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Wirtschaftswissen : Das Unglück der Frauen

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Zwischen Männern und Frauen klafft eine Glückslücke, das haben drei amerikanische Wirtschaftswissenschaftler festgestellt. Zwar steht die Welt den Frauen heute offen - zufriedener hat sie das nicht gemacht. Denn ihre Ansprüche wachsen schneller, als sich ihre Situation verbessert.

          Es stimmt schon: Wenn Ökonomen über das Wohlergehen der Menschen sprechen, dann klingt das häufig sehr abstrakt. Von „Nutzen“ ist vielfach die Rede, die Mann oder Frau aus dem Konsum eines bestimmten Gutes oder auch aus der Ausübung einer bestimmten Tätigkeit ziehe. Formalisiert wird dieser „Nutzen“ in Gestalt von mathematischen Formeln, die meist die Eigenschaft eines „abnehmenden Grenznutzens“ besitzen. Dahinter verbirgt sich die durchaus plausible Annahme, dass der Nutzen, den ein Gut stiftet, mit der konsumierten Menge in der Regel abnimmt. Der Durstige beispielsweise, der nach tagelanger Wanderung durch die Wüste an eine Oase gelangt, hat vom ersten Becher Wasser gewiss mehr als vom zehnten Becher.

          So weit, so gut. Eine größer werdende Schar von Ökonomen gibt sich mit derlei Analysen nicht mehr zufrieden. Statt für den bloßen Nutzen interessieren sich die Wissenschaftler vielmehr für das, was vermeintlich die meisten Menschen antreibt: das Streben nach Glück. Diese ökonomische Erforschung des Glücks fördert interessante und zugleich aufschlussreiche Ergebnisse zutage. Zwei neue Arbeiten, eine vom Princeton-Ökonomen Alan Krueger, die andere von Betsey Stevenson und Justin Wolfers von der Universität von Pennsylvania, kommen zu einem ähnlichen, durchaus bedrückenden Schluss: Zwischen Männern und Frauen, nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa, klafft eine Glückslücke. Und sie ist in den vergangenen Jahrzehnten ein Stück größer geworden.

          Weniger lästige Hausarbeit

          Krueger stützt sich in seiner Analyse, die demnächst in der Reihe „Brookings Papers on Economic Activity“ veröffentlicht wird, auf Umfragen darüber, wie Menschen ihre Zeit verbringen, und wie sie sich dabei jeweils fühlen. Sechs Kategorien hatten die Befragten zur Auswahl, um ihre Gefühle zu beschreiben: interessiert, gestresst, glücklich, müde, traurig, schmerzerfüllt. „Verbringen die Leute heutzutage mehr Zeit mit Dingen, die sie erfreuen, als frühere Generationen?“, lautet Kruegers Ausgangsfrage. Die Antwort darauf, sagt der Ökonom, sei für das Verständnis von wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt von größter Bedeutung, und führt ein Beispiel an: Frauen im erwerbsfähigen Alter verbringen heutzutage viel mehr Zeit als Mitte der sechziger Jahre damit, einer bezahlten Arbeit nachzugehen, fernzusehen und für andere Erwachsene (pflegebedürftige Eltern) zu sorgen. Auf der anderen Seite kochen, putzen und lesen sie weniger als früher. „Bedeutet das nun, dass es Frauen jetzt bessergeht als damals?“, fragt Krueger.

          Mutter sein - reicht das fürs Glück?

          Bevor er die Antwort darauf gibt, referiert er weitere Ergebnisse der Umfrage: Die Zeit, die mit den meist als lästig empfundenen Haushaltspflichten verbracht wird, ist über die vergangenen 40 Jahre geringer geworden, und zwar zu Lasten von „neutralen Freizeitaktivitäten“ wie fernsehen. Unter dem Strich sei in der gesamten Bevölkerung aber keine nennenswerte Verschiebung von unerfreulichen zu erfreulichen Tätigkeiten oder auch umgekehrt zu verzeichnen.

          Eltern schlimmer als Wäschewaschen

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