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Wirtschaftsnobelpreis : Ein überfälliger Preis

Der Nobelpreis für die Finanzökonomen Fama, Hansen und Shiller war längst überfällig. Dennoch bleibt die Finanzmarktforschung eine große Baustelle.

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          Die Preise für Gurken, Mittelklassewagen und Eieruhren bewegen sich im Laufe der Jahre, aber gewöhnlich schwanken sie nicht so stark wie die Preise für Aktien, Unternehmensanleihen oder Kreditausfallderivate (CDS). Das gelegentlich heftige Auf und Ab der Preise an Finanzmärkten verdiente kein größeres Interesse, wenn es nur ein paar Händler und Anleger beträfe. Aber spätestens die vor wenigen Jahren ausgebrochen Krise lehrt, dass Turbulenzen an Finanzmärkten die gesamte Wirtschaft und damit das Leben aller Menschen beeinflussen können. Die Entscheidung der Schwedischen Akademie, den diesjährigen, im Gedenken an Alfred Nobel verliehenen Preis für Wirtschaftswissenschaften drei Finanzmarktökonomen zu verleihen, war daher überfällig.

          Viele Laien halten die Vorgänge an den Finanzmärkten für wenig durchschaubar und potentiell gefährlich; die Teilnehmer an diesen Märkten schätzen sie als übergeschnappt bis größenwahnsinnig ein. Die Forschung zeigt nun aber, dass es keiner Verschwörungstheorien bedarf und sich Finanzmärkte nachvollziehbar analysieren lassen. Dennoch ist noch viel zu tun: Die Finanzmarktforschung bleibt eine große Baustelle. Die Schwedische Akademie zeichnet in diesem Jahr Ökonomen aus, die sich mit der Preisbildung an Finanzmärkten befassen. Hier existiert in der Fachwelt aber auch nach vier Jahrzehnten Forschung keine Einigkeit darüber, welche Bedeutung Marktunvollkommenheiten und verhaltenswissenschaftliche Analysen einnehmen sollen.

          Die Akademie hat in dieser Frage keine Entscheidung treffen wollen und mit Eugene Fama einen Vertreter der Theorie effizienter Märkte ebenso zum Preisträger gekürt wie mit Robert Shiller einen Vertreter der Ansicht, dass Finanzmärkte weitaus weniger effizient funktionieren. In Shillers Welt gibt es immer wieder Spekulationsblasen, Fama lehnt schon den Begriff ab.

          So interessant diese Fragen heute noch sind: Die Finanzmarktforschung hat sich weiter entwickelt und ausgebreitet. Die nachfolgende Ökonomengeneration befasst sich unter anderem mit der wichtigen Frage nach den Wechselwirkungen zwischen Finanzmärkten und der übrigen Wirtschaft. Sie fragt, wie Banken und Märkte reguliert werden müssen, um die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten. Sie fragt, in welche Gefahren Notenbanken geraten, wenn sie gleichzeitig den Geldwert stabil, die Banken liquide und den Staat zahlungsfähig halten sollen. Auch hierfür wird es eines Tages Nobelpreise geben.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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