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Schulbücher : „So können Schüler nur marktskeptisch werden“

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In Schulbüchern wird die moderne Wirtschaft oft zu negativ bewertet – zu Unrecht. Bild: dpa

Das Misstrauen gegen die moderne Wirtschaft sitzt tief. Das fängt schon in der Schule an. Denn in vielen Lehrbüchern kommen Globalisierung, Unternehmertum und Freihandel oft nicht gut weg.

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          Zehntausende sind allein im vergangenen Jahr hierzulande auf die Straße gegangen, um gegen die EU-Freihandelsabkommen mit Kanada und den Vereinigten Staaten zu demonstrieren – darunter überdurchschnittlich viele junge Leute. Woher aber kommt diese Skepsis der eigentlich kosmopolitischen Jungen gegenüber Globalisierung, Freihandel und Wirtschaft generell? Zumindest teilweise aus ihrer Schulzeit, lautet die Antwort der Familienunternehmer und ihrer Nachwuchsorganisation, der Jungen Unternehmer.

          Die Verbände haben zwei Professoren der Universität Siegen damit beauftragt, deutsche Schulbücher auf ihre Wirtschaftsfreundlichkeit oder -feindlichkeit hin zu untersuchen – und wie das Unternehmertum dargestellt wird, ob als Motor gesellschaftlicher Dynamik oder als Bedrohung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die Ergebnisse sind aus Sicht des Unternehmerverbands wenig erfreulich. „Die oft marktskeptische Darstellung von wirtschaftlichen Themen – gerade in Geografie- und Geschichtsbüchern – ist bedenklich“, sagt Lutz Goebel, Präsident der Familienunternehmer. Sie untergrabe nicht nur die Zustimmung für das hiesige Wirtschaftssystem, „sondern auch für unsere offene Gesellschaft“.

          Kritisch bewertet der Verband vor allem die Darstellung des Freihandels, der in vielen Schulbüchern schlechtgemacht werde. Bei der Globalisierung würden die Risiken stärker betont als die Chancen, Gerechtigkeit tauche vor allem als Verteilungsgerechtigkeit auf – Leistungsgerechtigkeit dagegen spiele nur eine geringe Rolle. „So können Schüler nur marktskeptisch werden“, sagte Goebel.

          Thema Globalisierung im Erdkundebuch

          Die Studie nennt konkrete Beispiele aus den untersuchten Schulbüchern. So heißt es in einem Erdkundebuch zum Thema Globalisierung: „Dem alten Standort werden Arbeitsplätze, Wirtschaftskraft und Steuern entzogen. Problematisch am neuen Standort ist häufig die Missachtung von Umwelt- oder Arbeitsschutz für die Arbeitskräfte.“ In einem anderen Buch wird der Freihandel mit dem Satz „Der Großteil der Bevölkerung hat aber keinen Vorteil vom Welthandel“ bewertet. Und über das System der Marktwirtschaft heißt es in einem Buch für den Politikunterricht: „Ihre häufigen Krisen, die die wirtschaftliche Existenz großer Menschengruppen bedrohen, und die weltweiten Umweltzerstörungen lassen jedoch viele Menschen an diesem Leitbild zweifeln.“ Zwar bemühten sich viele Bücher um Ausgewogenheit – aber nicht immer mit Erfolg, erklären die Studienautoren. Häufig seien die Darstellungen zudem stark verkürzt.

          Das liegt der Studie zufolge auch daran, dass wirtschaftliche Themen vorwiegend im Geschichts- und Erdkundeunterricht behandelt werden; hinzu kommen mancherorts Fächer wie Arbeitslehre oder Sozialkunde. Den Erdkundebüchern etwa wird zwar „ein hohes methodisches und inhaltliches Niveau“ bescheinigt. Wirtschaftswissenschaftlich fundierte Erklärungen aber lieferten sie kaum. Deshalb fordern die Familienunternehmer ein flächendeckendes, originäres Schulfach Wirtschaft – das es der Studie nach derzeit nur in Baden-Württemberg gibt.

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