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Wirtschaftsforschung : DIW-Chef Zimmermann tritt ab

Seinem Rücktrittswunsch wird entsprochen: Klaus Zimmermann verlässt den Chefposten des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW Bild: dpa

Im vergangenen Jahr war Klaus Zimmermann Verschwendung von Steuergeldern vorgeworfen worden, dann stand er wegen seines Führungsstils in der Kritik: Nun stellt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sein Amt zur Verfügung.

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          Auf Druck des Kuratoriums hat der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, am Dienstag seinen Rückzug angekündigt. Er wird sein Amt Ende Juni niederlegen. Zimmermann leitete das Berliner Forschungsinstitut seit dem Jahr 2000. Ihm waren ein nachlässiger Umgang mit Steuergeld sowie ein autokratischer Führungsstil vorgeworfen worden. Der Kuratoriumsvorsitzende Bert Rürup hatte im Herbst als Geschäftsführer seinen Vertrauten Hanns Seidler eingesetzt, der aber entnervt aufgab. Dies brachte für Rürup offenbar das Fass zum Überlaufen. Auch die Hauptgeldgeber, das Bundeswirtschaftsministerium und der Berliner Senat, die jährlich rund 13,5 Millionen Euro Förderung überwiesen, waren zuletzt immer unzufriedener mit dem DIW-Präsidenten, der zu oft negative Schlagzeilen produzierte.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Der Kuratoriumsvorsitzende Rürup, früher Vorsitzender des Sachverständigenrats, schrieb in einer Pressemitteilung, Zimmermann trete zurück, damit die wissenschaftlichen Arbeiten und Beratungserfolge des DIW wieder stärker beachtet werden.

          Im Institut in der Mohrenstraße in Berlin-Mitte zeigten sich viele Mitarbeiter überrascht, einige waren erleichtert, andere auch enttäuscht über den Rückzug von Zimmermann. „Das Klima im Institut ist nicht so schlecht, wie es gelegentlich dargestellt wird“, sagte ein Forscher. Das DIW hat rund 200 Mitarbeiter, davon sind rund die Hälfte Wissenschaftler. Nach der Zahl der Mitarbeiter ist es knapp vor dem Münchner Ifo-Institut das größte deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut. Vizepräsident Alexander Kritikos nahm Zimmermann in Schutz gegen Vorwürfe, das Institut habe an wissenschaftlichem Renommee eingebüßt. Die Quantität und die Qualität der Veröffentlichungen hätten deutlich zugenommen. „Als Zimmermann 2000 anfing, da gab es aus dem DIW weniger als zehn Aufsätze in hochkarätigen referierten Zeitschriften, jetzt sind es mehr als 70 im Jahr“, sagte Kritikos. Für die Evaluierung durch die Leibniz-Wissenschaftsgemeinschaft, von der die öffentliche Förderung abhängt, sei das Institut gut aufgestellt. Auch Rürup schrieb, das DIW sei „erfolgreich reformiert und wissenschaftlich gestärkt“.

          Allerdings war das DIW zweimal mit der Bewerbung für die Konjunkturprognose für die Bundesregierung gescheitert. Seit dem Abgang des keynesianisch orientierten Konjunkturchefs Gustav Horn im Jahr 2004 hatte Zimmermann das früher eher politisch links angesiedelte Institut in die Mitte zu rücken versucht. Horn hatte dann für die Gewerkschaften ein eigenes Konjunkturinstitut gegründet. Aus dem Umfeld von Zimmermann wird nun abermals der Verdacht gestreut, dass Zimmermann einer späten Rache der Horn-Freunde zum Opfer gefallen sei. Ein DIW-Forscher sprach von einem „Revanche-Foul“. Rürup sagte gegenüber dieser Zeitung: „Es ist definitiv falsch, dass ideologische Gründe eine Rolle gespielt haben.“

          Wer neuer DIW-Präsident werden soll, werde „in aller Besonnenheit vom Kuratorium entschieden“, teilte Rürup mit. Der 58 Jahre alte Zimmermann leitet neben dem DIW das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. Dieses wird von der Post-Stiftung finanziert. Aus seinem Umfeld hieß es, er wolle weiterhin IZA-Direktor bleiben, obwohl er „viele interessante internationale Möglichkeiten habe“.

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