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Migration : Wie die Flüchtlinge den Arbeitsmarkt aufmischen

  • -Aktualisiert am

Flüchtlinge verstärken die Konkurrenz auf dem Schwarzarbeiter-Markt. Bild: AP

Viele Flüchtlinge drängen derzeit auf den Arbeitsmarkt. Neue Studien zeigen: vor allem Schwarzarbeiter leiden. Und auch bei Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen gibt es Veränderungen.

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          Was geschieht mit dem Arbeitsmarkt, wenn eine Million Flüchtlinge nach Deutschland kommt? Die Frage ist seit langem umstritten – genauere Prognosen scheitern schon daran, dass es an zuverlässigen Daten über die Flüchtlinge mangelt. Doch es gibt einige neue Erkenntnisse darüber, was geschehen kann. Beim Ökonomen-Jahrestreffen in San Francisco in dieser Woche wurden neue Thesen deutlich: Flüchtlinge können Schwarzarbeitern schaden – aber dazu beitragen, Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen einzuebnen.

          Was geschehen kann, das zeigt die Türkei besonders deutlich. Sie hat schon 2,2 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Ein Experte der türkischen Nationalbank hat untersucht, welche Auswirkungen dieser Zustrom hatte. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Flüchtlinge den Einheimischen tatsächlich Arbeitsplätze wegnehmen – allerdings vor allem auf dem Schwarzmarkt. In Regionen mit hohem Flüchtlingsszustrom steigt die Arbeitslosigkeit verglichen mit den anderen Regionen um 0,77 Prozentpunkte, die Erwerbstätigenquote hingegen fällt um 1,03 Prozentpunkte. Die Wahrscheinlichkeit für einen türkischen Erwerbstätigen, eine Arbeit auf dem Schwarzmarkt zu finden, sinkt um 2,26 Prozentpunkte.

          Die hohe Zahl an Flüchtlingen wirkt sich auch auf die Mieten aus: Deren Wert erhöhte sich, verglichen mit den anderen Regionen, um bis zu 5,5 Prozent. Bei besonders gut bewerteten Immobilien waren es sogar 11 Prozent. Der Grund: Angesichts der vielen Flüchtlinge im Land, steigt die Nachfrage nach einer guten und sicheren Nachbarschaft und treibt die Preise nach oben. Dafür werden andere Produkte günstiger: nämlich die, die überwiegend im informellen Sektor produziert werden. Durch das große Angebot an billigen Arbeitskräften auf dem Schwarzmarkt sinken die Lohnkosten für die Hersteller.

          Je mehr Migranten, desto besser verdienen Frauen

          Diese sinkenden Lohnkosten können noch einen zweiten Effekt haben: Sie können dazu beitragen, die Lohnunterschiede von Frauen und Männern einzuebnen – so sehen es zwei Wirtschaftsforscherinnen aus Boston und Singapur in einer weiteren Studie. Obwohl Frauen in den letzten Jahrzehnten in Bezug auf Bildung und Beschäftigung aufgeholt haben, gibt es immer noch große geschlechtsspezifische Unterschiede in der Bezahlung. Während die Gehälter der arbeitstätigen Frauen in den siebziger Jahren stark anstiegen, verlangsamte sich diese Entwicklung spätestens in den Neunzigern und kam seit der Jahrtausendwende schließlich nahezu zum Stillstand. In Deutschland verdienen Frauen im Vergleich zu Männern rund 20 Prozent weniger. Ein Teil dieser Differenz lässt sich damit erklären, dass Frauen in schlechter bezahlte Berufen wählen. Doch selbst auf ähnlichen Positionen bleibt ein Gehaltsunterschied von rund sieben Prozent.

          Laut den Forscherinnen gibt es dafür zwei simple Gründe: Zum einen haben Frauen Nachteile auf wettbewerbsbetonten Arbeitsplätzen, die meist gut bezahlt werden. Männer ziehen oft mit größerem Engagement in den Wettbewerb und entscheiden ihn so eher für sich – das haben in den vergangenen Jahren mehrere Studien gezeigt. Zum anderen leiden die Gehälter der Frauen vor allem in den Branchen, in denen viele Überstunden gemacht werden – auch das ist bekannt. Im Vergleich mehrerer amerikanischer Städte zeigt sich jetzt: Je mehr unqualifizierte Migranten in den vergangenen 30 Jahren angekommen sind, umso enger schließen auch Frauen auch mit überstundenlastigen Berufen wie Rechtsanwältinnen und Finanzberaterinnen auf die Männer auf.

          Was haben die Migranten mit diesem Lohngefälle zu tun? Die Forscherinnen erklären das damit, dass Frauen laut Umfragen einen größeren Anteil an der Hausarbeit erledigen – also weniger Zeit in Überstunden stecken. Durch die Zuwanderung geringqualifizierter Arbeitskräfte kann sich das Zeitverhältnis bei gut ausgebildeten Frauen verschieben. Durch ein großes Angebot von günstigen Arbeitskräften ist es eher möglich, Haushaltshilfen einzustellen oder Tagesmütter zu beauftragen. Die Arbeit, die die Frauen zuvor daran gehindert hat, länger zu arbeiten, mehr Überstunden zu leisten und auf der Karriereleiter nach oben zu klettern, wird dann von Migranten gemacht. Den weiblichen Arbeitskräften bleibt so mehr Zeit für ihre bezahlte Arbeit.

          Folgt man der Argumentation der Ökonomen, könnte sich das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen um bis zu zwei Drittel verringern, wenn die Unterschiede an gearbeiteten Stunden wegfielen.

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