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Wie Ökonomen über Sparpolitik denken : Heute leiden, morgen genießen

Bild: Alfons Holtgreve

Wer Staatsausgaben kürzt, verstärkt die Krise? Mitnichten. Er sorgt sogar für Aufschwung. Die Sparpolitik in Europas Peripherie geht zumindest in die richtige Richtung. Das könnte zur Folge haben, dass sich die dortigen Volkswirtschaften schneller aus ihrer Krise erholen werden, als viele Pessimisten erwarten.

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          Die hochverschuldeten Staaten in der europäischen Peripherie bekunden, ihre staatliche Neuverschuldung deutlich reduzieren zu wollen. Dies geschieht zum einen durch eine Kombination aus höheren Steuern und der Kürzung von Staatsausgaben. Daneben ergreifen diese Länder, in unterschiedlichem Ausmaß, angebotspolitische Maßnahmen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Als Beispiele ließen sich die Deregulierung des Transportgewerbes und die geplante Erhöhung des Rentenalters in Griechenland anführen.

          Wie werden diese Maßnahmen wirken? Unter Ökonomen dürfte weitgehender Konsens über die langfristig positiven Wirkungen von Angebotspolitik auf die Wettbewerbsfähigkeit existieren. Umstrittener sind die Folgen staatlicher Sparpolitik auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und damit das kurz- und mittelfristige Wirtschaftswachstum. Eine traditionelle Ansicht, die sich (zu Recht oder zu Unrecht) auf John Maynard Keynes beruft, prognostiziert eine schwere Wirtschaftskrise als Ergebnis einer nachlassenden staatlichen Nachfrage. Der Konjunktureinbruch in Griechenland scheint diese Sichtweise zu bestätigen.

          Und doch könnte diese verbreitete Ansicht falsch sein. Es lassen sich theoretische, aber vor allem empirische Belege für die These finden, dass eine gut konzipierte staatliche Sparpolitik das Wirtschaftswachstum eher belebt als schädigt. Sollte sich diese Ansicht für den Rand Europas bestätigen, stünde die Peripherie vor einem möglicherweise sogar sehr kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung.

          John Maynard Keynes
          John Maynard Keynes : Bild: picture alliance

          Ob es so kommt, hängt wesentlich vom Verhalten der Menschen ab. Im traditionellen keynesianischen Modell führt nachlassende staatliche Nachfrage dazu, dass die Unternehmen ihre Investitionen zurückfahren und die Verbraucher pessimistisch werden. In einer alternativen modernen Sichtweise, die vor allem auf Arbeiten des Harvard-Ökonomen Robert Barro zurückgeht, denken Unternehmen und Verbraucher anders: Sie verbinden mit einer rückläufigen Staatsverschuldung weniger Steuererhöhungen in der Zukunft. Das verleitet sie dazu, jetzt weniger zu sparen und mehr zu konsumieren, weil sie in Zukunft weniger Geld benötigen. Die Unternehmen verbinden mit einem Rückgang der Staatsverschuldung die Erwartung niedrigerer Zinsen, was sie zu mehr Investitionen veranlasst.

          Für Alesina ist staatliche Sparpolitik der Königsweg

          Kurz: Staatliche Sparpolitik führt in traditionellen keynesianischen Modellen in die Krise, während sie in modernen Modellen einen Aufschwung zur Folge hat. Der Grund für diese sehr unterschiedlichen Ergebnisse sind die unterschiedlichen Erwartungen der Menschen in den beiden Modellen. Das zeigt unter anderem ein Arbeitspapier der Frankfurter Ökonomen Tobias Cwik und Volker Wieland.

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