer als nicht durchführbar abgelehnt. Der amerikanische Nobelpreisträger Robert Mundell tut sie gar als „idiotische Idee“ ab.

          Ihr Urheber war übrigens von der späten Wiedergeburt seiner 1972 veröffentlichten Idee überrascht. In einem seiner letzten Interviews distanzierte sich Tobin von jenen Gruppierungen, die sich auf seinen Namen beriefen. Seine Devisentransaktionssteuer sei nicht gedacht, als ein Instrument zur Finanzierung von Entwicklung, sondern solle in erster Linie den Notenbanken kleiner Länder bei der Kontrolle über ihre eigenen Währungen helfen.

          Den Nobelpreis erhielt Tobin jedoch 1981 für seine Arbeiten über die gegenseitige Abhängigkeit von Finanzmärkten und Entscheidungen über Ausgaben, Beschäftigung, Produktion und Preise. Das Nobelpreiskomitee lobte auch seine Portfolio-Theorie. Er selber fasste die Gedanken der Theorie einmal bildlich als „lege nie alle Eier in einen Korb“ zusammen. Seine Bedeutung für das ökonomische Denken ist groß. „Tobin war einer jener Theoretiker, dessen Einfluss so weit reichend ist, dass selbst Leute die ihn gar nicht kennen, zu seinen Anhängern zählen“, schreibt der Ökonom Paul Krugman in der „New York Times“.

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