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Währungspolitik : Rückkehr zum Goldstandard?

Bild: Peter von Tresckow

Die Krise stellt auch die bestehende Geld- und Währungsordnung in Frage. Einige Ökonomen liebäugeln mit einer Rückkehr zum Goldstandard oder einem vergleichbaren System. Doch das käme nicht ohne Kosten.

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          Die Finanz- und Wirtschaftskrise wirft fundamentale Fragen auf - auch zur Geld- und Währungsordnung. Bange Blicke richten sich auf den Dollar, die Leitwährung der Welt. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) unter der Führung von Ben Bernanke hat die Druckerpresse angeworfen, um die Rezession zu bekämpfen.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Sie finanziert die Verschuldung der taumelnden ökonomischen Supermacht, indem sie Anleihen kauft. Am Ende könnte dies eine starke Inflation und eine drastische Abwertung des Dollar bewirken, unken Skeptiker (vgl. auch Wie sich hohe Staatsdefizite finanzieren lassen.)

          „Seltener Sonderfall in der Geschichte“

          Angst davor haben besonders die Chinesen. Sie sitzen auf einem riesigen Devisenschatz von insgesamt fast 2 Billionen Dollar. Sollte der Dollarkurs abstürzen, wäre die Volksrepublik um den Ertrag jahrelanger Arbeit gebracht. Die „Akzeptanz einer kreditbasierten nationalen Währung als großer internationaler Reservewährung“ sei doch ein „seltener Sonderfall in der Geschichte“, merkte der chinesische Zentralbankchef Zhou Xiaochuan kürzlich in einem brisanten Aufsatz an.

          Darin weist Zhou auf einen inneren Widerspruch der Weltwährungsordnung hin: Amerika könne nicht die Rolle der internationalen Reservewährung beanspruchen und gleichzeitig eine auf nationale Ziele ausgerichtete Geldpolitik betreiben.

          China hält seine eigene Währung künstlich unterbewertet

          Hintergrund ist das prekäre Verhältnis von Asien und Amerika. Um seinen Export zu fördern, hält China seine eigene Währung, den Yuan, seit Jahren durch permanente Dollar-Ankäufe künstlich unterbewertet. Die angekauften Dollar schleusten die Chinesen ins Weltreserveland Amerika zurück. Das drückte dort die langfristigen Zinsen - und konterkarierte damit zeitweise die Politik der Fed, die - nach einer Phase niedriger Zinsen zu Beginn des Jahrzehnts - den kurzfristigen Leitzins zur Dämpfung der Konjunktur kräftig erhöht hatte.

          Die Kapitalzuflüsse aus dem Ausland trugen somit, neben der zeitweiligen Niedrigzinspolitik der Fed, dazu bei, die Immobilienpreisblase aufzupumpen. So gesehen hat die Schieflage der Weltwährungsordnung mit zum Ausbruch der Krise beigetragen.

          Politische Probleme bleiben ungelöst

          Als kurzfristige Reform regt der chinesische Zentralbankchef an, eine neue supranationale Weltreservewährung zu schaffen und dafür die Sonderziehungsrechte beim Internationalen Währungsfonds (IWF) zu nutzen. Das würde die Vorherrschaft des Dollar brechen, die seit der Konferenz von Bretton Woods im Jahre 1944 besteht.

          Der britische Ökonom John Maynard Keynes scheiterte damals mit seinem Vorschlag einer internationalen Verrechnungseinheit namens „Bancor“. Die heutigen IWF-Sonderziehungsrechte sind eine kreditbasierte Korbwährung, bestehend zum größten Teil aus Dollar, zu kleinen Teilen aus Euro, Yen und Pfund (und China möchte noch den Yuan beimischen).

          Unklar ist, ob eine solche Kunstwährung akzeptiert würde und mehr Stabilität brächte - zumal wenn sie von einer zentralen Institution wie dem IWF gemanagt werden sollte. Das von Zhou angesprochene Problem des politisierten Geldangebots würde damit nicht gelöst.

          Der Saulus, der ein Paulus war

          Ausgerechnet der langjährige Fed-Vorsitzende Alan Greenspan hat 1966 in einem Aufsatz über „Gold und wirtschaftliche Freiheit“ die fatale Wirkung einer zu laxen Geldpolitik analysiert, die er später selbst betrieb. Vor dem Ersten Weltkrieg, in der Zeit des Goldstandards, als der Kreditexpansion enge Grenzen gesetzt waren, gab es nur relativ milde Rezessionen.

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