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Unternehmen : Die Aktionäre mobilisieren gegen die Vorstände

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"Im Prinzip geht es dem Vorstand darum, Ärger zu vermeiden", sagt Gebhardt. "Die Kontrolleure sollen seine Pläne abnicken, keine kritischen Fragen stellen und sich ansonsten ruhig verhalten."

So hat in der Schrempp-Ära niemand der Daimler-Kontrolleure dessen Phantasien gestoppt. Oder - immer noch aktuell - die Irrfahrt der TUI: Niemand bremst den Vorstandsvorsitzenden Michael Frenzel auf seinen Abenteuern; vom Stahl zu Tourismus und Schifffahrt, und stets kommt etwas dazwischen, was Frenzel vom Erfolg abhält. Wie praktisch, dass er sich den Aufsichtsrat zu einer Art Fanclub umfunktioniert hat. Einzig der neue norwegische Großaktionär, selbst nicht von allerbestem Leumund, stört die Harmonie und versucht regelmäßig die Aufsichtsräte zu kippen. Geschafft hat er es bisher nicht.

Theorie und Wirklichkeit

Je breiter gestreut die Anteile an einer Aktiengesellschaft sind, desto komfortabler ist die Lage für den Vorstand, umso mehr Einfluss kann er auf die Besetzung des Aufsichtsrates entfalten. So wird sich der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nur begrenzt vor seinen Aufsehern fürchten. Mit Clemens Börsig wurde dort vor Jahren ein Aufsichtsratsvorsitzender installiert, der Ackermann zuvor als Finanzvorstand untergeben war. Als Börsig im Frühjahr versuchte, sich selbst an die Spitze des Vorstands zu setzen und Ackermann zu ersetzen, scheiterte er mit dem Plan. Börsig ist seither schwer angeschlagen, und Ackermann regiert unumschränkter denn je.

In der Theorie wählt die Hauptversammlung, also das Plenum der Eigentümer, die Aufsichtsräte. Tatsächlich erweist sich die Idee von der Aktionärsdemokratie ("one share, one vote") als Farce: Den Aktionären bleibt auf ihren Treffen nicht mehr, als eine vorgegebene Liste abzunicken. Wie aber kommt ein Kandidat auf diese Liste? Dazu sagt das Aktienrecht nichts. Geht es nach dem Corporate Governance Kodex, der die Regeln für gute Unternehmensführung definiert, dann gibt es zwei Filter: Erst schlägt ein Nominierungsausschuss dem Aufsichtsrat einige Kandidaten vor, dann erstellt der Aufsichtsrat in einem zweiten Schritt die Wahlliste.

Höchst informell geht es dabei zu, man könnte auch sagen: intransparent. Headhunter, ansonsten in die Besetzung hochrangiger Posten eingeschaltet, spart man sich in der Regel, berichtet Christine Stimpel, Chefin der Personalberatung Heidrick & Struggles: "Die Auswahl erfolgte bisher meist nach anderen, ebenfalls wichtigen Kriterien: Man wollte jemanden, den man kennt, dessen Integrität und Verhalten man erlebt hat." Man kennt und man schätzt sich. Man versorgt sich gegenseitig mit Mandaten. "Wir haben keinerlei Idee, wie der einzelne Vorschlag zustande kommt. Da passieren oft seltsame Dinge", kritisiert deshalb DWS-Manager Henning Gebhardt. Er als Investor wird im Vorfeld nicht gefragt, ob jemand adäquat ist für die Aufgabe. "Wir erfahren erst aus der Einladung zur Hauptversammlung, wer uns vertritt."

Das mögen sich die selbstbewussten Investoren künftig nicht länger gefallen lassen: Männer wie Hans Hirt von der britischen Fondsgesellschaft Hermes zum Beispiel. Hirt vertritt Pensionsfonds, die Anteile an allen 30 Dax-Konzernen halten. Und selbst ein so gewichtiger Aktionär wie er wird nicht gehört für die Auswahl der Aufsichtsräte. In Großbritannien sei es üblich, dass vorab die Meinung der großen Aktionäre eingeholt wird, "in Deutschland nicht". Hirt verlangt deshalb mehr Mitsprache: "Wir wollen im Vorfeld keine bestimmten Namen ins Spiel bringen, aber zumindest Anforderungsprofile für die Posten." Denn der wackere Protest auf der Hauptversammlung bringt wenig. Und sich hinterher in Briefen über unqualifizierte Kontrolleure zu beschweren ist für Hirt auch nur ein schwacher Trost.

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