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Neue Studie : Übung macht doch keine Meister

Musikinstrumente: 80 Prozent Talent, 20 Prozent Übung. Bild: Röth, Frank

Du schaffst alles, wenn du nur lange genug übst - so hieß es bisher. Doch eine neue Studie zieht diesen Satz in größte Zweifel.

          Was war das für eine Inspiration! Es hieß: Jeder kann alles - wenn er sich nur genug anstrengt. Also gab der amerikanische Fotograf Dan McLaughlin vor vier Jahren seinen Beruf auf und widmete sich nur noch dem Golfen. 10.000 Stunden lang will er üben, dann will er es zum Profi geschafft haben. Die Inspiration davon kam aus einer Studie, die der Buchautor Malcolm Gladwell berühmt gemacht hat: Wer es nur schafft, in seinem Leben 10.000 Stunden zu üben - der kann alles erreichen, sagte Gladwell. Jedes Spiel zur Perfektion bringen, jedes Instrument lernen,  jeden Beruf aufnehmen.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch jetzt zerplatzt diese Hoffnung. In den vergangenen Wochen schon kam eine Studie aus Schweden ins Gespräch, die zeigte, dass man vom Üben zumindest nicht musikalisch wird. Doch jetzt wird es noch deutlicher: Die renommierte Fachzeitschrift „Psychological Science“ hat einen neuen Überblick veröffentlicht, für den Forscher insgesamt 88 einzelne Studien aus verschiedenen Bereichen ausgewertet haben - und sie kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: Es kommt vor allem aufs Talent an.

          Nur zehn Prozent der menschlichen Leistung in einzelnen Disziplinen hängt davon ab, wie viel die Menschen üben, haben Brooke Macnamara von der angesehenen Princeton University und zwei Kollegen ausgerechnet. Für den Rest der Leistung sind andere Faktoren verantwortlich. Nicht alle davon sind angeborenes Talent.

          Wichtig könnte zum Beispiel sein, in welchem Alter sich die Menschen zum ersten Mal mit einer Disziplin auseinandersetzen, schreiben die Forscher: Je jünger, desto leichter tun sie sich später. Aber auch die generelle Intelligenz und der Umfang des Arbeitsspeichers im Gehirn könnten eine Rolle spielen.

          Das bedeutet nicht, dass Übung ganz nutzlos wäre. Unter den Leuten, die gute Voraussetzungen für einen Sport oder einen Beruf mitbringen, macht die Übung immer noch den Unterschied. Und es gibt sogar einige Bereiche, in denen Übung etwas mehr bringt: Wenn es um Spiele wie Schach oder Scrabble, um Musik und um Sport geht, dann bringt Übung bis zu einem Fünftel des Leistungsunterschieds. Das könnte daran liegen, dass die Aufgaben dort immer wieder ähnlich sind: Fürs Jogging, das immer wieder gleich funktioniert, bringt Übung tendenziell mehr als für die Rettung von Flugzeugen, deren Notlagen immer wieder anders sind.

          So gesehen bleibt Hoffnung für den neuen Golfer Dan McLaughlin, der sein Handicap nach rund der Hälfte seiner Übungsstunden bis auf ein gutes Amateurniveau von drei gebracht hat. Er kann sich glücklich schätzen, dass er sich einen Sport zum neuen Beruf genommen hat. Denn die herkömmlichen Berufe und die Universität sind die Bereiche, in denen Übung am wenigsten bringt. Wer sich mit einem Studienfach oder mit einem Beruf schwertut, den macht auch das Lernen nicht zum wahren Meister.

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