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Verschuldung : Wann ist der Staat bankrott?

Es ist auch nicht möglich, dass die Gläubiger für einen Staat einen Insolvenzantrag stellen. Bei welchem Gericht auch? Doch es gibt eine Selbsthilfeorganisation, die in so einem Fall versucht, eine Staatspleite noch abzubiegen: den Pariser Club, zu dem sich die Gläubiger zusammenschließen, die über einen Schuldenerlass diskutieren.

Gläubiger verzichten oft auf Rückzahlung

Normalerweise setzen die Gläubiger alles daran, einen Staat auch in letzter Minute noch aus dem Bankrott herauszupauken. Notfalls, indem sie erst mal auf die Rückzahlung von Schulden verzichten. Denn die Gläubiger wissen: Ein Pleitestaat verschwindet nicht für immer von der Bildfläche wie eine Firma. Er bleibt bestehen. Es gibt politische und wirtschaftliche Beziehungen zu ihm. Und irgendwann kommt er wieder zu Geld und wird wenigstens einen Teil der Schulden zurückzahlen.

Wirklich pleite ist ein Staat daher erst, wenn er selbst verkündet, dass er seine Schulden nicht mehr bedienen kann, weil ihm kein anderes Land, kein Bürger und keine Bank mehr freiwillig Geld leiht. Oder wenn er es trotz Pariser Club nicht mehr schafft, neue Kredite aufzunehmen. So war es in Argentinien: Als 2002 nicht einmal mehr der IWF dem Land Geld leihen wollte, erklärte Argentinien sich selbst für zahlungsunfähig (siehe rechts). Inhaber argentinischer Staatsanleihen sahen den Großteil ihres Geldes bisher nicht wieder.

Kriege, Misswirtschaft und Rettungspakete

Die häufigste Ursache für Staatspleiten waren in der Geschichte Kriege. Heute sind es meist Jahre der Misswirtschaft, in denen Regierungen mehr Geld ausgegeben haben, als sie durch Steuern einnahmen. In der Finanzkrise werden nun die Rettungspakete zum Problem. Sie türmen in den ohnehin strapazierten Haushalten gewaltige Zins- und Schuldenberge auf.

Wenn Regierungen ihre Staatshaushalte nicht in den Griff bekommen, indem sie höhere Steuern erheben, Rentenzahlungen aufschieben oder ihre Ausgaben radikal senken, müssen sie bald horrende Zinsen für ihre Schulden zahlen. Bereits jetzt drückt Deutschland sieben Prozent seiner gesamten Staatseinnahmen allein für die Zinslast ab.

Fatale Folgen

Irgendwann heißt es für einen Staat dann: "Die Defizitlücke lässt sich nicht mehr schließen, und der Staat wird zahlungsunfähig", sagt Charles Blankart, Finanzwissenschaftler an der Berliner Humboldt-Universität. Die Folgen sind fatal. Wenn ein Unternehmen pleitegeht, leidet die Belegschaft. Geht ein Staat pleite, leidet das ganze Land: Renten und Beamtengehälter können nicht bezahlt werden, Schulen und Autobahnen verfallen und das Militär bekommt kein neues Material mehr.

Im Land geht auch das Vertrauen in die Währung verloren. Die Menschen plündern ihre Konten, weil sie fürchten, dass ihr Geld morgen nichts mehr wert ist. Sie tauschen es in andere Währungen und tätigen Hamsterkäufe. Meist folgen ziemlich rasch eine Bankenkrise, später eine Einzelhandelskrise, und oft entwickelt sich ein Schwarzmarkt, auf dem eine Ersatzwährung wie Zigaretten zählt.

Währungsschnitt als einzige Rettung

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