https://www.faz.net/-gqe-49zg

Wirtschaftswissenschaft : Institut für Weltwirtschaft erhält erneut einen Korb

  • Aktualisiert am

Michael C. Burda Bild: Humboldt-Universität

Der Bonner Ökonom Jürgen von Hagen hat es abgelehnt, die Nachfolge von Horst Siebert als Präsident des Instituts für Weltwirtschaft anzutreten. Nach der neuerlichen Absage verbleibt Michael Burda von der Berliner Humboldt-Universität als letzter Kandidat.

          2 Min.

          Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat bei seiner Suche nach einem neuen Präsidenten einen weiteren Rückschlag erlitten. Wie die Universität Bonn am Montag bestätigte, hat nun auch der Bonner Ökonom Jürgen von Hagen es abgelehnt, die Nachfolge von Horst Siebert als Präsidenten des IfW anzutreten.

          Im Dezember hatte bereits Martin Hellwig von der Universität Mannheim abgesagt, weil die Landesregierung Schleswig-Holstein nicht bereit war, seine Forderungen nach einer besseren Ausstattung des Instituts zu erfüllen. Siebert war von April 1989 bis zum 31. März dieses Jahres Präsident des IfW; seit Anfang April führt sein Stellvertreter Rolf Langhammer die Geschäfte.

          Über die Gründe für von Hagens Absage konnte bislang nur spekuliert werden. Von Hagen selbst war am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen, und auch das IfW wollte sich nicht äußern, weil seine Absage noch nicht in Kiel eingegangen sei. An der Universität Bonn hieß es, es sei eine Entscheidung für die Forschung gewesen.

          Burda als letzter Kandidat auf der Wunschliste

          In Bonn habe man ihm die Möglichkeit geboten, an die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät zu wechseln. Dort könnte er in einigen Jahren die Nachfolge von Manfred J.M. Neumann antreten, dessen Schüler er ist. Von Hagen hat derzeit noch keinen eigenen Lehrstuhl inne. Er leitet den Fachbereich "Wirtschaftliche und soziale Fragen" am Bonner Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI).

          Nach der neuerlichen Absage verbleibt mit Michael Burda von der Berliner Humboldt-Universität jetzt nur noch ein Kandidat auf der Wunschliste des Kieler Forschungsinstituts. Unter Wirtschaftswissenschaftlern wird indes schon daran gezweifelt, daß er zum Wechsel an das IfW bereit ist. Denn der amerikanische Ökonom hatte erst im Januar abgelehnt, als Nachfolger von Horst Siebert in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung aufgenommen zu werden. Diese Entscheidung habe gezeigt, daß auch ihm die Forschung wichtiger sei als das politische Gewicht eines Amtes, heißt es. Der Versuch des IfW, einen Forscher von erstklassiger internationaler Reputation nach Kiel zu holen, droht damit zu scheitern.

          Präsidentenposten angeboten „wie sauer Bier“

          Der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, Wolfgang Franz, bedauerte die Schwierigkeiten des Konkurrenzinstituts. "Das IfW ist eines der renommiertesten Institute in Deutschland. Es hat es nicht verdient, daß der Präsidentenposten jetzt wie sauer Bier angeboten wird", sagte Franz. Die Landesregierungen müßten sich offenbar Gedanken darüber machen, wie solche Positionen attraktiver gemacht werden könnten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Lächeln wird ihm vergehen: Jungen Leuten wollte der türkische Staatspräsident auf Youtube etwas sagen. Als sie antworteten, machte er den Laden dicht.

          Brief aus Istanbul : Erdogan muss die Jugend fürchten

          Der türkische Präsident hat ein Problem: Junge Wähler lehnen ihn ab. Er buhlt um ihre Gunst, auch im Internet. Doch da hat er gerade eine große Pleite erlebt.
          Durch ein anderes Delikt in den Fokus geraten: Der Mörder von Johanna Bohnacker konnte 18 Jahre nach der Straftat gefasst werden.

          „Cold Cases“ : Keiner wird vergessen

          Moderne Ermittlungsmethoden ermöglichen es, neue Spuren in vermeintlich unlösbaren Kriminalfällen zu entdecken. In Hessen werden „Cold Cases“ jetzt systematisch aufgerollt.
          Nach vier Monaten Kontaktsperre: Dolores Reyes Fernández umarmte ihren Vater José Reyes Lozano vergangene Woche in einem Altenheim in Barcelona.

          Seniorenheime in Spanien : Die Tage der einsamen Corona-Tode

          In Spanien starben so viele Menschen in Seniorenheimen wie in keinem anderen Land Europas. In den Augen von Angehörigen war es ein Zusammenbruch mit Ansage.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.