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Wirtschaftswissen : Das Unglück der Frauen

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Ein anderes Bild ergibt sich nach Krueger, wenn man Männer und Frauen getrennt betrachtet: Männer haben im Laufe der Zeit die Tätigkeiten, die sie als mehr oder weniger unangenehm empfinden, vor allem die Arbeit, zurückgeschraubt. Dafür verbringen sie mehr Zeit mit „ausruhen, entspannen, nichts tun“. Frauen hingegen haben zwar weniger mit der Hausarbeit zu tun, gehen dafür aber in stärkerem Maße einer bezahlten Arbeit nach. Darum verbringen sie heutzutage ungefähr ebenso viel Zeit mit ihrer Ansicht nach unangenehmen Tätigkeiten wie Frauen Mitte der sechziger Jahre. Vor 40 Jahren entfielen bei Frauen durchschnittlich rund 23 Stunden in der Woche auf „unerfreuliche“ Dinge, rund 40 Minuten mehr als bei Männern. Heutzutage beträgt der Unterschied 90 Minuten - mehr als das Doppelte.

Es zeigt sich aber auch, dass Frauen und Männer ein und dieselbe Tätigkeit durchaus unterschiedlich beurteilen. Männer beispielsweise verbringen offenbar gerne Zeit mit ihren Eltern, während Frauen die gemeinsame Zeit mit Mutter und Vater sogar noch als ein wenig unerfreulicher empfinden als Wäschewaschen.

Bessere Chancen außerhalb der Ehe

Ganz ähnlich ist die Beobachtung, die Stevenson und Wolfers gemacht haben. „Zwei Tatsachen stehen sich gegenüber: Das Leben der Frauen hat sich, gemessen an einer Reihe objektiver Maßstäbe, in den vergangenen 35 Jahren außerordentlich verbessert. Auf der anderen Seite schätzen Frauen den Grad ihres Wohlbefindens heutzutage schlechter ein, und zwar sowohl absolut als auch im Verhältnis zu Männern“, schreiben die beiden Ökonomen in ihrem bisher unveröffentlichten Arbeitspapier.

Zu den objektiven Indikatoren zählen Stevenson und Wolfers die geringer gewordene Lohn- und Gehaltskluft zwischen Männern und Frauen, das Bildungsniveau der Frauen, das in einigen Altersgruppen das der Männer inzwischen übertrifft, die Geburtenkontrolle und moderne Haushaltsgeräte, die die Arbeit im Haushalt erleichtern. „Der Anstieg der Löhne hat nicht nur die Position der Frauen auf dem Arbeitsmarkt gestärkt, er hat auch ihre wirtschaftlichen Chancen außerhalb der Ehe verbessert.“

Gestiegene Ansprüche

Die beiden Ökonomen vermuten, dass die Ursache des schwächer ausgeprägten Glücksgefühls unter Frauen heutzutage damit zusammenhängen könnte, dass die Ansprüche vieler Frauen noch schneller gestiegen sind, als sich ihre tatsächliche Situation verbessert hat. Eine größere Gleichheit zwischen Männern und Frauen könne das Empfinden von Glück negativ beeinflussen, weil Frauen dann auch den Lebensstandard von Männern zum Maßstab nähmen und sich nicht mehr ausschließlich mit anderen Frauen verglichen.

„Frauen sehen sich relativ schlechter dastehen, als wenn ihre Vergleichsgruppe nur Frauen einschlösse“, meinen die Wissenschaftler. Insofern sei es durchaus möglich, dass die Frauenrechtsbewegung der vergangenen Jahrzehnte auch dazu beigetragen hat, dass Frauen zwar wirtschaftlich bessergestellt, aber dennoch weniger glücklich sind: „Womöglich ist die Wahrscheinlichkeit nun größer, dass Frauen mit ihrem Leben unzufrieden sind.“

Alle drei Ökonomen sind sich der Grenzen wohl bewusst, die ihrer Arbeit gesetzt sind. Das Gefühl des Glücks ist ein subjektives, und unterschiedliche Menschen reagieren mitunter ganz unterschiedlich auf ein und denselben Einfluss. Außerdem können sich auch die Vorlieben und Abneigungen der Menschen über die Zeit durchaus ändern. „Es ist eine große Herausforderung, die Gründe für das gesunkene Glücksempfinden von Frauen besser verstehen zu wollen“, schreiben Stevenson und Wolfers, die nicht nur zusammen arbeiten, sondern auch miteinander leben.

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