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Währungspolitik : Wie kommt die Weltwirtschaft wieder in Balance?

  • -Aktualisiert am

Im Mount Washington Hotel in Bretton Woods wurde 1944 auf einer internationalen Konferenz die Ordnung der Weltwirtschaft für die nächsten 20 Jahre festgelegt. Bild: AP

Bretton Woods steht für den Versuch der Staatengemeinschaft, die durch den Krieg demolierte Weltwirtschaft zu stabilisieren. So etwas bräuchten wir heute auch.

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          Dass es das Mount Washington Hotel heute noch gibt, ist wohl John Maynard Keynes zu verdanken. 1944 war das Haus eigentlich am Ende. Marode, alt, ohne Gäste und Personal gammelte es langsam seinem Verfall entgegen. Doch dann beschloss die amerikanische Regierung genau hier, an diesem abgelegenen Ort in den White Mountains, die Staatsmänner aus 44 Nationen zu versammeln.

          Es war der Wunsch des wohl berühmtesten Teilnehmers der Konferenz, des herzkranken britischen Ökonomen Keynes, sich an einem klimatisch freundlicheren Ort als dem schwülen Washington zu treffen. Also mietete man sich mitten im nordöstlichen Nirgendwo ein und ließ das Hotel vor Beginn der Konferenz auf Staatskosten tapezieren und möblieren. Die Wasserhähne tropften, die Fenster ließen sich nicht öffnen. Doch die Delegierten hatten auch Wichtigeres zu tun.

          Die Welt befand sich im Krieg, aber die Alliierten gewannen - und es war an der Zeit, darüber nachzudenken, wie es weitergehen würde. Viele Länder der Welt waren zerstört, auch ökonomisch. Zudem war die Weltwirtschaft in eine Schieflage geraten. Einige Länder hatten sich hoch verschuldet und viele ausländische Güter gekauft. Andere Länder hatten sehr viel exportiert und Geld verliehen. Es taten sich globale Ungleichgewichte auf, von denen man befürchtete, dass sie die Stabilität der Weltwirtschaft gefährdeten.

          Der Star der Konferenz in Bretton Woods: John Maynard Keynes
          Der Star der Konferenz in Bretton Woods: John Maynard Keynes : Bild: AFP

          Diese Situation klingt vertraut. Auch heute sprechen Ökonomen und Politiker gerne von "globalen Ungleichgewichten", wenn sie erklären wollen, wieso die Weltwirtschaft so anfällig für die Finanzkrise war. Das klingt gewichtig und gleichzeitig kompliziert genug, um es dem Mann auf der Straße nicht erklären zu müssen.

          Dabei muss man nicht Ökonom sein, um zu begreifen, was dahintersteckt. Heute bestehen die Ungleichgewichte darin, dass die Vereinigten Staaten viele ausländische Güter gekauft und sich hoch verschuldet haben, während Länder wie China und Deutschland dafür das Geld und die Waren lieferten. Damals war es andersherum: Die Amerikaner hatten viel Geld verliehen und Waren exportiert. Die Briten waren diejenigen, die - auch aufgrund der Kriegsausgaben - hohe Schulden angehäuft hatten.

          Darüber machte man sich zu Zeiten der Bretton-Woods-Konferenz große Sorgen. Denn die Vergangenheit lehrte, dass diese Lage gefährlich war. "Die Ungleichgewichte hatten in den zwanziger und dreißiger Jahren dazu geführt, dass es in den verschuldeten Ländern wie Großbritannien und Deutschland zu deflationären Tendenzen kam", erläutert der amerikanische Wirtschaftshistoriker Harold James. "Das hat die Wirtschaft in Europa destabilisiert." In der Folge wurden ganze Länder auch politisch instabil. Das wollte man nicht noch einmal erleben.

          Feste Wechselkurse zum Dollar

          Das Problem war also erkannt, dennoch war die Mission der Konferenz denkbar schwierig. Denn um eine Lösung zu finden, musste die Wirtschafts- und Währungspolitik vieler Länder koordiniert werden. Die Rezepte waren nicht nur hochumstritten, sie waren auch intellektuell hochkompliziert. Es ging um Wechselkurse, Kapitalströme und den Welthandel; um Kredite, Zahlungsbilanzen und - natürlich - auch um Eitelkeiten.

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