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Wirtschafts-Nobelpreis : Wie Al Roth einen Markt für Nieren aufbaute

Al Roth hat den Wirtschafts-Nobelpreis dafür bekommen, dass er aus den verrücktesten Tauschprozessen funktionierende Märkte macht. Zum Beispiel aus dem Tausch von Spendernieren.

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          Es ist nicht leicht mit den Nieren, wenn sie nicht mehr funktionieren und eine Transplantation nötig wird. Zwar haben viele Patienten einen Verwandten, der ihnen ein Organ spenden würde. Aber das muss auch noch zum Körper des Patienten passen - und daran scheitern viele Nierenspenden.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ökonomen sind auch dieses Problem angegangen und haben eine Lösung gefunden: Sie eröffnen einen Markt für Nieren. Dort können Patienten ihre Organspender tauschen. Denn die Niere des Bruders passt vielleicht nicht zum eigenen Körper, wohl aber zu dem eines anderen Patienten und umgekehrt.

          Ein Team um Harvard-Ökonomen Alvin Roth, der jetzt mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden ist, hat diese Idee mit den Werkzeugen des „Mechanism Design“ zu einem funktionierenden Konzept ausgearbeitet. Jetzt wird ihr Nierenmarkt in der Transplantationszentrale der amerikanischen New-England-Bundesstaaten eingesetzt. Dort werden derzeit Nieren-Tauschringe aus bis zu drei Patienten und ihren Spendern gebildet.

          Die Patienten können ihre Chancen verbessern, indem sie mehrere mögliche Spender anmelden. Denn so finden sie leichter einen Tauschpartner. Am Ende wird trotzdem nur eine Niere abgegeben.

          Ganz ohne Spender können Patienten an dem Nierenmarkt aber nicht teilnehmen: Gegen Geld sind die Organe auch in diesem System nicht zu kaufen. Trotzdem profitieren auch die Patienten, die keinen eigenen Spender haben. Denn weil die Organzentrale mehr Nierenspenden von Verwandten annehmen kann, gibt es auch mehr Nieren zum Transplantieren. Darum verschwinden die Patienten schneller von den Wartelisten. Also gibt es weniger Konkurrenz um die Nieren, die nach Todesfällen gespendet werden.

          Ursprünglich hieß es in dem Artikel, New England sei ein Bundesstaat. Das haben wir korrigiert. Wir bitten um Entschuldigung.

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