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Kommentar : Warum schwanken die Aktienkurse so stark?

  • -Aktualisiert am

Aixtron ist eines von vielen Beispielen für die Zunahme von Kursschwankungen. Bild: Aixtron

Die Kursschwankungen an der Börse haben zugenommen - nach oben und nach unten. Daran sind die Aufsichtsbehörden nicht unschuldig.

          Der Maschinenbauer Aixtron dürfte in Deutschland nur wenigen Experten ein Begriff sein. Das Unternehmen aus dem Tech-Dax stellt Halbleiter her, aber das tut an dieser Stelle wenig zur Sache. Denn am Donnerstag war Aixtron aus einem anderen Grund das Gesprächsthema an der Börse, wenn auch unfreiwillig. Um rund 40 Prozent brach der Aktienkurs der Firma ein, nachdem man den Aktionären eine zugegebenermaßen schlechte Mitteilung (Probleme mit einem Großkunden) machen musste. Aber dann gleich ein Minus von 40 Prozent? So etwas kam in früheren Zeiten an der Börse nur in Ausnahmefällen vor.

          Aixtron ist nur ein Beispiel für die fast unheimliche Zunahme der Kursschwankungen, die sich auch im Großen beobachten lässt: Der Dax beendete die vergangene Woche mit einem Minus von 3,8 Prozent. Das klingt nicht so dramatisch wie 40 Prozent, ist aber für einen Index dieser Größenordnung ein stattlicher Verlust. Die Börsen seien verrückt geworden, sagen nun viele, die Aktien ohnehin noch nie über den Weg trauten.

          Doch das stimmt nicht. Die Kursschwankungen, im Fachjargon als Volatilität bezeichnet, haben ihre Ursache nicht in irgendwelchen unkontrollierbaren Computerprogrammen, sondern sind menschengemacht.

          Chefs dürfen sich kaum noch freimütig äußern

          Ausgerechnet die Aufsichtsbehörden, die sich stets mit ihrer Arbeit zum Wohle des Anlegers brüsten, tragen daran einen gehörigen Anteil. Denn ein enges Regelkorsett macht es Vorstandsvorsitzenden von Aktiengesellschaften schwer, sich freimütig zum wahren Zustand der von ihnen geleiteten Unternehmen zu äußern. Dies nimmt den CEOs die Möglichkeit, Aktionäre und Öffentlichkeit auf schlechtere Zeiten vorzubereiten. Mit anderen Worten: Ihnen bleibt oft nichts anderes übrig, als die Märkte mit unangenehmen Nachrichten zu überraschen – mit entsprechend negativen Folgen für den Aktienkurs.

          Auch die Einschränkung des Eigenhandels für Banken, ein anderes Lieblingsprojekt der Aufsichtsbehörden, verstärkt die Kursausschläge. Früher sprangen die Banken in unsicheren Marktphasen oft ein, um heftige Kursausschläge zumindest ein wenig abzufedern. Heute bleibt dies meistens aus. Hinzu kommt ein drittes Problem: Am Ende eines Börsenaufschwungs (der jetzige dauert im Großen und Ganzen bereits sieben lange Jahre) reagieren die Anleger in der Regel viel nervöser auf schlechte Nachrichten. So unangenehm es ist: all das lässt nicht gerade ruhige Börsenzeiten erwarten.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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