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Vor der Bekanntgabe : Wer bekommt den Wirtschaftsnobelpreis?

Favorit der deutschen Ökonomen ist William Baumol. Bild: privat

Heute wird der Wirtschafts-Nobelpreis verliehen. Favorit ist ein älterer Herr aus New York, der viel über Unternehmergeist weiß.

          2 Min.

          An diesem Montag wird um 13 Uhr bekanntgegeben, wer in diesem Jahr den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften bekommt und damit auch noch acht Millionen schwedische Kronen. Das entspricht 875.000 Euro, die die Schwedische Reichsbank stiftet.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Der finanziell schlechteste Ausgang für jeden Kandidaten wäre es, wenn er leer ausginge. Die zweitschlechteste Variante wäre es, wenn der Sieger den Preis mit zwei Leuten teilen müsste. Denn bis zu drei Wissenschaftler können den Preis bekommen. In den letzten Jahren war das Teilen ziemlich üblich. Seit den 2000er Jahren kamen nur zwei Ökonomen in den Genuss des ungeteilten Preisgeldes: der weltbekannte Paul Krugman und der einer breiteren Öffentlichkeit weniger vertraute Edmund Phelps. Es geht aber noch besser. Die Statuten schließen nicht aus, dass ein Wissenschaftler zweimal bedacht wird. Marie Curie schaffte das in Chemie und Physik, John Bardeen in Physik.

          Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat nun eine Umfrage unter Wirtschaftswissenschaftlern im deutschsprachigen Raum gemacht mit der Bitte, jene Kandidaten zu identifizieren, die sie als Preisträger sehen. In den Antworten fanden zwei Kandidaten die häufigsten Nennungen: der Amerikaner William Baumol, der sechsmal genannt wurde, und der Österreicher Ernst Fehr, dessen Name fünfmal auftauchte.

          Für William Baumol spricht die profane Tatsache, dass er schon ziemlich alt ist mit seinen 92 Jahren, wiewohl er noch als Professor der New York University geführt wird. Wenn man seiner wissenschaftlichen Leistung Rechnung tragen möchte, so müsste dies bald geschehen. Große Anerkennung finden seine Arbeiten über Entrepreneurship. Er hat nicht nur Joseph Schumpeters Wachstumstheorie fortentwickelt, sondern auch den Unternehmer in die Mikroökonomie eingeführt. Ferner hat er über Umweltökonomie, Arbeitsmarkt, den Kapitalmarkt und die Preiskalkulation von Monopolen gearbeitet. Er ist einer der am häufigsten zitierten lebenden Ökonomen.

          Baumol ist nicht nur der Favorit der deutschen Ökonomengemeinde, sondern auch aussichtsreicher Kandidat für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters, die ihn zusammen mit Israel Kirzner nennt, der ebenfalls in New York über Unternehmergeist geforscht hat.

          Ernst Fehr, der von deutschen Ökonomen häufig genannt wurde, hat den Vorzug gegenüber Baumol, dass er mit Jahrgang 1956 noch recht jung ist. Geht er diesmal leer aus, bleibt die Hoffnung am Leben, und er kann in Ruhe über die psychologischen Grundlagen in der Ökonomie forschen und experimentieren. Diesen Bereich hat Fehr, der an der Universität Zürich tätig ist, mit bahnbrechenden Arbeiten bereichert.

          Leicht könnte es allerdings auch passieren, dass es ein ganz anderer wird als vermutet. Das fünfköpfige Preiskomitee, das von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften eingesetzt wurde, ist stets für Überraschungen gut.

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