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Ungleichgewichte : Auf dem Weg zu einer neuen Weltwährungsordnung?

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Die Defizitländer, allen voran die Vereinigten Staaten, hatten entsprechend massive Kapitalzuflüsse zu verzeichnen bei einer gleichzeitig sehr expansiven Ausrichtung der makroökonomischen Politik Bild: dpa

Chinas Währungsreserven wachsen, während die Vereinigten Staaten massive Kapitalzuflüsse verzeichnen. Das hat wesentlich zur Kreditblase vor der Finanzkrise beigetragen. Für eine stabile Währungsordnung müssen sich alle grundlegend umorientieren.

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          Der Weg zu einer stabileren internationalen Währungsordnung führt nicht über eine globale Fixierung der Wechselkurse. Dies wäre aufgrund der großen wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen der Welt weder politisch realisierbar noch ökonomisch sinnvoll. Ein internationales Währungssystem mit flexiblen Wechselkursen zwischen den großen Währungsblöcken der Welt verspricht eindeutig mehr Vorteile.

          Die derzeitige Weltwährungsordnung wird häufig als „Unordnung“ bezeichnet, da es keine allgemein akzeptierten Regeln für die Funktionsweise des Systems gibt. Überspitzt formuliert stellt die internationale Währungsordnung gegenwärtig eine Mischung aus flexiblem Wechselkurssystem und Dollar-zentriertem Fixkurssystem dar. Die großen Industrieländer lassen ihre Währungen frei schwanken. Die Geldpolitik orientiert sich an binnenwirtschaftlichen Stabilisierungszielen.

          Einige wichtige Schwellenländer greifen hingegen einseitig in die Märkte ein, um die Aufwertung der heimischen Währung gegenüber dem Dollar zu dämpfen. Die Geldpolitik dient hier vorrangig exportorientierten Wachstumsstrategien. Gleichzeitig bestehen auch innerhalb der Gruppe der Industrieländer Divergenzen hinsichtlich der grundsätzlichen Ausrichtung der Wirtschaftspolitik. Während beispielsweise im Euroraum die Wirtschaftspolitik prinzipiell an mittelfristiger wirtschaftlicher Stabilität ausgerichtet ist, stehen in den Vereinigten Staaten kurzfristige Stabilisierungs- und Wachstumsziele im Vordergrund.

          Der Ökonom John Maynard Keynes auf der Konferenz von Bretton Woods: Der Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems Anfang der siebziger Jahre erfolgte zwangsläufig
          Der Ökonom John Maynard Keynes auf der Konferenz von Bretton Woods: Der Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems Anfang der siebziger Jahre erfolgte zwangsläufig : Bild: AFP

          Das Resultat dieser Weltwährungs-„Unordnung“ waren im Vorfeld der Finanzkrise persistente globale Ungleichgewichte in Form von hohen Leistungsbilanzdefiziten einiger Industrieländer und Leistungsbilanzüberschüssen bei einer Reihe von Schwellenländern. Diese Ungleichgewichte gingen mit einer massiven Akkumulation von Währungsreserven in den Überschussländern einher. Hier sei insbesondere China genannt, dessen Währungsreserven sich Ende 2010 auf 2,85 Billionen Dollar beliefen, oder 40 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsproduktes. Die Defizitländer, allen voran die Vereinigten Staaten, hatten entsprechend massive Kapitalzuflüsse zu verzeichnen bei einer gleichzeitig sehr expansiven Ausrichtung der makroökonomischen Politik. Diese Konstellation hat, neben anderen Faktoren, wesentlich zur Entstehung der Kreditblase im Vorfeld der globalen Finanzkrise beigetragen.

          Vor diesem Hintergrund ist auf globaler Ebene eine Diskussion um die Zukunft der internationalen Währungsordnung entbrannt. So ist die Reform des Weltwährungssystems ein wichtiger Punkt auf der Agenda der französischen G-20-Präsidentschaft 2011. Im Rahmen der aktuellen Diskussion wird häufig eine Rückkehr zum Goldstandard oder ein neues Bretton Woods gefordert. Für eine Einordnung der verschiedenen Vorschläge und Optionen ist daher ein Rückblick auf die Geschichte des Weltwährungssystems hilfreich.

          Ausgehend von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lassen sich grob fünf Weltwährungsordnungen unterscheiden:

          Erstens der klassische Goldstandard in der Zeit von etwa 1870 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

          Zweitens der Versuch der Wiederherstellung des Goldstandards in der Zwischenkriegszeit.

          Drittens das Bretton-Woods-System nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

          Viertens das flexible Wechselkurssystem ab 1973.

          Fünftens das schon skizzierte gegenwärtige Mischsystem, das sich seit Ende der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts herauskristallisiert hat.

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